Auch für Mondsüchtige hat Brandenburg Wanderrouten - wie hier im alten Tagebau in der Lausitz. Foto: ddp
Von Alexander Fröhlich
Müllers Lust: Routenplan zum Nacktwandern
Der Verein Fuss will Ausflügler ins Land locken, die mit Bus und Bahn anreisen, und wird vom Land unterstützt
(26.05.09)
Potsdam - Wer in Brandenburg wandern will, bekommt ab sofort Hilfe bei der Routenplanung. Der in Berlin ansässige Fachverband für Fußverkehr in Deutschland - Fuss e.V. - hat gestern eine bundesweit einmalige Internetseite freigeschaltet, die geeignete Wanderrouten in Brandenburg je nach Geschmack empfiehlt.
Die verzeichneten Wanderrouten sind insgesamt 1300 Kilometer lang und allesamt mit Bus und Bahn erreichbar. „Wir haben hier ein System, bei dem der Autofahrer nicht gut aussieht, denn sein Wagen parkt an der falschen Stelle, er muss zurückgehen“, sagte Fuss-Bundesgeschäftsführer, Bernd Herzog-Schlagk gestern bei der Vorstellung des Projektes „abgefahren - losgewandert. Wanderbahnhöfe in Brandenburg“ in Potsdam. „Für Wanderer geht es immer nur vorwärts.“ Verkehrsminister Reinhold Dellmann sagte: „Wir wollen mit dem neuen Projekt Möglichkeiten aufzeigen, bei Spaziergängen, Wanderungen und selbst beim Wanderurlaub in Brandenburg ganz auf das Auto verzichten zu können." Alle Strecken sind darauf ausgelegt, etwa in Berlin mit dem Zug zu starten, zu wandern und am Ende der Route wieder in die Bahn nach Berlin zu steigen.
Und die Palette ist vielfältig, unter www.wander-bahnhoefe-brandenburg.de finden sicht allerlei Angebote, die Routen wurden verschiedenen Zielgruppen wie Kindern und Senioren angepasst, 86 Etappen sind verzeichnet, etwa an dem „66-Seen-Weg“ um Berlin oder den Ruppiner-Land-Rundwanderweg. Wer es lieber unbekleidet mag, findet Nacktwege, an denen FKK-Badestellen liegen oder die man barfuß beschreiten kann. Für Genießer gibt es Schlemmerwege mit Cafés, Restaurants oder Hofläden, Besinnung findet man auf Pilgerwegen mit offene Kirchen. Ausgiebiger geht es auf Zwei-Tages-Touren samt Übernachtung zu, Start und Ziel ist jeweils der Berliner Hauptbahnhof. „Sie haben hunderte von Möglichkeiten, sich ihre Wanderrouten selbst zusammenzustellen“, sagte Bernd Herzog-Schlagk.
Minister Dellmann sprach von einem „verkehrspolitischen Signal durch das Projekt“, weil Bahnhöfe wegen geringer Auslastung der Strecken bedroht sind. Wanderer könnten helfen, kleine Bahnstationen zu erhalten. 9500 Euro aus Lottomitteln steuerte das Ministerium bei, das Projekt kostete 12000 Euro.
Allerdings scheint das Thema Wandern noch nicht im Urlaubsgeschäft angekommen zu sein. Diesen Eindruck hat jedenfalls Fuss-Chef Herzog-Schlagk. „Wir habe es gerade mal geschafft, dass wir bei der Tourismusmarketing Brandenburg (TMB) bekannt sind, mehr auch nicht.“ Tatsächlich findet man alles rund ums Wandern auf dem Internetportal des Reiselandes nur mühsam. Die TMB lege zu viel Wert auf Rad- und Wassertourismus, kritisiert Herzog-Schlagk. TMB-Geschäftsführer Dieter Hütte erklärte gestern: „Brandenburg ist nicht bergig genug, um als klassisches Wanderland zu gelten.“ Für Herzog-Schlagk nicht nachvollziehbar, denn mit der Gesellschaft alterten auch die Urlauber, und je älter sie werden, desto lieber würden sie wandern. Am besten über die leichten Hügel in Brandenburgs Landschaft, meint Traugott Heinemann-Grüder, Geschäftsführer des Tourismusverband Fläming. „Da steckt noch touristisches Potenzial drin, mit dem wir uns in Brandenburg noch nicht ausreichnend beschäftigt haben.“
Ein Gutachten für die TMB empfiehlt mit Blick auf Berlin die Entwicklung von „Wanderinseln“ und als Premiumweg mit nationaler Ausstrahlung den „66-Seen-Weg“. Zum Themenjahr „Naturtourismus in 2011 sollen Wanderangebote in den Reiseregionen „Marktreife erlangen“, so Hütte. Höhepunkt werde der Deutsche Wandertag 2012 im Fläming sein. Den hat aber nicht die TMB, sondern der dortige Tourismuschef Heinemann-Grüder ins Land geholt.