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  • 23.06.2018
  • von Thorsten Metzner

Aus der Bahn

von Thorsten Metzner

Problemzug. Mit dem Prignitz-Express gibt es immer wieder Probleme. Schon 2017 gab es Ausfälle und Verspätungen. Deswegen ist die Regionalbahn Dauerthema im Infrastrukturausschuss des Landtags. Foto: Bernd Settnik/dpa

Landtag debattiert über kaputte Züge, Ausfälle und Verspätungen bei Regios

Potsdam - Es ist sein Experiment. Michael Jungclaus, Brandenburger Landtagsabgeordneter der Grünen, lebt in Neuenhagen östlich von Berlin und fährt täglich mit dem Zug zur Arbeit nach Potsdam. Seit Sommer 2017 führt er eine persönliche Strichliste über seinen Pendleralltag. „Ich habe es seitdem zehn Mal geschafft, pünktlich in den Landtag zu kommen. Auf manchen Strecken sind die Züge ja quasi nie pünktlich“, sagte Jungclaus am Freitag im Brandenburger Parlament, im Verkehrsausschuss. Der befasste sich nämlich – inzwischen wie auf jeder Sitzung – mit Verspätungen und heillos überfüllten Regiozügen der Hauptstadtregion. Nur die Linien lösen sich ab.

Aktuell waren der Prignitz-Express (RB 6) und der RB 26 zwischen Berlin-Lichtenberg und Kostrzyn in Polen auf der Tagesordnung. Auf beiden Strecken ist es für Bahnfahrer zwischen Brandenburg und Berlin derzeit besonders frustrierend. Beim RB 26 kann die Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) seit Wochen nicht die Züge fahren lassen, wie sie es nach dem Verkehrsvertrag tun müsste. Und zwar wegen Technikproblemen, wie NEB-Geschäftsführer Detlef Bröcker den Abgeordneten erklärte. Die Züge seien zwar „im Prinzip“ da, aber in der Realität eben oft nicht. „Seit Mai haben wir zwei Fahrzeuge zu wenig.“ Daher würden auf der Strecke kleinere Züge eingesetzt, die einzig verfügbaren, die aber in Spitzenzeiten zu klein sind. Da könne es sein, dass man mit dem Fahrrad nicht reinkomme und stehen bleibe.

Die Gründe? Selbst die Abgeordneten kamen da kaum noch hinterher. Es habe Lieferprobleme des polnischen Herstellers gegeben, der wiederum Zulassungsprobleme in Deutschland hatte, so Bröcker. Und ein anderer Talent-Zug – die bekanntlich pannenanfällige Baureihe aus Hennigsdorf – aus dem Fuhrpark sei nach einer Entgleisung dann drei Monate ausgefallen, weil deutschlandweit ein Ersatzteil nicht habe beschafft werden können. Und so ging es immer weiter mit seiner Schilderung, wie auf ein gelöstes Problem das nächste Drama folgt. Der Ausblick? Er gehe davon aus, sagte Bröcker vorsichtig, dass „spätestens im August“ die Züge wieder so fahren wie vorgeschrieben. Solche Ankündigungen gab es früher schon. Die Linke-Abgeordnete Anita Tack erinnerte daran, dass man im Ausschuss bereits im November 2016, dann im Dezember 2017 just über Probleme mit dem RB 26 beraten hatte.

Auch beim „Prignitz-Express“ (RB 6) häufen sich – wie schon 2017 – seit Monaten wieder Ausfälle und Verspätungen. „Wir kriegen nicht das, was wir bestellt haben“, kritisierte Verkehrsministerin Katrin Schneider (SPD). Sie forderte von der Deutschen Bahn den Einsatz zuverlässigerer Technik – und vor allem zusätzliche Reservekapazitäten. „Unsere klare Forderung ist der Einsatz zusätzlicher, über den Verkehrsvertrag hinausgehender Ersatzfahrzeuge.“ Und zwar auf Kosten der Deutschen Bahn. Auch dort liegt es nämlich an kaputten Zügen. Die Deutsche Bahn setzt beim RB 6 seit 2016 zwar Fahrzeuge mit mehr Plätzen ein, die aber wegen Defekten – bei Motoren, Kühlungen, Bremsen bis zu bei Hitze platzenden Scheiben – oft in die Werkstatt müssen. Vorher fuhren die Züge für die DB in Süddeutschland. Sie habe kein Verständnis, sagte Schneider, dass es innerhalb des Konzerns offenbar keine Kommunikation gegeben habe, in welchem Zustand die Fahrzeuge seien. Und so fahren, ob beim Prignitz-Express, beim RB 26 oder anderswo, Züge nicht nach Fahrplan. Und das, obwohl schon die nach den aktuell geltenden Verkehrsverträgen bestellten Züge wegen der gewachsenen Pendlerzahlen kaum ausreichen und erst für die Folgejahre deutliche Verbesserungen angekündigt sind. Auf der Trasse aus der Prignitz kommen derzeit noch Baustellen dazu. „Ein unpünktlicher Zug führt dazu, dass sich Verspätungen über den ganzen Tag ziehen“, so Schneider. Und diesen Sommer wird die Strecke für sechs Wochen gleich komplett gesperrt. Mit dem Ersatzverkehr bräuchte man von Neuruppin nach Berlin dann drei Stunden – unmöglich für Pendler. Gearbeitet wird übrigens am Bahnhof Velten (Oberhavel), auch das typisch für die aktuelle Lage. Denn viele Baustellen, Nadelöhre oder auch geplante Verlängerungen der S-Bahn liegen im Speckgürtel, was fernab von Berlin mit ausgedünnten oder stillgelegten Linien kritisch gesehen wird. „Wir brauchen eine bessere Anbindung des Umlandes für das ganze Land“, warb Schneider um Verständnis. „Es ist wichtig auch für Uckermark, Lausitz und die Prignitz, dass die Engstellen in der Metropole beseitigt werden.“ Thorsten Metzner

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