• 10.08.2009
  • von Thorsten Metzner

Außerhalb des PROTOKOLLS

von Thorsten Metzner

Nach Fisch- auf Stimmenfang

Angler sind ein eigentümliches Völkchen, oft meditierende Einsame in der Natur. Es gibt allerdings auch den ehrgeizigen Gruppen-Angler, der das Palaver braucht und dem Erfolg etwas nachhilft: Ob zu dieser Petri-Jünger-Spezies SPD-Fraktionschef Günter Baaske, der Cottbuser Oberbürgermeister Frank Szymanski und der Abgeordnete Werner-Siegwart Schippel gehören, ist zwar nicht bekannt. Fest steht aber, dass es das sozialdemokratische Männer-Trio jetzt aus dem seenreichen Brandenburg zum Angelurlaub nach Norwegen zog, wo man bekanntlich nur Köder und Haken ins Wasser halten muss und selbst als Laie garantiert dicke Fische aus den ewigen Gründen zieht. Tatsächlich hievten die drei zumindest nach ihren Schilderungen zentnerweise Rotbarsch, Dorade, Makrelen und Seeteufel ins Boot, um diese lecker zu brutzeln, zu verzehren oder zu konservieren. Pro Person darf man nur 15 Kilogramm Fisch ausführen. Ist es wirklich Zufall? Den größten Fang machte mit einem Ein-Meter-Fisch der einzige Nicht-Politiker an Bord: Der 18-jährige John Baaske, Sohn des Fraktionschefs. Mal sehn, ob die Politiker beim Stimmenfang in der Heimat am 27. September erfolgreicher sind.

„Liberal, aber sexy“

Mit dem Mann muss man künftig rechnen: Dr. Guido Beier, Jahrgang 1967, Brandenburger FDP-Kandidat für den Bundestag aus Hoppegarten, wagte sich jüngst auf heikles politisch-sexuelles Terrain. Der an der TU Berlin forschende Psychologe lüftete nämlich in einer Pressemitteilung das Geheimnis, warum FDP-Anhänger den meisten Sex haben, nämlich mehr als Unions- und Linken-Anhänger und die abgeschlagenen SPD-Wähler sowieso, die Liberalen zugleich aber am treuesten sind. Dies hatte nämlich das Politikmagazin Cicero in einer repräsentativen Sommerloch-Umfrage unter 1256 Deutschen herausgefunden. Als einziger Politiker weit und breit wagte Beier dafür eine Erklärung – die er in den FDP-Werten fand: „Gelebte Freiheit und Verantwortung führen zum Erfolg bei der Arbeit, beim ehrenamtlichen Engagement, in der Partnerschaft – und eben auch im Bett“. Sein Fazit: „Mehr Liberalismus tut Brandenburg gut.“ Von wegen, dass Brandenburgs FDP bieder ist: Auf die Wahlplakate „Liberal, aber sexy“ darf man gespannt sein.

Wahre Rechenkunst

Da waren die Christdemokraten richtig sauer: SPD-Finanzminister Rainer Speer, der starke Mann hinter Regierungschef Matthias Platzeck, hat von den Beamten seines Hauses die Kosten der Wahlprogramme von SPD und CDU berechnen lassen: Die Versprechen der Union kosteten danach das Land 942 Millionen Euro bis 2014, die der SPD angeblich nur 212 Millionen Euro. Seltsam, dass die Linken gar nicht dabei waren – vielleicht weil die diesmal sparsamer mit Forderungen sind. Trotzdem wollte der CDU-Abgeordnete Wilfried Schrey jetzt offiziell von der Regierung wissen, wann dem Parlament als „Haushaltsgesetzgeber“ Kalkulationen zu den Programmen aller bei der Landtagswahl antretenden Parteien zur Verfügung gestellt werden. Die Antwort von Speer: „Es steht dem Landtag frei, der Landesregierung einen derartigen Auftrag zu erteilen.“ Das ist aus Sicht von CDU und Linken frech: Das Parlament müsste dafür eine Sondersitzung in der Sommerpause einberufen.

Thorsten Metzner

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