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  • 05.04.2018
  • von Madlen Haarbach

In Neukölln erschossen: Mahnmal für Burak Bektas wird Sonntag enthüllt

von Madlen Haarbach

Seit Jahren wird daran erinnert, dass der Mord an Burak Bektas unaufgeklärt ist. Foto: Florian Schuh/dpa

Sechs Jahre ist es am Donnerstag her, dass Burak Bektas in Neukölln auf offener Straße erschossen wurde. Sein Mörder ist noch immer unbekannt.

Die Tat ist noch immer ungeklärt, das Opfer nicht vergessen. Mit einem zwei Meter großen Mahnmal aus Bronze wollen Aktivisten nun an Bektas erinnern. Die Skulptur wird am Sonntag an der Rudower Straße, Ecke Möwenweg feierlich enthüllt. Parallel findet ab 14 Uhr eine Gedenkdemonstration statt.

War Rassismus das Motiv für den Mord an Burak Bektas? Die „Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak“ wirft den Ermittlern vor, entsprechenden Hinweisen nicht genau genug nachgegangen zu sein. Ein unbekannter, weißer Mann feuerte wortlos auf eine Gruppe fünf junger Männer mit Migrationshintergrund, die nahe des Klinikums Neukölln an einer Straßenecke standen. Bektas erlitt einen Lungendurchschuss und starb kurz darauf auf dem Operationstisch. Zwei seiner Freunde mussten mit Notoperationen gerettet werden. Die Tat geschah so plötzlich, dass die Erinnerung der Überlebenden nicht einmal für ein Phantombild reichte. Die Initiative sieht Parallelen zum NSU, der wenige Monate vor dem Mord an Bektas aufgeflogen war. Handelte es sich um eine Nachahmungstat?

Auffällig ist auch: Auf den Tag genau 20 Jahre vor dem Mord an Bektas wurde der Neonazi-Kader Georg Kaindl aus politischen Gründen in Neukölln angegriffen und tödlich verletzt. Kaindl gilt in rechtsextremen Kreisen bis heute als Märtyrer.

Und es gibt noch einen weiteren Verdacht: Rund dreieinhalb Jahre nach dem Mord an Bektas wurde der britische Jurist Luke Holland, damals 31, vor einer Bar in Neukölln erschossen. Auch diese Tat geschah aus dem Nichts. Der Mörder wurde gefasst, der damals 62-jährige Rolf Z. zu elf Jahren und sieben Monaten Haft verurteilt. Ob Z. aus rassistischen Motiven schoss, nämlich weil Holland Englisch sprach, blieb unklar. Bektas’ Hinterbliebene fragen sich, ob Z. auch ihn ermordete.

Mit dem Mahnmal, für das mehr als 40 000 Euro Spenden gesammelt wurden, wollen Angehörige und Aktivisten nun die Ermittlungsbehörden auffordern, die Ermittlungen neu aufzunehmen. Die Skulptur mit dem Namen „Algorithmus für Burak und ähnliche Fälle“ wurde von der im Dezember 2017 verstorbenen Künstlerin Zeynep Delibalta entworfen, der Platz an der Rudower Straße vom Bezirksamt Neukölln zur Nutzung überlassen. „Der Gedenkort steht für all den Schmerz, die Trauer und die Wut, welche Buraks Angehörige seit dem Mord begleiten“, sagt eine Vertreterin der Initiative.

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