Wie weiter ohne Atomenergie? Windräder sind nicht die Antwort! Von Saskia Ludwig
"Wir brauchen in Brandenburg noch mehr Windkraftanlagen. Dazu brauchen wir neue Trassen.“ Worte von Ministerpräsident Platzeck, mit denen er sich auch weiterhin Jahr für Jahr die von Windkraftanlagenherstellern unterstützte „Leitstern-Auszeichnung“ ans Revers heften kann. Aber zu welchem Preis?
Warum werden Milliarden Euro in eine Energiegewinnung investiert, die unsere Landschaft zerstört, auf absehbare Zeit unwirtschaftlich bleibt und das Problem der Energieversorgung nicht löst?
Wer in Brandenburg lebt oder zu Gast ist, wird schnell erkennen, wie mittlerweile die Landschaft unseres von Wäldern, Wiesen und einer einmaligen Seenlandschaft geprägten Bundeslandes durch Windkraftanlagen gezeichnet ist. Dabei sind es nicht die grauen Masten, die unsere Autobahnen und Bundesstraßen flankieren, sondern die in der Kulturlandschaft wild verstreuten Windkraftwerke in Wohngebietsnähe, die auf Widerstand in der Bevölkerung vor Ort stoßen.
Fukushima hat den Atomausstieg besiegelt. Das einzige Brandenburger Kernkraftwerk in Rheinsberg, das zu DDR-Zeiten errichtet wurde, ging bereits 1990 vom Netz. Die Kosten für die noch immer auf dem AKW-Gelände gelagerten radioaktiven Reststoffe und Abfälle werden den Steuerzahler über eine halbe Milliarde Euro kosten.
Fukushima bedeutet aber nicht, dass die Naturzerstörung durch Windkraftanlagen nicht mehr thematisiert werden darf, weil die Entscheidungsträger fern der Orte sind, an denen die „saubere Energie“ produziert wird. Die Ökoindustrialisierung im Zeichen der erneuerbaren Energien muss mit den gleichen Maßstäben geprüft werden, wie es bei der fossilen Energiegewinnung der Fall ist. Die nachhaltige Veränderung unserer Naturlandschaften bedarf klarer Kriterien, sonst gibt es für die immer höher werdenden Betonriesen einen Freibrief und Bürger, die ihre unberührte Natur schützen wollen, werden nicht gehört.
Oft gibt es in Deutschland berechtigte Klagen über die Bürokratie, deren Mühlen viel zu langsam mahlen. Das andere Extrem erleben wir nun unter dem Eindruck von Fukushima. Blitzentscheidungen mit einer Tragweite für die kommenden Jahrzehnte werden ohne eine sachliche Diskussion getroffen. Denn die sich als momentaner Mainstream etablierte ökologistische Lehre besagt: Wer nicht für Windkraftwerke ist, ist für Kernenergie! Was Brandenburg und Deutschland als Ganzes dringend bräuchte, wäre aber ein Ökologieverständnis in allen Parteien, das sich gegen eine Ökoprofitbewegung ausspricht und realistische Kosten-Nutzen-Abwägungen trifft. Dann würde endlich der Wert von unberührter Landschaft und Natur mit in die Planungen und Berechnungen einfließen.
Stattdessen erleben wir Bundespolitiker, die täglich mit Jahreszahlen jonglieren, wann die letzte „Kuppel“ endlich vom Netz geht. Im Schatten dieser Pseudodiskussion werden aber Entscheidungen getroffen, deren Tragweite erst dann zu spüren sein werden, wenn die Lichter sprichwörtlich ausgehen.
Die Autorin ist Chefin der CDU Brandenburg und der CDU-Landtagsfraktion
Joachim Gauck soll der neue Bundespräsident werden. Halten Sie diese Entscheidung für richtig?
12 Kommentare
Sie übertreffen alles an Sachlichkeit. Wenn Sie meinen, dass mein Name Ludwig ist, hätten Sie doch bitte erst recht mein Statment bei den Komentaren mit sachlichen Argumenten widerlegen können. Antworten Sie doch lieber auf meine Fragen! Warum braucht Brandenburg noch mehr Windräder, wenn es sich, wohlgemerkt nur bei Wind, schon 2x selbst versorgen kann?
Ich bin gespannt auf Ihre sachlichen Argumente.
MfG A.M.
Die CDU dreht mal wieder die Fahne in den Energiewind
Interessant ist auch das Frau Ludwig fordert, dass an die Erneuerbaren Energien die selben Maßstäbe gelegt werden, wie an fossile Energieträger. Jeder, der schon mal versucht hat einen Tagebau zu verhindern, weiß dass das noch nie funktioniert hat. Wenn also Frau Ludwig die "Gleichstellung" fordert, wird ihre Anbiederung bei den Windkraftgegnern wohl nach hinten losgehen.
Völlig undurchsichtig ist der Satz "... weil die Entscheidungsträger fern der Orte sind...". Also die Entscheidungsträger sitzen in den Regionalen Planungsgemeinschaften und in den Landesbehörden. Hier gab es während der CDU Mitregierung einen gewaltigen Personalabbau. Die beklagte Ferne ist also ein Produkt der CDU Mitregierung. Auch Frau Ludwig war da schon im Landtag. Die Regionalen Planungsgemeinschaften sind fast die einzigen Gremien, die in der Lage sind eine etwaigen Wildwuchs von Windkraft zu unterbinden, durch den Erlass von Windeignungsgebieten. In Ihrem Wahlprogramm von 2009 wollte die CDU aber grade diese Planungsgemeinschaften abschaffen. Eine Folge wäre gewesen, dass man Windkraftanlagen quasi überall hinstellen könnte.
Völlig abgehoben sind aber Phantastereien von einer "Ökoprofitbewegung". Bei der Naturzerstörung durch die Braunkohle durch Vattenfall, bei Aufbürdung von unabsehbaren Kosten auf die Allgemeinheit durch Atom- und CO2 Endlagerkosten spricht Frau Ludwig nicht von einer "Profitbewegung". Nein ihr fällt die Kulturlandschaft ein, wenn darin nachhaltig Energie erzeugt werden soll. Die Quadratkilometer großen Tagebaulöcher, die sich vor allem im sorbischen Siedlungsgebiet befinden und diese Kulturlandschaft unwiederbringlich vernichten, werden von ihr nicht mal für der Rede wert gehalten.
Insgesamt kann man nur trauig sein, über eine solche CDU. Steht denen dass Wasser jetzt wirklich schon so bis zum Hals, gibt es keine Themen zu besetzen? Ging mit Schönbohm der letzte Konservative mit Substanz? So werden wir die Energiewende nicht schaffen, keine Klimaschutz, keine Unabhängikeit vom Öl und vom Uran, keine neuen Arbeitsplätze.
Aber noch fragwürdiger ist, dass jetzt Windradriesen in Brandenburgs Wäldern als Ergänzung des Laub-Mischwald-Umbaus von Kiefernwäldern herangezogen werden sollen. Eine beträchtlich Anzahl von Waldfläche soll für den Bau weichen, egal ob der größte natürliche CO2-Speicher damit dezimiert wird. Hauptsache wir sind gegen die Regenwaldabholzung im Jahr des Waldes 2011?!
Ich bin entsetzt, was die Rot-Rote Regierung hier in Brandenburg veranstaltet, ein ehemaliger Naturschützer will Brandenburg zum Komplett-Industriegebiet umbauen. Mir ist es auch nicht wichtig, ob MP´s Lebenswerk in Gefahr gerät, wenn keine Windräder mehr gebaut werden sollten. Auch brauche ich keine Leitstern-Auszeichnung (nicht mal ein Porträt unseres MP auf der "Straße der Besten").
Mich freut jede Stimme, die zur Vernunft aufruft! Wer hier Sand im Auge hat, ist fraglich?
Wer den Artikel allerdings offen und vorurteilsfrei liest, wird schnell merken, dass es darin um die Notwendigkeit "realistischer Kosten-Nutzen-Abwägungen" unter Einbeziehung der Natur-und Landschaftsveränderungen geht.
Und was immer der Einzelne von der Kohleverstromung halten mag: Gerade in Brandenburg kann die Kohle bei keiner sachlich geführten Diskussion um Energiestrategien außen vor gelassen werden.
Diese zum Teil hysterisch geführten Debatten darum, wer den schnellsten Weg zum Atom- und am besten auch gleich zum Kohleausstieg erfindet, hilft niemandem mit Ausnahme der (Öko-)Industrie und deren natürlichem Bestreben nach Profit selbst.
Keine amdere Industrie war bei Ihrem Start mit so vielen Prüfauflagen, Vorschriften und engen gesetzlichen Rahmenbedingungen belastet, wie es bei der Windkraft der Fall ist. Hier hat die Politik aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und bei ersten Problemen schnell reguliert. (So muss z.B. beim Bau einer neuen Windkraftanlage nicht nur ein Lärmemmissions- sondern auch ein Schattenwurfgutachten beigebracht werden.)
Was die brandenburger CDU-Chefin hier versucht ist: a) bei der Landbevölkerung Ängste zu schüren und lokalpatriotischen Populismus zu versuchen. b) Dafür zu sorgen, daß die Investitionen der Energieriesen in Kohlekraftwerke durch längere Laufzeit mehr Gewinn abwerfen.
Typisch CDU
Ich hoffe, Brandenburg fällt nicht darauf herein.