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  • 20.04.2018
  • von Ralf Schönball

Berlin-Charlottenburg: Schönheitskur für eine Straße

von Ralf Schönball

Öde Meile. In der Hertzallee hält sich niemand lange auf. Hier wenden Busse; Studierende laufen vom Bahnhof Zoo zur TU-Bibliothek. Foto: Wikimedia/Leif Jørgensen/CC-BY-SA-4.0

Die Hertzallee wird aufpoliert und Chefplaner von Senat und Bezirk träumen von einem neuen blühenden Quartier – aber zanken auch ein wenig.

Damit fangen die Probleme schon an: Der Treffpunkt ist gar nicht so einfach zu finden. Wer kennt schon die Hertzallee am Tiergarten? Studenten allenfalls, weil sie auf der Rückseite von TU und Universität der Künste (UdK) liegt, diese vergessene, am Ernst-Reuter-Platz entwidmete Straße auf der dunklen Seite vom Bahnhof Zoo. Das zu ändern, aus diesem städtebaulichen Opfer der verkehrsgerecht zerschnittenen Stadt einen Boulevard der Gründer und Ort der Wissenschaft zu machen, traten sie am Freitag gemeinsam an: die Chefplaner von Senat und Bezirk, Hochschulpräsidenten und Bildungspolitiker.

Und wirklich, der mittlere Abschnitt der Hertzallee, die nach dem S-Bahn-Viadukt im Schatten der Gleise als breite Zufahrt von BVG-Bussen zum Betriebsbahnhof beginnt, ist dort nun einladend mit hellen breiten Steinen gepflastert, es gibt rote Bänke und Platz zum Verweilen für Besucher von TU und UdK und für den „informellen Austausch“, wie UdK-Vizepräsident Norbert Palz hofft, um das zu vertiefen, was die beiden einander eher wesensfremden Hochschulen gestartet haben: einen gemeinsamen „Clusterantrag“ für die Exzellenz-Initiative des Bundes.

"Vom Bikini-Haus zum BH"

Von einen „Zukunftsort der Wissenschaft“ spricht deshalb Wissenschaftsstaatssekretär Steffen Krach. Und der Bezirksbürgermeister von Wilmersdorf- Reinhard Naumann (SPD) sieht den Bauabschnitt als „Vorboten“ für die Aufhübschung des ganzen Quartiers rund um den Bahnhof Zoo, zu dem der Bezirk „vor zehn Jahren“ den Anstoß gegeben habe: „Vom Bikini-Haus zum BH“, kalauert er, was von einer Zuschauerin als „unterste Schublade“ gescholten wird – das „BH“ ist der Altbau des Instituts für „Bergbau und Hüttenwesen“, das die Hertzallee nördlich abschneidet vom Ernst-Reuter-Platz.

Tatsächlich hatte eine Woche bevor die Honorationen am Freitag mit großen Scheren das rote Band zerschnitten eine erste „Werkstatt“ zur Entwicklung eines Masterplans für das ganze Quartier stattgefunden, dessen Teil die Hertzallee ist: vom Hardenbergplatz südlich des Bahnhofs Zoo bis zum Ernst-Reuter-Platz und vom Zoologischen Garten bis zur Hardenbergstraße. Aber „nicht einen Satz zu den Erwartungen des Senats an die Bauherren hat Senatorin Lompscher in der zweistündigen Veranstaltung gesagt“, stichelt Bezirkbaustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne). Er schwärmt vom Potenzial des Gebietes: Die Foto-Galerien und Museen (C/O Berlin und Museum für Fotografie), das Hotel am Steinplatz, die alte Börse, die Industrie- und Handelskammer – „in jeder anderen Stadt wäre das hier ein touristisches Highlight.“

"Wohnen würde gut passen"

Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) weist die Kritik zurück, wonach sie nur ausweichen und „bloß moderierend“ und ohne eigene Vorstellungen den Masterplan begleitet, um bloß nicht anzuecken und die Investoren ja nicht auf den Bau von Wohnungen festzulegen: „So weit sind wir noch nicht“, sagt sie, fügt aber schon hinzu, dass „Wohnen gut passen würde, insbesondere studentisches Wohnen“.

Dass die Technische Universität als Bauherr die Neubauten für das Mathematische Institut vorantreiben will, sagte der zuständige Planer beim Abschreiten der Hertzallee. Und der Münchener Investor, der das Grundstück am Wirtschatshof des Zoos erworben hat, stellte Pläne für ein Hotel, Büros, ein Gästehaus für die TU und studentisches Wohnen vor. Sechs Gebäude sind dem Vernehmen nach geplant, davon ein Turm mit 30 Geschossen.

Vielleicht bleibt deshalb auch nicht mehr viel Platz für die so dringend in der Stadt benötigten Wohnungen. Allenfalls in den vielen Bauten des Bundes, die ebenfalls in dem Karree stehen. Das hatte der frühere Chef der Bundesanstalt für Bauen zusammen mit dem BND-Architekten Jan Kleihues zur Planung eines lebendigen Wohnquartiers mit Stadtplatz und vielfältigen Nutzungen veranlasst. Doch diese Pläne, die von der TU in der Angst um ihren Campus abgelehnt wurden, sind vom Tisch.

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