18.08.2018, 25°C
  • 25.04.2018
  • von Thorsten Metzner

Brandenburg plant „Guerilla-Werbung“ direkt in Berlin Die So-Einfach-Kampagne für Brandenburg

von Thorsten Metzner

soll im Mai starten. Nicht nur mit Plakaten

Potsdam - Nach dem Berlin-Bashing in einem Clip folgen gezielte Provokationen im Stadtbild der Metropole. Und es bleibt dabei: Die neue Landesmarketing-Kampagne wird mit dem umstrittenen Slogan: „Brandenburg. Es kann so einfach sein“ gestartet. Mit Plakaten im Mai oder Juni, wie Staatskanzleichef Thomas Kralinski am Dienstag auf einer Sondersitzung des Hauptausschusses im Landtag sagte. Dort gab es zur zwei Millionen Euro teuren Kampagne, die von der Agentur Scholz & Friends für Brandenburg entwickelt worden ist, erneut ein heftiges Pro und Contra. Es ist die gleiche Agentur, die einst die Kampagne für Baden-Württemberg „Wir können alles außer hochdeutsch“ erfunden hat, die erfolgreichste eines Bundeslandes.

Bislang waren nur der So-Einfach-Slogan und ein erster Test-Clip mit apokalyptischen Schwarz-Weiß–Bildern aus Berlin und der farbenfrohen Idylle Brandenburgs bekannt. Beides erhitzte die Gemüter. Nun präsentierte Kralinski den weiteren Fahrplan und einige Plakatentwürfe, die ab Mai zu sehen sein werden. Zunächst in Berlin und Brandenburg, vielleicht vereinzelt auch im Bundesgebiet, sagte Stefan Wegner, Partner und Geschäftsführer von Scholz & Friends den PNN. Es sind etwa schöne Landschaftsbilder, mit Sprüchen wie: „In wenigen Jahren wird über die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten leben. Selber schuld.“ Oder „Das S in Brandenburg steht für Stress.“

Und weil das Budget nicht üppig ist, sind „Guerilla–Aktionen“ in Berlin geplant, um mit Provokationen für Aufmerksamkeit zu sorgen. Einige Beispiele wurden gezeigt: „Tausche Hinterhof gegen Bauernhof“, heißt es da auf einem Anhänger, der vor einem Berliner Haus parkt, wo viele Menschen eine Wohnung besichtigen wollen. Oder es wird ein Großplakat gezeigt, an einem Ikea-Möbelhaus, ein Haus im Grünen und der Spruch: „Sie wollen sich gern mehr aufbauen als ein Bücherregal?“ Die Kampagne treffe nicht das Lebensgefühl und den Alltag, entspreche nicht der Lebenswirklichkeit, kritisierte CDU-Oppositionsführer Ingo Senftleben. Die Reaktionen im Land seien „verheerend“. „Diese Kampagne wird Brandenburg nicht gerecht.“ Und die Brandenburger selbst kämen darin nicht vor. Er nehme zur Kenntnis, dass es nun durchgezogen werde, sodass es eben später korrigiert werden müsse. Also nach der Landtagswahl 2019, so war die Anspielung gemeint, nach der die CDU und er als Ministerpräsident regieren wollen. Wegner reagierte mit dem Hinweis, dass es damals auch in Baden-Württemberg erhebliche Vorbehalte gegen den Slogan gegeben habe. „Erst die Anerkennung von Außen hat dann die Identifikation nach Innen gebracht.“ Er verwies darauf, dass man in Brandenburg mehr verwirklichen könne, als im überteuerten Süddeutschland oder als in Berlin. „Wir sehen doch, wie die creative class die Uckermark stürmt.“

 Der primäre Erfolg der Kampagne sei, viele zu animieren, es besser zu machen, sagte Grünen-Fraktionschef Axel Vogel sarkastisch. Allein die Sprüche, die Hörer von Radio Eins eingereicht hätten, nicht nur „Muss ja“, seien allesamt besser. „Man hätte sie daraus übernehmen und sagen können: Bye, bye - Scholz & Friends.“ Differenzierter äußerte sich Peter Vida, Landeschef der Freien Wähler. Man dürfe sich bei der Bewertung nicht allein auf das eigene Bauchgefühl verlassen, es gehe um Marketing, da müsse man Profis auch ernst nehmen. Vida kritisierte zugleich, dass für diese Kampagne schon wieder ein neuer Logo-Wappenadler erfunden worden sei, ein viel zu kantiger. „Der Adler sieht doch aus wie ein gefalteter Kranich!“

Dagegen verwies Kralinski darauf, dass eine Kampagne dringend nötig sei, weil das Land kaum bekannt sei, in der Wahrnehmung außerhalb „ein weißes Blatt Papier“. Man wolle „Sehnsüchte“ ansprechen und zum Handeln ermuntern. „Brandenburg kann einen Lebensstil bieten, nach dem sich viele in einer immer komplizierteren Welt sehnen.“ Er zeigte sich hochzufrieden mit der Resonanz. So sei der Clip auf Youtube fast vierhunderttausend Mal aufgerufen worden, es seien mehr als 300 Artikel in regionalen und überregionalen Zeitungen erschienen: „Wir haben über 20 Millionen Menschen erreicht.“ Die Kampagne treffe das Brandenburg-Gefühl vieler, sagte Kralinski zu Senftleben: „Es tut mir leid, wenn Sie zu dem Viertel gehören, die es anders wahrnehmen.“

Social Media

Umfrage

Die Einengung der Zeppelinstraße in Potsdam hat im Zuge der Dieseldebatte bundesweit Interesse geweckt. Ist die Maßnahme nötig, um ein Dieselfahrverbot in Potsdam zu verhindern? Stimmen Sie ab!