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  • 13.07.2018
  • von Marion Kaufmann

Arzneimittel möglicherweise unwirksam: Illegaler Handel mit Krebs-Medikamenten aufgedeckt

von Marion Kaufmann

Foto: Frank May/dpa

Mitglieder eines kriminellen Netzwerks sollen Krebsmedikamente nach Deutschland geschmuggelt haben. Wie das rbb-Politikmagazin Kontraste berichtet, führt eine Spur nach Brandenburg. Wurden Patienten wirkungslose Medikamente verabreicht?

Potsdam/Mahlow - Ein Netzwerk international tätiger Pharmahändler soll in Deutschland illegal mit Krebsmedikamenten im Wert von mehreren Millionen Euro gehandelt haben. Eine Spur führt dabei nach Brandenburg. Das berichtete das ARD-Politikmagazin Kontraste in seiner Sendung vom Donnerstagabend.

Insgesamt 21 Mitglieder der Bande seien bereits Anfang Mai in Griechenland verhaftet worden. Ihnen wird unter anderem vorgeworfen, hochsensible Krebsmedikamente aus griechischen Kliniken entwendet und nach Deutschland geschmuggelt zu haben. Dort hatte das Netzwerk Geschäftspartner in Hessen und Brandenburg. Gegenüber Kontraste bestätigte die Staatsanwaltschaft Potsdam Ermittlungen gegen das Unternehmen Lunapharm mit Sitz in Mahlow (Teltow-Fläming) wegen des Tatvorwurfs der „Hehlerei und Verstößen gegen das Arzneimittelgesetz“. Es habe bereits eine Hausdurchsuchung gegeben. Lunapharm bestreitet, an dem Handel mit möglicherweise unwirksamen Medikamenten beteiligt zu sein.

Medikamente wurden auf Athener Fischmarkt zwischengelagert

Wie das Gesundheitsministerium dem rbb erklärte, soll bereits der Transport „nicht ordnungsgemäß verlaufen“ sei, zudem sei die Kühlkette unterbrochen worden. „Wir sprechen hier von einer illegalen Bande, die sich offensichtlich nicht um medizinische Anforderungen gekümmert hat“, sagte der stellvertretende Gesundheitsminister Pavlos Polakis Kontraste-Reportern, deren Recherchen zufolge die Präparate sogar auf einem Athener Fischmarkt zwischengelagert wurden. 

Das Brandenburger Gesundheitsministerium untersagte der Firma den Handel mit den betroffenen Krebsmedikamenten, entzog dem Pharmahändler aber nicht die Großhandelserlaubnis, weil keine Hinweise vorlägen, „dass mit Arzneimitteln, die Gegenstand von Straftaten geworden sind oder die in ihrer Qualität beeinträchtigt sind, gehandelt wurde“. 

Keine Warnung: Onkologe kritisiert Verhalten des Gesundheitsministeriums als „verantwortungslos“

Der Onkologe Professor Wolf-Dieter Ludwig von der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft kritisierte das Verhalten des Brandenburger Gesundheitsministeriums als „verantwortungslos“, weil Patienten und Ärzte nicht gewarnt wurden, damit „diese Medikamente so rasch wie möglich aus dem deutschen Markt verschwinden.“

Auch die oberste griechische Arzneimittelaufsicht EOF habe sich gegenüber Kontraste verwundert geäußert, dass der Skandal in Deutschland nie bekannt wurde und Lunapharm die Lizenz nicht entzogen wurde: Im Augenblick, als man die deutschen Behörden informiert habe, dass illegale Medikamente im Umlauf seien, „hätte man die Öffentlichkeit informieren können“, sagte Ioannis Malemis von der EOF. (mit roj)

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