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  • 05.05.2009
  • von Alexander Fröhlich

Deutschland gegen Germania Bauamt will Prignitzer „Fürstentum“ räumen

von Alexander Fröhlich

Krampfer – Dem wegen angeblich rechtsextremer Hintermänner umstrittenen „Fürstentum Germania“ in der Prignitz droht die Räumung. Seit mehreren Monaten hausen mehrere Bürger des selbsternannten Kirchenstaats in einem heruntergekommenen Schloss in Krampfer, einem Ortsteil der Gemeinde Plattenburg mit 260 Einwohnern. Nun sollen sie das baufällige Gebäude verlassen, die Bauaufsichtsbehörde des Landkreises Prignitz hat die Nutzung untersagt und eine Frist bis 15. Mai gesetzt.

Fürstentum-Sprecher Sven Switer erklärte am Montag gegenüber den PNN, die Räumung sei den Bewohnern des Schlosses von den Behörden angekündigt worden, „weil es Auflagen gibt, die von Seiten der BRD gestellt werden, ob man dort wohnen darf“. Die zuständige Geschäftsbereichsleiterin des Landratsamtes wollte sich nicht zu dem Fall äußern und verwies auf den Datenschutz.

Tatsächlich haben die Fürstertum-Bewohner nach Informationen der PNN schlicht keinen Bauantrag gestellt, um es als Wohnung zu nutzen. Denn das Schloss, vor der Wende als Kindergarten genutzt, war jahrelang unbewohnt. Offenbar haben die Bürger des dubiosen Staatsgebildes aber mehrere Angebote der Baubehörde ausgeschlagen, um einen Bauantrag nachträglich zu stellen. Das passt zur bisherigen Haltung der Germania-Bürger, die völlig autark leben wollen und die Bundesrepublik sowie das Grundgesetz nicht anerkennen. Vielmehr gilt in ihren Augen noch die Verfassung des Kaiserreichs.

Brandenburgs Innenministerium spricht bislang von einer „wilden Gemengelage“, extremistische Bestrebungen seien bislang nicht erkennbar. Gabriele Schlamann vom Mobilen Beratungsteam gegen Rechts nennt die Schlossbewohner einen „bunten Haufen von Verschwörungstheoretikern, Holocaustleugnern und alternativen Aussteigern“. Der Sektenbeauftragte der evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg, Thomas Gandow, sieht Verbindungen in die rechtsextreme Szene. In der Gemeinde selbst herrscht Verunsicherung.

Auf die Räumung wollen die Schlossherren friedlich reagieren, kündigte Sprecher Switer an. „Wir werten das aber als Eingriff in unsere Freiheit.“ Nun suchen die Bewohner nach Alternativen: „Wenn wir es mit der völkerrechtlichen Anerkennung durch andere Staaten nicht in trockenen Tüchern haben, werden wir draußen in Zelten schlafen.“ Allerdings könnten auch dabei die Behörden einschreiten – wenn es zu viele werden auf dem 4000 Quadratmeter großen Gelände. Ein Zeltplatz ist das nämlich auch nicht. Alexander Fröhlich

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