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  • 10.08.2018
  • von Laura Hofmann

Michael Müller besucht die "Berlin": Der mittelalte Mann und das Meer

von Laura Hofmann

Michael Müller (SPD) auf dem Weg zur "Berlin". Foto: Y. Dimont/Senatskanzlei

Berlins Patenschiff: Der Regierende Bürgermeister Müller besucht das größte Schiff der Marine, das gerade in der Nähe von Helgoland fährt. Und fühlt sich sichtlich wohl.

Es ist Donnerstag, kurz nach 13 Uhr und Michael Müller trägt einen Helm. In Kaki, der Farbe der Bundeswehr. Der Sea-King-Hubschrauber, der größte der deutschen Marine, mit Berlins Regierendem Bürgermeister an Bord, startet am Militärstützpunkt in Nordholz an der Nordsee, fliegt über gelbe Felder, Dörfer und Waldstücke, dann übers offene Meer. Müller macht Handyfotos aus dem Fenster. Er liebt das Hubschrauberfliegen.

„Wo nur ein Rotorenblatt zu sehen ist, sind mein Sohn und ich schon drin“, hat er vor dem Start erzählt. Montag ist er aus dem Urlaub zurückgekommen, er ist braungebrannt, wirkt entspannt; er hatte ganz offensichtlich eine gute Woche.

Am Montagabend hat er die Leichtathletik-EM im Olympiastadion eröffnet, am Mittwoch Topmanager von Siemens getroffen, um die Wogen zwischen dem Konzern und Berlin zu glätten und für die Hauptstadt als Standort eines bis zu 600 Millionen Euro teuren Innovationscampus zu werben. Und jetzt darf er Hubschrauber fliegen und zur See fahren.

Eine knappe halbe Stunde nach Start landet Müller am „Flughafen Tegel“. So nennt sich der Hangar auf dem Oberdeck der „Berlin“, dem mit 20.000 Bruttoregistertonnen größten Schiff der Marine, das gerade zwölf Kilometer südlich von Helgoland fährt. Es ist Müllers erster Besuch. 1999 wurde es durch Monika Diepgen, Ehefrau des damaligen Regierenden Bürgermeisters Eberhard Diepgen getauft, seit 2001 ist es Patenschiff der deutschen Hauptstadt und der „Flughafen Tegel“ nicht der einzige Referenzpunkt.

„Unter den Linden“ heißt die Offiziersmesse, die Chefkantine und Wohnzimmer gleichermaßen ist; „Potsdamer Platz“ nennt man hier den zentralen Treffpunkt. „Es ist toll, wie Berlin hier präsent ist“, sagt Müller. Das Schiff mit 160 Soldaten, darunter 15 Frauen, ist ein „Einsatzgruppenversorger“ (EVG), das bedeutet, es dient der Versorgung anderer Marineverbände mit Lebensmitteln, Betriebsstoffen und Munition. Ein Modell der „Berlin“ ist seit Juli im Roten Rathaus zu sehen.

"Ein Schiff ist wie eine schwimmende Stadt"

Empfangen wird Müller, der inzwischen sein Jackett gegen ein dunkelblaues Fleece mit Logo der „Berlin“ getauscht hat, durch Fregattenkapitän Sven Hikele, der auf der Schiffsführung am Nachmittag sagen wird: „Ein Schiff ist wie eine schwimmende Stadt.“ Ein eigener Mikrokosmos, in dem jeder seine Funktion hat. Hikele trägt die Verantwortung auf der „Berlin“, das passt zu Müllers Rolle in der Stadt. Alles hört auf Hikeles Kommando – das kann Michael Müller von sich nicht unbedingt behaupten. Führende Berliner Sozialdemokraten beklagen seine mangelnde Durchsetzungsfähigkeit und dass er den Koalitionären zu viel durchgehen lasse. Einige jüngere Parteifreunde um den ehemaligen Chef der Senatskanzlei Björn Böhning fordern eine Neuausrichtung der Berliner SPD, Ende August treffen sie sich zum Austausch.

Doch hier auf dem Schiff hat Müller eine Rolle, die er schätzt. Als jemand, der viele Fragen stellen und in eine ihm unbekannte Welt eintauchen kann. Bei der Führung bekommt er die Schläuche gezeigt, durch die im Einsatz Trinkwasser und Kraftstoffe auf andere Kriegsschiffe fließen, und wundert sich, wie hart sie sind. Bei seiner Ansprache vor den Soldaten wird er sich für ihren humanitären Einsatz bedanken. Als Teil der EU-Operation „Sophia“ hat die Besatzung der „Berlin“ schon mehrere Tausend Flüchtlinge aus dem Mittelmeer gerettet. Beim großen Tsunami 2005 lag der Truppenversorger, der über ein hochfunktionales, modernes medizinisches Behandlungszentrum verfügt, in der indonesischen Banda Aceh, um den Ausfall eines zerstörten Krankenhauses zu kompensieren.

Die "Berlin"-Besatzung hat schon Flüchtlinge gerettet

Und auch gegen Piraten haben die Soldaten 2012 am Horn von Afrika bereits erfolgreich gekämpft. Außerdem pflegt die „Berlin“ eine Patenschaft mit einem Neuköllner Kinderheim. „Die Bundeswehr und Berlin“, sagt Müller vor den Soldaten, „mussten sich nach der Wiedervereinigung erst aneinander gewöhnen“. Mittlerweile würde die Verbindung aber als etwas Selbstverständliches wahrgenommen. Später am Abend erinnert sich Müller dann noch an einen Onkel, der bei der Marine war und dessen Schiff in seinen letzten Diensttagen untergegangen ist. Dann will er nochmal raus, das Meer im Dunkeln beobachten.

Am nächsten Tag wird ihn der Sea King wieder nach Nordholz fliegen, der Wellengang ist zwar deutlich stärker als am Vortag, doch der Hubschrauber liegt ganz ruhig in der Luft. Glück für Müller. Walter Momper, einer seiner Vorgänger und jüngstes Mitglied im „Freundeskreis Einsatzgruppenversorger Berlin e.V“, der die Beziehungen zwischen der Stadt und dem Schiff pflegt, musste bei der Landung auf der „Berlin“ schon mal abgeseilt werden, weil es für eine Landung zu böig war. Man sagt, zunächst seien drei Meter roter Schal zu sehen gewesen. Erst dann Momper selbst.

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