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  • 06.04.2018
  • von Marion Kaufmann

Fachkräftemangel in Potsdam : Arbeitgeber Land

von Marion Kaufmann

Neuzugänge. Diese Woche übergab Rainer Grieger, Präsident der Fachhochschule der Polizei in Oranienburg, Ernennungsurkunden an Polizeianwärter. Foto: Bernd Settnik/dpa

Der Einstellungsrekord bei der Verwaltung macht die schlechte Personalplanung der Vorjahre nicht wett.

Potsdam - Der Fachkräftemangel ist längst auch in der Landesverwaltung angekommen. Egal ob Polizisten, Lehrer, Juristen oder Steuerexperten – viele Bedienstete gehen in den kommenden Jahren in den Ruhestand. Nun spricht das Land von einem Einstellungsrekord: Brandenburg habe im Jahr 2017 noch einmal deutlich mehr Neueinstellungen vorgenommen als in den vergangenen Jahren, teilte Finanzstaatssekretärin Daniela Trochowski am Donnerstag mit. 2140 Beschäftigte seien dauerhaft für die Landesverwaltung neu eingestellt beziehungsweise ihre Beschäftigungsverhältnisse entfristet worden. Dies waren laut Trochowski nochmal 190 dauerhafte Einstellungen und Entfristungen mehr als im Jahr 2016.

„Wir gestalten den Generationswechsel im öffentlichen Dienst“, meint Trochowski. Seit 2010 habe das Land fast 10 500 Beschäftigte neu und dauerhaft eingestellt – das sei eine besondere Leistung in Zeiten, in denen überall von Fachkräftemangel gesprochen werde. „Wer Fachkräfte braucht, muss auch dafür sorgen, dass sie rechtzeitig und gut ausgebildet vorhanden sind. Dieser Pflicht kommen wir nach“, ist die Staatssekretärin überzeugt. So seien im Haushalt 2018 rund 3000 Stellen für Anwärter und Auszubildende eingeplant.

 „Wir haben zu lange von der Substanz gelebt“

Gewerkschaften, Interessenvertretungen und Opposition kritisieren hingegen immer wieder, dass das Land in den vergangenen Jahren nicht vorausschauend geplant habe. Beispiel Lehrer: Dass Brandenburg – wie andere Bundesländer – auf einen Lehrermangel zusteuert, war lange absehbar, wie beispielsweise der Landeschef der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Günther Fuchs, nicht müde wird zu betonen. Trotzdem wird erst jetzt zwischen Bildungsministerium, Wissenschaftsministerium und Universität Potsdam darüber diskutiert, die Ausbildungskapazität für Lehramtsstudenten zu erhöhen. „So langsam dämmert es beim Land“, sagt Fuchs. Seit vier Jahren gebe es zwar einen stetigen Aufwuchs bei den Lehrereinstellungen, aber, so betont Fuchs, „wir haben zu lange von der Substanz gelebt“. Über Jahre habe die Landesregierung eine „desaströse Personalpolitik“ betrieben.

Nach Angaben von Trochowski seien im Vorjahr 1078 Lehrer unter Vertrag genommen worden. Damit seien für das Schuljahr 2017 rund 500 Kräfte dauerhaft mehr eingestellt worden, als den Landesdienst altersbedingt verließen. Was unerwähnt bleibt: Ohne Seiteneinsteiger wären gar nicht genug Pädagogen verfügbar, der Unterricht überhaupt nicht abzudecken. Unter den insgesamt 1084 Neueinstellungen für das Schuljahr 2017/18 waren 218 Seiteneinsteiger, die aus anderen Berufen kamen. „Es gibt einfach nicht genug Lehrer auf dem Arbeitsmarkt“, sagt Fuchs. Und wenn es welche gebe, bleibe das Problem, diese für Schulen in der Peripherie zu gewinnen.

333 Neueinstellungen 

Ähnliche Schwierigkeiten gibt es bei der Polizei. Dort sind im Vorjahr laut Finanzministerium 333 Neueinstellungen vorgenommen worden. Das reicht nicht. Denn das Land ist noch immer darauf angewiesen, dass Polizisten weiter arbeiten, obwohl sie das Ruhestandsalter erreicht haben. Um genügend Beamte zu rekrutieren, wurde in Brandenburg der Zugang zum Polizistenberuf erleichtert. So wurde vor knapp einem Jahr wie berichtet die Messlatte für die die Körpergröße von Polizisten ersatzlos gestrichen. Das findet nicht nur Zuspruch.

Die steigende Zahl der Polizeianwärter sei zu begrüßen, sagte am Donnerstag der Landesvorsitzende der Jungen Liberalen, Matti Karstedt. „Durch die Altersstruktur steuern wir auf eine riesige Personallücke zu“, so Karstedt. Allerdings werde die benötigte Anzahl an jährlichen Neueinstellungen nur schwer erreicht. Eine Erklärung aus Karstedts Sicht: „Durch die verfassungswidrige Besoldung hat das Land einen großen Vertrauensverlust als Arbeitgeber erlitten. Eine finanzielle Ausgleichszahlung wäre ein erster, richtiger Schritt, um das Vertrauen zurückzugewinnen.“ In jedem Fall sei es abzulehnen, die Anforderungen an die Anwärter herabzusenken. „Trotz Personalmangels dürfen wir die Qualität nicht für die Quantität opfern“, warnt Karstedt.

Forderungen nach mehr Personal

Auch in der Justiz wurden immer wieder Forderungen nach mehr Personal laut. Vor allem die Verwaltungsrichter ächzen angesichts eines riesigen Bergs an Altfällen, die teils über Jahre hinweg nicht abgearbeitet werden können. Nun seien im Vorjahr im Justizbereich 131 Neueinstellungen im gesamten Justizbereich vorgenommen worden, so Trochowski. Hinzu kommen 115 neue Bedienstete an Universitäten und Hochschulen sowie 108 in der Steuerverwaltung. Zu den Neueinstellungen im vergangenen Jahr gehören auch 100 Nachwuchskräfte auf speziellen Nachwuchsstellen.

Insgesamt ist die Zahl der Mitarbeiter im Landesdienst damit im vergangenen Jahr nur leicht gestiegen. Ende 2016 gab es 47 600 Beschäftigte, ein Jahr später 100 mehr, wie das Finanzministerium am Donnerstag auf Anfrage mitteilte. (mit dpa)

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