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  • 14.06.2018
  • von Johanna Lehn

Berlin-Neukölln: Berlins schrillstes Public Viewing zur WM

von Johanna Lehn

Szenestar Nina Queer holt die Fußball-WM nach Neukölln – beim Public Viewing in der Sonnenallee. Foto: Cam At Work/promo

Drag-Queen Nina Queer kommentiert die Spiele der DFB-Elf. Deren Technik steht dabei nicht im Fokus.

"Grillorgien" verspricht sie, Bierduschen nach jedem Sieg der deutschen Mannschaft und eine Moderation, wie sie der gemeine Fußballfan nicht bei jedem Public Viewing geboten bekommt. Drag-Queen Nina Queer schaut sich die Spieler auch in diesem Jahr ganz genau an, wenn die schönste Nebensache der Welt ihren internationalen Höhepunkt, die Weltmeisterschaft, erreicht.

Die schönste Elf? "Keine Frage: die Spanier"

"Festivalcharakter" soll das Fußballgucken beim Berliner Szenestar haben, das offiziell "Locker Room by Nina Queer" heißt. Außer Fressmeile und Torwandschießen gibt es nach nach jedem Spiel außerdem eine Party, als Übergang "in eine schöne blaue Stunde", wie die Gastgeberin sagt. Ist sie denn wirklich ein Fußballfan? "Absolut", sie schaue aber nur Spiele bei Europa- und Weltmeisterschaften – "da bin ich ganz Frau". Die Antwort auf die Frage nach der schönsten Elf kommt prompt: Spanien. "Das sind richtige Kerle, die würde ich alle blind heiraten." Aber auch die deutsche Mannschaft kommt gut weg: "Da sind zwar ein paar Bubis dabei, aber auch die würde ich nicht von der Bettkante stoßen."

Alle WM-Spiele sind im Neuköllner Club Griessmühle an der Sonnenallee zu sehen, die Spiele der deutschen Elf wird Nina selbst kommentieren. Wer dabei Analysen der Passgenauigkeit oder Hintergrundinformationen zur Rasennässe erwartet, liegt falsch. Sie beurteile die Spieler "danach, was sie in der Hose haben" und verteile Seitenhiebe gegen ihre Spielerfrauen.

Freunde fanden ihre Kommentare lustig – so begann das Projekt

Nina wirbt für ihre Veranstaltung mit den Worten "Berlins schrillstes, sexuellstes und lustigstes Public Viewing". "Fußball ist für mich unglaublich sexy", sagt die Drag-Queen. Auf dem Platz, im Stadion und auch vor dem Bildschirm herrsche "eine gigantische Homoerotik. Alle ziehen sich ihre T-Shirts aus, wenn ein Tor geschossen wird." Schrill sei es allein schon deshalb, weil "eine Transe kommentiert, der man Fußball ja eigentlich nicht zuschreibt." Und dass es lustig wird, glaubt man ihr sofort, wenn sie selbst über das Event spricht. "Ich verwandle jedes ernstzunehmende Spiel in eine ausgelassene Comedy-Show."

Geboren wurde die Idee beim Fußballgucken in Ninas Wohnzimmer. Weil ihre Freunde ihre Kommentare so lustig fanden und das Wohnzimmer von Spiel zu Spiel voller wurde, machte Nina kurzerhand ein Public Viewing in ihrer damaligen Bar "Zum Schmutzigen Hobby" daraus. Was dort mit rund 30 Leuten begann und sich später im Club "Musik und Frieden" an der Oberbaumbrücke fortsetzte, wird in diesem Jahr ein Großevent im Biergarten der Griessmühle in Neukölln. Bis zu 3000 Besucher erwartet Nina in einem "der bestlaufenden Clubs in Berlin", wie sie den Veranstaltungsort beschreibt. "Die Griessmühle überholt bald das Berghain, da war ja jetzt eh schon jeder drin." Das sei aber nicht der Grund gewesen, die Veranstaltung in diesem Jahr in die Griessmühle zu verlegen. Im "Musik und Frieden" sei das Public Viewing ein Erfolg gewesen, aber da es drinnen lief, sei es einfach zu heiß gewesen.

Vor dem ersten Anpfiff zu recherchieren, wer auf welcher Position spielt oder was ein taktisches Foul von einem Offensivfoul unterscheidet, sei nicht nötig, sagt Nina Queer. "Ich bin einfach ein natural born Fußballprofi – von nichts ’ne Ahnung, aber immer voll dabei." Bei allem Spaß ist sie trotzdem der Meinung: "Das Ergebnis am Ende muss stimmen."

Und wer reckt am Ende den heiß umkämpften Pott gen Himmel? Für Nina Queer steht der Sieger fest: "Deutschland natürlich!"

Adresse: Locker Room, Griessmühle, Sonnenallee 221, Neukölln, S-Bahnhof Sonnenallee, vom 14. Juni bis 15. Juli, Eintritt frei.

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