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  • 13.07.2018
  • von Felix Hackenbruch

Bauen in Brandenburg: Teurer Traum vom Eigenheim

von Felix Hackenbruch

Luxus Lage. Rund um Berlin, wie hier in der Landeshauptstadt Potsdam, muss man für Immobilien immer tiefer in die Tasche greifen. Im Vergleich zu anderen Metropolregionen in Deutschland sind die Preise aber noch niedrig. Foto: Ralf Hirschberger/dpa

Immobilien- und Ackerlandpreise in der Mark erhöhen sich rasant. Nicht nur das Berliner Umland ist beliebt und die Preise steigen landesweit.

Potsdam - Der Bauboom rund um Berlin hält an. Wer in der Metropolregion Wohnbauland erwerben möchte, musste im vergangenen Jahr im Schnitt 172 Euro für den Quadratmeter zahlen. 2012 lagen die Preise durchschnittlich noch bei 82 Euro. Auch in den peripheren Gebieten Brandenburgs stiegen die Wohnbaulandpreise allein 2017 um sechs Euro auf 49 Euro je Quadratmeter. Wer nahe an Berlin wohnen möchte, muss also das dreieinhalbfache für Bauland bezahlen. Das geht aus dem Brandenburger Grundstücksmarktbericht hervor, der am Donnerstag in Potsdam vorgestellt wurde.

„Das ist nichts, was sonderlich überraschend kommt, sondern stellt eine Art Normalisierung dar“, sagte Jürgen Kuse mit Blick auf vergleichbare deutsche Metropolregionen rund um Hamburg und München. Der Vorsitzende des Oberen Gutachterausschusses für Grundstückswerte, wo der Bericht erstellt wurde, erklärte, dass sich das Kaufverhalten in der Mark verändert habe: „Es gibt keine Auswahl mehr, die Käufer sind deshalb weniger kritisch.“ Immobilien-Angebote seien nur noch wenige Tage zu finden, dann seien sie bereits vergeben. Den größten Anteil der Käufer würden demnach Berliner ausmachen, die sich in der Stadt keine Wohnungen mehr leisten könnten, so Kuse. „Wir sehen, dass der Kaufdruck im Berliner Umland stark von Berlin beeinflusst wird.“

„Alle Orte, die etwa eine Bahnstunde von Berlin entfernt sind, wachsen“

Dabei sind die Käufer offenbar auch bereit, mehr für ein Eigenheim zu investieren. Landesweit stiegen die Preise. So kosten beispielsweise freistehende Ein- und Zweifamilienhäuser im Schnitt erstmals mehr als 200 000 Euro – ein Plus um neun Prozentpunkte. Im Berliner Umland liegt der Schnitt für diese Immobilien sogar bei 309 200 Euro, angeführt von Kleinmachnow und Potsdam, wo ein Einfamilienhaus 800 000 beziehungsweise 600 000 Euro kostet – im Mittelwert.

Längst erstreckt sich der Boom aber nicht mehr nur auf das Berliner Umland. „Alle Orte, die etwa eine Bahnstunde von Berlin entfernt sind, wachsen“, sagte die brandenburgische Innenstaatssekretärin, Katrin Lange (SPD). Sie rät Interessierten dazu, Angebote genau zu vergleichen und gegebenenfalls auch „in die zweite Reihe“ auszuweichen. Doch auch in Eberswalde (Barnim), Cottbus und Brandenburg/Havel, das zeigt der Bericht, stiegen Nachfrage und Preise. Das habe mehrere Gründe, so Lange: „Der Kauf von Immobilien ist nicht nur als Zuhause interessant, sondern auch als Wertanlage.“

Durch die steigenden Immobilienpreise erreichte der Geldumsatz in der Mark mit 5,9 Milliarden Euro einen Spitzenwert. Was Käufern Sorge bereitet, freut die rot-rote Landesregierung. Immerhin sorgt der Rekordumsatz bei ihnen für volle Kassen. Über die Grunderwerbssteuer nimmt das Land bei jedem Immobilienkauf 6,5 Prozent des Preises ein.

Ein Quadratmeter Ackerland für 30 Cent

Zum Teil liegt das aber nicht nur an den Immobilien-, sondern auch an den Ackerlandpreisen. Die stiegen im Land um ganze 17 Prozent und lagen damit im Schnitt erstmals über einem Euro je Quadratmeter. „Anders als bei den Wohnungen, gibt es hier kein Umland-, sondern ein Nord-Süd-Gefälle“, so Kuse. Tatsächlich kostet ein Quadratmeter Ackerland in der Lausitz und im Landkreis Oder-Spree oftmals nur 30 Cent, während man in der Prignitz und in der Uckermark bis zu 2,40 Euro zahlen muss. „In der Uckermark ist Wohnbauland teilweise nur 60 Cent teurer“, sagte Kuse, der trotz der Preissteigerung darauf hinwies, dass man bundesweit immer noch die günstigsten landwirtschaftlichen Flächen habe.

Wer noch wirklich günstigen Wohnraum in Brandenburg erwerben will, muss genau suchen. Fündig wird man beispielsweise im Örtchen Schlieben im Landkreis Elbe-Elster. Reihenhäuser werden dort im Durchschnitt für 17 100 Euro angeboten, ein Einfamilienhaus gibt es für 48 100 Euro. Dafür muss man aber auf einen Bahnhof verzichten, die nächste Autobahn liegt 40 Kilometer entfernt und ein Mobilfunknetz gibt es nur im Städtchen. Jürgen Kuse erklärte die niedrigen Preise mit demographischen Entwicklungen. „Elbe-Elster hat die jungen Leute verloren.“

Dem widerspricht Cornelia Schülzchen energisch. „Wir sind ein sehr präsentes Städtchen und überhaupt nicht verschlafen“, sagte die ehrenamtliche Bürgermeisterin von Schlieben. Schülzchen, von Beruf Bestatterin, freut sich über die Lage am Wohnmarkt. „Auch Menschen mit niedrigem Einkommen können sich hier noch etwas leisten. Mittlerweile kommen viele junge Menschen und bauen“, sagte sie. Die zuständige Mitarbeiterin im Rathaus von Schlieben bestätigt das. „Die Wohnpreise werden bald steigen", sagte sie. Für Familien sei der Ort attraktiv, schließlich habe man eine große Schule und keinen Kitaplatzmangel. Das zeige Wirkung. „Die Bauplätze werden schon knapp.“

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