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  • 12.08.2018
  • von Thorsten Metzner

Nach Pharmaskandal in Brandenburg: Eine Packung kostet 2529,27 Euro

von Thorsten Metzner

Medikamente (Symbolbild) Foto: dpa/Hans-Jürgen Wiedl

Eine Internet-Apotheke bietet auch nach dem Pharmaskandal das Krebsmedikament Herceptin an. Auf Lager habe man es nicht, man beziehe das angebotene Produkt erst im Fall einer Bestellung, heißt es.

Die Internet-Apotheke DocMorris hat keinerlei Medikamente der Brandenburger Firma Lunapharm auf Lager, die im Zentrum des Skandals um illegalen Handel mit gestohlenen und und womöglich unwirksamen Krebsmedikamenten aus Griechenland und Italien steht. Das hat das Unternehmen mit Sitz in Heerlen/Niederlande am Freitag auf Anfrage des Tagesspiegels klargestellt.

Eine Überprüfung des Warenbestandes nach dem Rückruf habe ergeben, so die Antwort, „dass die Apotheke DocMorris keine Produkte des Unternehmens Lunapharm auf Lager hat und diese auch seit mehreren Jahren nicht an Patienten abgegeben wurden“.

Anlass der Tagesspiegel-Anfrage war, dass bei DocMorris noch am Freitag etwa das betroffene Krebsmedikament Herceptin bestellt werden konnte, für das explizit die Lunapharm Deutschland GmbH als Anbieter ausgewiesen war. Privatpatienten könnten eine kleine Lunapharm-Packung „Herceptin 600mg/5ml Injektionslösung“ ordern – für 2529,27 Euro und gegen Vorlage eines Rezeptes.

„Die Behörden haben nicht das Medikament an sich zurückgerufen"

Das Beispiel zeigt zudem die Preisdimensionen beim Skandal. Erst am Vortag hatte Brandenburgs Gesundheitsministerin Diana Golze (Linke) bekräftigt, dass Lunapharm weiterhin keine Medikamente herstellen oder vertreiben darf. Herceptin befindet sich zum einen auf der Griechenland-Liste. Zum anderen hat Lunapharm nach jüngsten Behördenerkenntnissen auch mit Herceptin aus Italien gehandelt, noch 2018, obwohl es nach Diebstählen aus italienischen Krankenhäusern im Mafia-Kontext seit 2014 nicht mehr ausgeführt werden darf und seitdem auf einer EU-Warnliste steht.

Zu den angebotenen Lunapharm-Produkten erklärt DocMorris: „Die Behörden haben nicht das Medikament an sich zurückgerufen. Daher finden Sie das Arzneimittel auch noch in unserem Webshop.“ Man würde es erst im Fall einer Bestellung „über den deutschen Pharmagroßhandel beziehen, der aber natürlich über den Rückruf informiert worden ist“. Als weitere interne Sicherheitsstufe seien die betroffenen Chargen umgehend im Wareneingang gesperrt worden.

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