Land zahlt CCS-Werbung für Vattenfall
Kampagne soll für mehr Akzeptanz in der Bevölkerung sorgen. Grüne fordern Ende der geplanten unterirdischen CO2-Speicherung (15.02.10)
Von Matthias Matern
Potsdam - Mit einer Werbekampagne will das Land Brandenburg für den Energiekonzern Vattenfall den Widerstand gegen die unterirdische Kohlendioxid-Endlager isolieren. Die Kosten für die breit angelegte Mission, die für mehr Akzeptanz der sogenannten CCS-Technologie (Carbon Dioxide Capture and Storage) in der Bevölkerung sorgen soll, trägt nach PNN-Informationen der Steuerzahler. Erst Gespräche über mögliche Aufträge mit externen Werbeagenturen sollen bereits stattgefunden haben.
Brandenburgs Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) bestätigte am Montag auf PNN-Anfrage: Er habe ein Referat „strategische Kommunikation“ eingeführt, das künftig Meinungen zu strittigen Energiethemen wie CCS und Windkraft sammeln und „vorausschauende Argumente“ entwickeln soll.
Erst vor wenigen Tagen hatte Vattenfall den Druck auf die Landesregierung erhöht. In einem Zeitungsartikel beklagte Detlev Dähnert, Leiter der Bergbauplanung bei Vattenfall, mangelnde Unterstützung seitens des Landes „im Streit mit Bürgerinitiativen“. Zudem befand Dähnert, die Regierung „müsse jetzt moderierend eingreifen“.
Konzernsprecher Damian Müller bestätigte am Montag gegenüber den PNN weitgehend die Äußerungen Dähnerts. Es sei zwar „vermessen“ als Konzern Forderungen an eine Landesregierung zu stellen, doch müsse das Land „aus unserer Sicht möglichst schnell Initiative ergreifen“, sagte Müller.
Wirtschaftsminister Christoffers wies gestern jeden Zusammenhang mit den Forderungen Vattenfalls zurück. Eine solche Einflussnahme „verbitte er sich“. Es gehe nicht um die Interessen des Energiekonzerns Vattenfall oder der des Windkraftanlagenbauers Vestas, meinte der Minister. Gleichzeitig räumte Christoffers aber ein: „Wir brauchen für CCS und Windkraft eine höhere Akzeptanz.“ Aus seiner Sicht spiele die Einlagerung von Kohlendioxid unter Tage nicht nur eine wichtige Rolle für die Kohleverstromung, sondern für alle Produktionsabläufe, bei denen CO2 freigesetzt wird, sagte der Minister.
In den vergangenen Jahren hat Vattenfall in Brandenburg bereits mehrere Millionen Euro in die CCS-Technologie investiert. Im Herbst will der Konzern zudem mit der Erkundung möglicher Lagerstätten im Land beginnen. Das Vorhaben soll mit knapp 200 Millionen Euro von der Europäischen Union gefördert werden. Doch bereits kurz nach Bekanntwerden der Pläne Vattenfalls Mitte vergangenen Jahres formierte sich in den betroffenen Gebieten bei Neutrebbin (Märkisch-Oderland) und bei Beeskow (Oder-Spree) massiver Widerstand. Auch bundesweit haben sich die Reihen der CCS-Befürworter merklich gelichtet.
Desto eiliger scheint man es im brandenburgischen Wirtschaftsministerium zu haben. Obwohl das neue Referat offiziell erst Anfang März seine Arbeit aufnimmt, wird offenbar schon an der CCS-Kampagne gefeilt. Bereits Ende 2009 hatte zudem das Landesbergamt ein Forum zum Thema CCS und Klimaschutz auf seiner Internetseite geschaltet. Ab sofort können Bürger dort zusätzlich über eine interaktive Seite ihre Fragen direkt an das Amt richten.
Unterdessen hat der Fraktionschef von Bündnis 90/Die Grünen im brandenburgischen Landtag, Axel Vogel, die Regierung aufgefordert, standhaft gegenüber Vattenfall zu bleiben. „Brandenburg darf nicht zum CO2-Klo der Nation werden“, sagte Vogel. Der Widerstand im Land sei ähnlich massiv wie in Schleswig-Holstein, das sich deshalb gegen die Verpressung ausgesprochen habe. „Beeskow wartet auf ein Signal der Landesregierung nach dem Beispiel Schleswig Holsteins“, so Vogel.
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Kommentare
Die CCS Technologie hat viele immanente Gefahren, von Undichtigkeit bis zur Versalzung des Grundwassers und zu Erdbeben. Vieles ist ungeklärt. Sie steht im Wettbewerb mit Erneuerbaren Energien und hier besonders der Erdwärme. Sie ist eine Brücke ohne Anfang und Ende. Während die Beführworter der Erdwärme versuchen, durch eine Beitragserhöhung der Mitglieder ihres Bundesverbandes etwas Pressearbeit machen zu können zahlt die Medienkampagne des milliardenschweren Wettbewerbers der Steuerzahler. Der Grünanstrich der fossilen Kraftwerke kommt uns noch teuer zu stehen.
Horst Rüter (16.02.2010)CCS - Abwrackprämie für die Kohleindustrie
Andreas Walter (16.02.2010)Es gibt große Bedenken den technologischen Lösungansatz von CSS bezüglich der klimapolitischen Wirksamkeit sowie der technischen, finanziellen und rechtlichen Möglichkeiten umzusetzen. Die Bedenken beziehen sich auf den gesamten Prozess von der Abscheidung über den Transport bis hin zur Lagerung. Es gibt auch noch keine belastbaren Ergebnisse in Bezug auf Kosten und Wirtschaftlichkeit. Haftungsfragen, mögliche Trinkwasserbelastungen, fehlende Rechtssicherheit in Bezug auf Umweltrecht, Immissionsschutz, Abfallrecht und Wasserecht sind für eien EU-weite Richtlinie jedoch von entscheidender Bedeutung.
Außerdem wird mit erheblichem finanziellen Aufwand in der Öffentlichkeit ein völlig verzerrtes Bild von CO2-freier (Braun)Kohleverstromung erzeugt.
Was auch immer diese Propaganda-Aktion kostet - das dicke Ende kommt erst noch bei der praktischen Umsetzung dieser Technologie. Man rechnet etwa mit einer Verdopplung des Strompreises.
Herbert Weiß (16.02.2010)Hat unsere Obrigkeit eigentlich schon geschnallt, welche enormen Lagerkapazitäten man für eine sichere und dauerhafte Endlagerung braucht? Es wäre mindestens die vierfache Menge des beim herkömmlichen Verfahren verbrannten Kohlenstoffs. Etwa das dreieinhalbfache durch die Sauerstoffanlagerung, der Rest durch den zusätzlichen Energieaufwand. Der Transport dieser gigantischen Mengen könnte nur durch Pipelines erfolgen. Alles andere wäre indiskutabel.
Man muss die Windräder nicht mögen. Dort, wo sie nicht allzu sehr stören, kann man sie akzeptieren. Durch die Ergänzung mit den anderen Erneuerbaren, Energieeinsparung und der Zwischenspeicherung in Form von Biogas, Wassertoff oder mittels Pumpspeicherwerken ließe sich ein wesentlich nachhaltigeres und sichereres Versorgungskonzept erreichen. Die Kohle läuft uns nicht davon. Unsere Nachkommen können sie vielleicht für sinnvollere Zwecke gebrauchen.