Das neue Kabinett. Hintere Reihe v.l.n.r.: Ralf Christoffers, Helmut Markov (beide Linke), Holger Rupprecht, Günter Baaske, Rainer Speer (alle SPD). Vordere Reihe (v.l.n.r): Anita Tack (Linke), Martina Münch, Matthias Platzeck, Jutta Lieske (alle SPD), Volkmar Schönebeurg. Foto: Simone Diestel
100 Tage Rot-Rot
Da läuft noch einiges schief
Brandenburgs rot-rote Koalition von Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) regiert fast 100 Tage: Die Stasi-Enthüllungen machten bundesweit Schlagzeilen, doch die inhaltliche Bilanz ist mager. Das SPD/Linke-Bündnis, das mit einem öffentlichem Beschäftigungs-Sektor, Schülerbafög und
anderen Sozialversprechen antrat, kann kaum Erfolge vorweisen. Eine Analyse von Thorsten Metzner (07.02.10)
Matthias Platzeck:
Es ist die dritte Regierung des SPD-Ministerpräsidenten, der selbst sogar bereits seit 1990 am Kabinettstisch sitzt. Aber noch nie ist eine Koalition so schlecht gestartet wie Rot-Rot – nicht nur wegen der Stasi-Minen. Der Chef hat die Zügel nicht mehr so fest in der Hand. Er moderiert zu viel, hält sich aus Konflikten lieber raus. So ließ es Platzeck bisher zu, dass Innenminister Rainer Speer (SPD) und Finanzminister Helmuth Markov (Linke) im Kabinett regelmäßig aneinander geraten. Auch hat seine öffentliche Präsenz im Land nachgelassen. Ein Coup war es, mitten in der Stasi-Debatte die DDR-Oppositionelle Ulrike Poppe als erste Stasi-Landesbeauftragte zu gewinnen.
Helmuth Markov:
Er übernahm das Amt zu blauäugig, der erste Linke-Finanzminister in Deutschland und Platzeck-Vize, geprägt vom harmonischen EU-Parlament. Doch Administration verlangt andere Stärken. Der leidenschaftliche Debattierer machte die bittere Erfahrung, dass ihn das für sein Eigenleben berüchtigte Ministerium mit der Stasi-Jubiläumsverordnung ins Messer laufen ließ. Sein Krisenmanagement war nicht professionell. Markov, sprachgewandt und sicher auf dem Protokoll-Parkett, zieht nun die Zügel an. Der Haushalt 2010 wird am Dienstag im Kabinett beschlossen, das ist seine Feuertaufe. Der mächtige Gegenspieler bleibt: Sein Vorgänger, Innenminister Rainer Speer (SPD), sieht sich als Neben-Finanzchef. Mal sehen, ob Markov für die Personalplanung des Landes zuständig bleibt.
Jutta Lieske:
Superministerin, SPD, zuständig für das um Landwirtschaft erweiterte Infrastrukturressort, blieb blass, setzte keine Akzente. Peinlich für Rot-Rot: Das Ministerium vergab ein Lausitzer Schienen-Netz ohne Sozialstandards, obgleich die schon unter Rot-Schwarz zugesichert waren. Es rächt sich, dass Staatssekretär Jörg Vogelsänger, zuvor im Bundestag, keine Verwaltungserfahrung hat. Dessen Vorgänger Rainer Brettschneider, ohne den es den BBI-Flughafen nicht gäbe, hatte Platzeck in die Wüste geschickt.
Volkmar Schöneburg:
Der Linke-Justizminister und Ex-Verfassungsrichter schaffte es immerhin, Akzeptanz im „feindlichen“ Ministerium zu gewinnen. Dort waren die Vorbehalte groß. Seine CDU-Vorgängerin Beate Blechinger hatte eine Amtsübergabe verweigert. Schöneburg punktet als Jurist, er setzte erste Duftnoten, stoppte eine Investition in eine Haftanstalt in der Stadt Brandenburg und bot Berlins Senatorin Gisela von der Aue an, leere Gefängnisszellen in Brandenburg mit zu nutzen.
Rainer Speer:
Der Innenminister (SPD), vorher Finanzminister und früher auch schon Chef der Staatskanzlei und Umweltstaatssekretär, ging gut vorbereitet in den neuen Job. Sein Markenzeichen ist der Verzicht auf die Bodyguards. Er schlug Pflöcke ein, beerdigte umgehend das Tragschrauber–Projekt seines CDU-Vorgängers Jörg Schönbohm, stoppte den Umzug der Hubschrauberstaffel nach Schönhagen, ließ überzogene Abzock-Geschwindigkeitskontrollen drosseln und Himmelslaternen verbieten. Im Ministerium blieb kaum ein Stein auf dem anderen. Vor allem aber leitete Speer – der starke Mann der SPD und mögliche Nachfolger Platzecks – eine radikale Polizeireform ein, bei der Präsidien, Schutzbereiche und Wachen reduziert werden. In Kürze will Speer das Geheimnis lüften, wie viele der bisher 9000 Polizeistellen abgebaut werden sollen – man munkelt zwischen 1800 und 2600.
Holger Rupprecht:
Als einziger Minister führt er das gleiche Ressort wie vor der Landtagswahl: Obwohl der SPD-Bildungsminister sich nicht einarbeiten brauchte, schaffte er es bisher nicht, die lange vor der Landtagswahl propagierten Bildungsversprechen umzusetzen: Am versprochenen Schüler-Bafög, der Einstellung von 1250 neuen Lehrern sowie kleinere Kita-Gruppen wird gearbeitet und gearbeitet und gearbeitet.
Ralf Christoffers:
Es gab keinen Bruch – das wurde dem Wirtschaftsminister der Linken selbst vom scheidenden Chef-Wirtschaftsförderer Detlev Stronk (CDU) bescheinigt. Der Linke führt das Amt passabel, ist seinen Genossen schon zu liberal, zu Braunkohle-freundlich sowieso. Eine kluge Personalentscheidung hilft ihm: Er hatte sich den Staatskanzlei-Mitarbeiter Henning Heidemanns als Staatssekretär geholt, der den Apparat bestens kennt. Vergabegesetz mit Mindestlöhnen, neue Förderprogramme sind in Arbeit, aber noch nicht fertig.
Martina Münch:
Die Wissenschafts- und Kulturministerin (SPD) wurde sofort von Studentenprotesten in Atem gehalten, die sie mit zu entschärfen verstand. Bei den Hochschulen findet die souverän agierende Neue, Mutter von sieben Kindern, Anerkennung. Mit Staatssekretär Martin Gorholt, Ex-SPD-Bundesgeschäftsführer, führt zumindest ein Profi das Haus. Schwachstelle ist die Kultur, wegen Geldmangel brennt es besonders bei den freien Trägern an vielen Ecken.
Günter Baaske:
Der Arbeits- und Sozialminister hatte den Posten schon von 2002 bis 2004 inne. Und wollte ihn unbedingt wieder. Dennoch fiel der Ex-Chef der SPD-Landtagsfraktion bisher vor allem durch Attacken auf „Grausamkeiten“ der schwarz-gelben Bundesregierung auf. Sein Ministerium hat an Einfluss verloren: Die Gesundheitsabteilung ging zum Linke-Verbraucherschutzressort. Er gab die Zuständigkeit für das Vergabegesetz an das Linke-geführte Wirtschaftsministerium ab . Mal sehen, ob und wie er den öffentlichen Beschäftigungssektor schafft.
Anita Tack:
Sie wäre lieber Verkehrsministerin geworden, die resolute Linke. Zuständig für Gesundheit, Umwelt, Verbraucherschutz hat sie aber die Chancen des fachfremden Amtes erkannt. Sie hat – ob beim Umbei Schweinegrippe oder der Finanzierungsnot um ambulante Gemeindeschwestern – keine erkennbaren Fehler gemacht. Sie befriedete das zerrüttete Verhältnis zu den Umweltverbänden – und plant ressortübergreifend eine „Nachhaltigkeitsstrategie“.
Kommentare
Pressemitteilung
www.politik-in-der-mitte.de (08.02.2010)9. Montags - Demonstration gegen Rot-Rot in Brandenburg
- Keine Spitzel in deutsche Parlamente! -
am 08. Februar 2010 um 18:00 Uhr in Potsdam
Unter dem Motto: "Keine Spitzel in deutsche Parlamente"
ruft die Bürgerinitiative "Politik für die Mitte"
für den 08. Februar 2010 erneut zu einer friedlichen Demonstration in Potsdam gegen die gegenwärtige rot-rote Regierung auf.
Seit neun Wochen führen wir in Potsdam regelmäßig Montagsdemonstrationen durch.
Das Entsetzen über die Entscheidung von Ministerpräsident Platzeck, eine rot-rote Koalition mit all ihrer Vergangenheit und Belastungen in Brandenburg zu etablieren, hat uns zusammengeführt.
Was wir von Seiten des Regierungspartners Matthias Platzecks "DIE LINKE" erleben, ist Uneinsichtigkeit und eine beispiellos bedauernswerte Unfähigkeit die eigene Mitschuld am System DDR und dessen Verbrechen zu erkennen sowie Reue zu zeigen.
Unrecht getan zu haben, erkennen diese Leute nicht einmal ansatzweise.
Die politische Verantwortung für das diktatorische System DDR und auch für das Ministerium für Staatssicherheit lag bei der SED, der heutigen "DIE LINKE".
Diese Verantwortlichkeit ist nach der friedlichen Revolution von 1989 viel zu sehr aus dem Fokus geraten.
Eben diese Leute, die wenn auch teilweise nur in zweiter oder dritter Reihe Verantwortung trugen, schicken sich heute an unser Land regieren zu wollen.
Politische Verantwortungsträger von einst haben aber den moralischen Anspruch jeglicher Beteiligung an Regierungen verspielt.
Herr Platzeck, auch Sie tragen die Verantwortung für dieses Dilemma!
Treten Sie samt Regierung ab!
Im Anschluss wird wieder eine Andacht unter freien Himmel gehalten.
"Politik für die Mitte" ist ein loser Zusammenschluss engagierter Bürger gegen die rot-rote Regierung in Brandenburg.
Treffpunkt: am Montag 08.02.2010 ab 17:30 Uhr auf dem Vorplatz vom Nauener Tor (14467 Potsdam, Kreuzung zur Friedrich - Ebert - Straße)
Kundgebung: 18:00 Uhr
Beginn des Zuges: ca. 18:30 Uhr
Route: Nauener Tor, um den Platz der Einheit bis zur Propsteikirche St.Peter & Paul
Bürgerinitiative Politik für die Mitte
Gegen Rot-Rot
Ah, ich habe schon auf die Ankündigung des rechtsaußen/fdp - Bündnis gewartet. Mal gucken wann Sie wieder über Inhalte sprechen statt mit Populismus auf Stimmenfang zu gehen und damit die wirklichen Opfer zu verhönen. Wie nah diese sogenannte Bürgerinitiative an den Potsdamern / Brandenburgern ist sieht man ja an der überwältigenden Teilnahme...
K.P. (08.02.2010)Was Herr Metzner in seinem Artikel schreibt ist wohl den "100 Tagen" geschuldet, aber wirklich nicht interessant. Und dass die Montags-Marschierer sich an das ranhängen ist wohl notwendig, weil sich sonst niemand für eine Gruppe von Sektierern interessiert.
Reinhard Herman (08.02.2010)Wie nah das Thema "STASI", deren Vergangenheit, deren Opfer und die gesamte Aufarbeitung von dessen im Land Brandenburg den Leuten hier nahe geht, kann man gut hier erkennen:
O. Koch (08.02.2010)http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/11672207/2999770/Wie-weiter-in-Brandenburg-angesichts-der-Stasi-Faelle.html?voted=11672207&ergebnis=11744795
Außerdem sei Leuten wie "K.P.", die sich nicht mal trauen hier unter ihrem "Klarnamen" zu schreiben (die Birthler Behörde lässt schön grüßen) gesagt, dass z.B. ein Herr Jäkel (Die Linke/KPF = Kommunistische Plattform), eine Montags- Hartz IV Demonstration seit, ich glaube "5 Jahren" betreibt, mit dem regen Zulauf von ca. 5 bis 10 Personen!!! Das scheint ja unseren Linken "Gutmenschen" mächtig ans Herz zu gehen! Wie die sich da engagieren! Sollten stattdessen mal lieber auf ihren Geheimkonten in der Schweiz, Lichtenstein, Luxemburg usw. schauen, wo die 24 Milliarden DM geblieben sind, die sie von ihren Bürgern ergaunert haben. Da wäre jeden Hartz IV Empfänger oder anderen Bedürftigen sowie den Opfern dieses Regimes mehr mit geholfen als das ganze unsinnige Geschwafel und die Schönrederei der DDR, SED, MfS.
Ja es war kein gelungener Start der Regierung. Bei so viel Gegenwind ist es auch schwer gute Politik zu machen.
Günter. S (08.02.2010)Wenn es schnell wieder besser werden soll muß schnell das Thema Stasi aufgearbeitet werden.
Das setzt aber voraus, dass die Täter zu ihren Taten stehen und endlich ihre Schuld eingestehen.
Aber ebenso gehört dazu das sachlich und öffentlich darüber gesprochen wird.
So lange das nicht geschieht haben die Meckerer immer die Oberhand.
Was hindert die Stasi Spitzel daran zu sagen was sie getan haben?
Es muß ja sehr schlimm sein wenn man nicht sagen kann welchle Schuld man auf sich geladen hat.
Solang die Stasi Spitzel nicht zu ihren Taten stehen haben sie auch keine zweite Chance verdient und gehören erst recht nicht in die Regierung.
Sie wurden auch nur gewählt weil sie ihr "Geheimnis" für sich behielten und somit die Bürger getäuscht haben( Frau Stobrawa, Herr Hoffmann usw.)
100 tage nix. beim schwimmen nennt man das bauchklatscher.
AF (08.02.2010)nun, man ist ja jetzt wieder 4 volle jahre im amt und eine forderung nach neuwahlen ist nicht ernst und laut genug zu vernehmen. da kann so eine stasi-geschichte schon eine tagfüllende beschäftigung innerhalb aller franktionen werden. und wie sie sehen, sieht man auch hier nix.
und dennoch: unsere regierung arbeitet. hinter verschlossenen türen, das ist üblich, macht aber auch keinen schlanken fuß.
wir müssen geduld haben, denn abgerechnet wird am schluss und erst dann wird man sehen, was diese regierung zustande gebracht hat. oder eben nix. dann bleibt's halt beim bauchklatscher ...
und ich freue mich schon jetzt auf die wahlplakate 2013! mal sehen, wer uns dann wieder was vollmundig verspricht.
Werter Herr Koch, der konservative Bodensatz, der hier oft Gift und Galle gegen die DDR-Tradition in Brandenburg spritzt, weiterhin Potsdam's West-Zuzügler oder Rückkehrer schreiben auch mehrheitlich anonym. Haben Sie das noch nicht bemerkt ? Sind Sie (auch) neu hier ? Je inhaltsloser die cholerischen Attacken sind, je größer das Getöse ohne wirklichen Gehalt, umso höher ist doch die Wahrscheinlichkeit, dass kein Klarname darunter steht. So weit immerhin reicht die Sensitivität der Attackierer meist gerade noch.
Dr.Bernd-R.Paulke (08.02.2010)Wenn ich hier immer sehen muss, wie verfahren und vertrackt der Weg zur inneren Einheit ist, dann denke ich oft, man müsste bei den meisten dieser Leute beim politischen Grundwissen de facto bei Null neu anfangen. Z.B. denke ich da konkret an einen Solidaritätsfonds für BILD-Zeitungsopfer, also für systematisch von A.C.Springer verdummte und gegen den Osten aufgehetzte, kleine Leute. Mir ist klar, dass das erst richtig funktionieren kann, wenn die öffentliche Meinung Marianne Birthler, Hubertus Knabe u.v.a.m. vorzeitig in Rente geschickt hat. Die Voraussetzungen dafür sind denkbar schlecht, seit sich die Herrschaftselite dieses Landes offen dafür entschieden hat, nicht auf inhaltliche Diskussion und freien Austausch von Ideen zu setzen, sondern auf politische Kontrolle der öffentlichen Meinung (mit der Option der systematischen Manipulation). Ich erinnere hier an die Besetzung des ZDF-Chefredakteurs sowie die Entfernung des letzten Ost-Chefredakteurs einer Ost-Regionalzeitung (Thüringische Allgemeine) in diesem Jahr. Was meinen Sie wohl, warum das alles so passiert ist ? Doch nicht, weil die Wahrheit das höchste Gut darstellt .... Es zeigt doch eher, dass die westdeutsche Herrschaftstelite ein ähnliches Wahrheitsoproblem mit der Zeit des Kalten Krieges und der Wende hat wie die enttarnten IMs des MfS. Oder ? - Das jedenfalls ist meine Ableitung daraus. Warum kann kein Ostdeutscher (mehr) Chefredakteur einer ostdeutschen Regionalzeitung sein ? Kann mir das jemand plausibel machen ? [Abgeleitet vom Begriff 'Buschbeamter' ließen sich dafür sehr harte, treffende Worte finden und auch aussprechen.]
Ich selbst bin weder in der SED, noch IM des MfS gewesen. Die Grundidee im Osten habe ich stets bejaht, aber die Ausführung kritisiert.
In die BRD ausreisen wollte ich nie. Bei gutem Westempfang (wie in Potsdam) war vom Osten aus erkennbar, dass die Probleme im Zusammenleben der Menschen insbesondere perspektisch als noch größer anzusehen waren, als das im Osten der Fall war. Und diese Bewertung hat sich aus meiner Sicht vollauf bestätigt.
Schon allein die völlig dillettantische Art und Weise, wie Birthler, Knabe oder Schröder (FU-Forschungsverbund SED-Staat) in ihre Form der Aufarbeitung der DDR-Zeit eingestiegen sind, lässt mich nur tagtäglich mit dem Kopf schütteln. Die BRD sollte doch soviel Substanz und innere Stärke besitzen, an dieser Stelle einzugestehen: Auch wir haben uns unter den Bedingungen des Kalten Krieges x-fach gegen die Einheit der Nation, gegen die simplen Lebensinteressen des deutschen Volkes (als Einheit) vergangen. Zum Beispiel: .......
Das wäre der Anfang einer fairen Analyse der Zeit vom 8.5.45 bis zum 3.10.90.
Solange grundsätzlich gilt, dass die Aktionen des Westens (mit dem Ziel eines Zurückrollens der Sozialismus-Ansätze in Mittel- und Osteuropa) stets und ständig ausgeblendet werden und immer nur die Reaktion des Ostens darauf in den Fokus genommen wird, kann das nichts werden.
Hinzu kommt aus meiner Sicht, dass hier und heute große Publizisten, Analytiker, Journalisten im Range eines Sebastian Haffner fehlen. In den 60er Jahren gab es sie noch. Wenn dieses Land auf diesem kritischen, zukunftsbestimmenden Sektor nicht mehr anzubieten hat, als das Niveau eines Guido Knopp oder Hubertuis Knabe, dann kann einem Angst und bange werden.
Wer in diesem Kontext sein ideologisches Brett vor dem Kopf loswerden und einen wirklichen Neuanfang machen möchte, dem empfehle ich das preisgekrönte Buch von Tim Weiner (New York Times), "CIA - die ganze Geschichte". Wer das sorgfältig gelesen und auch verdaut hat, dem ist klargeworden, dass die westliche Geschichtsschreibung zum Kalten Krieg genauso auf Lügen beruht, wie z.B. die Starts in die beiden Golfkriege der letzten 20 Jahre. Lüge und Gewalt, - immer der gleiche Stil.
Herr Paulke, die innere Einheit scheitert nun einmal an Leuten wie Ihnen, die permanent in sinnlosen Schemata wie "West-Zuzügler", "Rückkehrer", "ostdeutsch", "westdeutsch", "westdeutsche Herrschaftselite" denken und propagieren. Sie stehen sich einfach selbst im Weg zur möglichen inneren Einheit, ob unabsichtlich oder gewollt.
M. Braun (09.02.2010)Und anstatt die eigenen Brandenburger Probleme anzugehen, suchen Sie Ihr Seelenheil bei der Bekämpfung des "äußeren Feindbilds" CIA.
Jeder, der nicht Ihr historisch überholtes Weltbild teilt, hat natürlich ein "ideologisches Brett" vor dem Kopf ....
Schade, dass Sie bis heute nicht begreifen wollen, dass der angebliche Sozialismus nur ein Trugbild zur Manipulation der Massen war. Er wurde nie wirklich angestrebt - das Einzige, was konsequent von den Machthabern bei uns im Osten angestrebt wurde, war die möglichst unbegrenzte Macht, die narzisstische Vollkontrolle des Untertanen und der menschenverachtende Machterhalt.
Und auch heute wird der "Sozialismus" wieder von den identischen Typen propagiert - SED-Nachfolgern und verdienten IMs. Und wieder geht es nicht wirklich um Sozialismus, sondern um persönliche Macht.
Wie flexibel die "Linke" doch beim Koalitionsvertrag war - Macht ist wichtiger als Braunkohlen-Umweltschutz und die Treue zum eigenen Wort, nur mal so als Beispiel ...
Es gibt z.B. eine psychoanalytische Untersuchung zur Motivation der Zuarbeit mit dem MfS bei 20 ehemaligen inoffiziellen Mitarbeitern: 8 von 20 IMs suchten die Aufwertung ihres geringen Selbstwertgefühls (narzisstische Defekte der eigenen Psyche), 12 von 20 suchten beim Führungsoffizier und dem MfS nach Liebe und Fürsorge (Elternersatz wegen kindlicher Defizite), 7 von 20 wollten Hass und Rachegefühle gegen Expartner, Verwandte, Bekannte befriedigen, 6 von 20 versuchten hiermit, Schuldgefühle zu bekämpfen, 5 von 20 versuchten, angedrohter Strafverfolgung zu entkommen, nur ganz wenige (aus der Fraktion der HVA-Zuträger) wählten die Mitarbeit aus politischer Überzeugung (2 von 20 wegen Erfahrungen mit dem Nationalsozialismus). Motive konnten sich auch überlagern - und im wesentlichen waren es nie "ehrenvolle" Motive. Fast immer handelte es sich bei den IM um sehr schwache Charaktere ohne "Rückgrat" und "Ehrgefühl".
"Schuldgefühle wurden von den von uns
untersuchten IMs oft mithilfe von Verharmlosung, Verleugnung und
Rationalisierung abgewehrt. Die meisten der Untersuchten rechtfertigten
sich mit dem Argument, mit ihren „belanglosen“ Informationen
niemandem geschadet zu haben. Die mit den Zielen der SED identifizierten
Personen verteidigten auch nach dem Zusammenbruch der
DDR die Maßnahmen der Stasi, indem sie sie mit denen westlicher
Geheimdienste gleichsetzten. Diejenigen, die aufgrund massiven
Drucks gehandelt hatten, delegierten die Verantwortung an das MfS.
Zwei IMs rechtfertigten ihre Zusammenarbeit sogar damit, dass sie auf
diese Weise Freunde und Kollegen vor größerem Schaden bewahrt hätten.
Die Mehrzahl der Interviewten machte sich nachträglich wenig Gedanken
über die Folgen ihrer geheimen Informationen. Sie sahen sich entweder
durch den staatlichen Auftrag oder aufgrund ihrer persönlichen
Umstände gerechtfertigt. Einige empfanden weniger Schuld- als
Schamgefühle darüber, dass sie nicht den Mut aufgebracht hatten, die
Situation besser zu durchschauen und die Anwerbung zurückzuweisen.
Nur in zwei Fällen (von 20!) gab es den Wunsch, mit den Observierten zu sprechen,
um sich zu entschuldigen, aber vor allem auch deren Verständnis
für die schwierige Lage des IM in der Vergangenheit zu erreichen."
Wollen Sie von solch charakterlich schwachen, leicht erpressbaren, oftmals aus wirren persönlichen Motiven agierenden Leuten regiert werden, wenn diese insbesondere noch durch Parteidisziplin an ihre alten Auftraggeber (die SED-PDS-Linkspartei-Linke) gebunden sind?
Wer kennt IMs, mit denen es zu einer wirklichen Versöhnung kam? Wie viele von den hunderttausenden waren es bisher?
Mehr Mut zum Ablegen der persönlichen Scheuklappen und zur Zivilcourage wünsche ich, der ich weder "Westdeutscher" noch "Rückkehrer" bin .... und somit nicht in Ihr Standard-Feindbild-Raster passe ...
Vielleicht klappt's ja dann auch, den wirklichen Ursachen auf den Grund zu gehen - Sie sollten die Menschen lieber nach "anständig, aufrichtig, vertrauenswürdig, zuverlässig, tolerant" statt nach "ostdeutsch-westdeutsch" beurteilen.
Herr Paulke,
Heinz (09.02.2010)Herr Braun hat Ihnen ja schon geshrieben,was auch ich zu Ihrem Beitrag zu sagen habe.
Nur noch nebenbei gesagt,bei der Thüringer Allgemeinen wurde endlich nach 20 Jahren der frühere Chefredakteur der SED Zeitung "Das Volk"
und Altgenosse abgelöst.Meiner Meinung nach 20 Jahre zu spät.
lieber m. braun,
AF (09.02.2010)ihr beitrag ist für mich höchst interessant, deckt er sich doch mit meinen bisherigen mutmaßungen hinsichtlich motivation und gründe zur mitarbeit beim mfs.
können sie den titel und ggf. die bezugsguelle der studie/untersuchung nennen/hier veröffentlichen?
Hallo AF,
M. Braun (09.02.2010)im Internet finden Sie eine kurze Zusammenfassung bei der Friedrich-Ebert-Stiftung:
http://library.fes.de/pdf-files/bueros/leipzig/03314.pdf
darin auf den Seiten 89 bis 101.
Oder bei Google-Books als komplette Veröffentlichung in der Vorschau:
http://books.google.com/books?id=rwiKTaBytiYC&printsec=frontcover&hl=de&source=gbs_navlinks_s#v=onepage&q=&f=false
Die Untersuchung mag nicht umfassend und repräsentativ sein, aber sie gibt den "Trend" wieder.
Wenn man nun wiederum bedenkt, wie gezielt die charakterlichen Schwächen zur Anwerbung ausgenutzt wurden, sollte es umso kritischer gesehen werden, wenn die ehemaligen IMs auch noch im Parteiverbund der ehemaligen Auftraggeber daherkommen. Was ist bei solch einer aktuellen Integration der vielleicht einst zum Verrat Verführten oder Erpressten überhaupt an eigenständigem Denken zu erwarten?
vielen dank, m. braun.
AF (09.02.2010)und um ihre letzte frage zu beantworten: nichts, rein gar nichts.
deshalb will ich solche charaktere ja auch nicht in landesregierungen oder anderen posten mit entscheidungsgewalt sitzen sehen. und dafür - bzw. dagegen - muss man halt zumindest montags auf die straße gehen ...
@ M. Braun
Mirko Michael Augustinus Naundorf (09.02.2010)Jeder macht sich so gut er kann selbst lächerlich.
Sie Herr Braun sind darin ein Meister.
@Dr.Bernd-R.Paulke
Ich stimme Ihnen zu.
Die erneute Offenbarung der Sinnfreiheit des Bündnis Mitte??? wird kommentiert indem man es nicht kommentiert.
@ Mirko Michael Augustinus Naundorf
Schröder (09.02.2010)Na, haben sich ja zwei gefunden, die sich gar nicht gesucht haben: Sie und Herr Dr. B.-R. Paulke.
Dann sollten Sie aber der Vollständigkeit halber Ihr Profil bei XING um Einträge vor 1990 ergänzen, damit wir mal sehen können, welche geistigen Väter Sie hatten!
Lieber Herr Naundorf, aus dem Munde eines ehemaligen Hauptamtlichen ehrt mich diese Lächerlichkeit.... da lach' ich doch gleich mit Ihnen zusammen, so als Geste einer symbolischen Versöhnung.
M. Braun (09.02.2010)