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  • 11.07.2018
  • von Felix Hackenbruch

Einkommen in der Filmbranche: Für eine Handvoll Euro

von Felix Hackenbruch

Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Glanz, Glamour und Luxus prägen das Bild der Filmbranche schon seit Jahrzehnten. Die Branche ist derzeit enorm umsatzstark. Doch von dem Boom profitieren nicht alle.

Potsdam - Rote Teppiche, wilde Partys und luxuriöse Villen. Mit der Filmbranche verbinden viele wohl jede Menge Glamour. Doch der Traum von Ruhm und Reichtum erfüllt sich nicht für jeden in der Szene. Um die soziale Lage und Berufszufriedenheit der Film- und Fernsehbranche in Berlin und Brandenburg zu ermitteln, haben die Linksfraktionen beider Bundesländer eine Studie darüber in Auftrag gegeben und am Dienstag in Potsdam vorgestellt.

Die Zahlen offenbaren eine ambivalente Situation. Zwar liegt das durchschnittliche Jahreseinkommen der Filmschaffenden in Berlin und Brandenburg mit 38 996 Euro leicht über dem bundesweiten Durchschnitt der Branche und stark über dem gesamtbrandenburgischen Lohndurchschnitt von 28 715 Euro brutto, doch innerhalb der Branche gibt es starke Lohnunterschiede. So verdienen Frauen im Schnitt 31 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Zudem scheint das Einkommen stark vom Alter abhängig zu sein. Während die über 60-Jährigen im Schnitt 49 717 Euro im Jahr verdienten, kamen die unter 30-Jährigen auf gerade mal 14 861 Euro. Sehr oder überwiegend unzufrieden sind mit ihrer Arbeit jedoch nur 22 Prozent.

„Von der großen Umsatzstärke dieser Branche profitieren nur wenige“, sagte Anne Helm, medienpolitische Sprecherin der Linken im Berliner Abgeordnetenhaus bei der Präsentation. Die Ergebnisse der Studie würden sich mit ihren Erfahrungen decken, sagte Helm, die als Schauspielerin und Synchronsprecherin bereits an über 300 Produktionen beteiligt war. „Gerade als junge Frau wird man dazu gedrängt, prekäre Beschäftigungsverhältnisse zu akzeptieren“, so die 32-Jährige.

Ganz neu sind die Zahlen indes nicht. Sie entstammen einer bundesweiten Befragung von 2015, die Linksfraktionen haben davon eine Detailauswertung in Auftrag gegeben. Wohl auch, um auf Missstände hinweisen zu können, wie zum Beispiel beim Thema Gage. Der Studie zufolge gaben 17 Prozent der Freiberufler und Selbstständigen an, niemals nach Tarif bezahlt worden zu sein, 39 Prozent immerhin teilweise. „Vor dem Aspekt der Altersvorsorge müssen soziale Mindeststandards eingehalten werden“, forderte der Brandenburger Linken-Abgeordnete Volkmar Schöneburg.

Vor dieser Problematik hatte der rot-rot-grüne Senat im Berliner Koalitionsvertrag angekündigt, nur noch Projekte zu fördern, „die sozialverträglichen und ökologischen Standards gerecht werden“. Ausführend sollte dabei das Medienboard als Filmförderer in Berlin und Brandenburg sein. Eineinhalb Jahre später fällt Helms Zwischenbilanz jedoch kritisch aus: „Das Feedback des Medienboards auf unsere Forderungen war bislang sehr zögerlich.“ 

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