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  • 12.07.2018
  • von Thomas Wochnik

Comic: Donald Duck kommt nach Berlin

von Thomas Wochnik

Ein verwirrter Donald und seine Neffen im Anflug auf Berlin. Illustration: Egmont Ehapa Media / Disney

Beim seinem neusten Besuch in der Hauptstadt begegnet Donald Unbekanntem mit Misstrauen. Eine versteckte Botschaft? Ein Blick ins neue „Micky Maus Magazin“.

In eine museale Uniform gekleidet, hemmungslos einen antiken Säbel schwingend, rast einer durch Berlin. In den Augen deutlich erkennbarer Wahnsinn, unklar, welcher Art.

Hergekommen ist er mittels eines gewaltsam gekaperten Heißluftballons. Und er ist nicht allein. Zum Glück. Seine drei Neffen, Tick, Trick und Track folgen ihm auf Schritt und Tritt und verhindern immer wieder das Schlimmste. Irgendwo bei Bodenwerder in Niedersachsen hatte sich Donald Duck zuvor den Kopf angeschlagen, bei einem Autounfall, war für kurze Zeit weggetreten. Dann wachte er auf, und zwar als Baron Münchhausen, sich in Feindesgebiet wähnend, überall Gefahr witternd.

Fremd in der Fremde, begibt er sich sogleich auf die Suche nach Verbündeten – im Berliner Zoologischen Garten. Als er sieht, welche Huldigung den beiden Pandabären Meng Meng und Jiao Quing zuteilwird, meint er in ihnen ein Königspaar zu erkennen, bei dem er vorstellig werden sollte.

Es ist schon erstaunlich, welche Assoziationsräume sich diesen an sich wenigen Seiten des neuen „Micky Maus Magazins“ abgewinnen lassen. Und welche Symbolik. Dabei ist die Geschichte hier noch keineswegs auserzählt. Wir streifen noch so manche Sehenswürdigkeit der Stadt.

Versteckte Botschaften in Berlin

Autoren sind das US-Ehepaar Pat & Carol McGreal, die laut „Duckipedia“ zusammen seit 1996 für Egmont schreiben, der Verlag hinter so gut wie allen Disney-Produkten hierzulande. Und vielleicht weil Europa in manchen amerikanischen Augen ein altes Europa nur sein kann, sehen wir ausschließlich Fachwerkhäuser und historische Fassaden, etwa die des Zoos und der alten Charité. Gezeichnet in Perspektiven, die sich schnell bei einer Bildersuche im Netz finden lassen.

Auch da jegliches typische Berliner Lokalkolorit fehlt, liegt nahe, dass die Autoren womöglich nie selbst in der Stadt gewesen sind – tatsächlich tauschen die vier Enten mit nur einer Person einige wenige Worte aus, einem Arzt, der in erster Linie Arzt ist und eben nicht Berliner. Außerdem gibt es gar kein „Aligatorengehege“ im Berliner Zoo, nur eine „Krokodilhalle“.

Nein, nicht Berlin als Berlin steht hier im Vordergrund, sondern ein verwirrter Donald Duck in der Fremde, der nicht weiß, woran Freund oder Feind festzumachen sind. Und der nicht einfach an die örtlichen Gepflogenheiten andocken und sich wie gewohnt verständigen kann. Selbstverständlich ist ihm in dieser Welt gar nichts und so handelt er überwiegend aus Angst.

Dass seine Unsicherheit wie Wahnsinn erscheinen kann, der wiederum Angst auslöst, könnte eine versteckte Botschaft der Autoren sein. Dass daraus Reibungen mit dem an sich harmlosen Fremden entstehen, der auch noch zum Lügenbaron Münchhausen überspitzt wird, eine andere. Am Ende sind es dann die Kinder, die alles ernsthafte Unglück abwenden und schnell Anschluss finden, die Umgebung begreifen und Onkel und Urlaub retten.

All das wird man vielleicht gar nicht denken, wenn man das Heft wie gewohnt durchblättert. Womöglich ist hier aus einem kurzweiligen Micky-Maus-Magazin ein Elefant geworden? Nun gut, man kann immer darauf verzichten, den einfachen Dingen Interessantes abzuringen. Oder eben nicht. Der Gedanke, dass ein chinesisches Pandabärenpärchen Berlin regiert, der ist doch wohl durchaus interessant.

Die 15. Ausgabe des „Micky Maus Magazins“ erscheint am Freitag, dem 13. Juli.

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