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  • 24.03.2018
  • von Andreas Conrad

Paul-Simmel-Grundschule in Tempelhof: Mobbing im Namen Allahs

von Andreas Conrad

Mobbing in der Schule. Darum geht es auch im Stück "Alle außer Einhorn" des Berliner Grips-Theaters. Hier ein Szenenbild. Foto: david baltzer, bildbuehne.de

Ein Vater beklagt verbale Gewalt an der Tempelhofer Grundschule seiner Tochter. Sie soll von muslimischen Mitschülern bedroht worden sein. Es geht auch um Antisemitismus.

Für den Bildungs- und Erziehungserfolg einer Schule ist ein „friedvoller und harmonischer Umgang miteinander“ sicher eine Grundvoraussetzung. Um ihn zu etablieren, wurden an der Paul-Simmel-Grundschule in der Tempelhofer Felixstraße Regeln aufgestellt. Regel Nr. 1 lautet folgendermaßen: „Ich bin höflich und freundlich zu allen Kindern und Erwachsenen.“

Zumindest als Wunsch eine Selbstverständlichkeit,doch ebenso selbstverständlich wird es immer wieder mal Regelverstöße verschiedener Härtegrade geben. Ein massiver wurde nun zum Beginn der Osterferien publik. Demnach soll ein Mädchen von muslimischen Mitschülern wegen ihres anderen Glaubens massiv gemobbt, ja sogar mit dem Tode bedroht worden sein. In diesen Konflikt mischen sich offenbar auch antisemitische Töne: Ein Elternteil des Mädchens soll jüdisch sein.

Mutter und Vater des Mädchens seien als Dummköpfe beschimpft worden

Der Fall wurde durch einen Bericht der „Berliner Zeitung“ öffentlich, an die sich der Vater des Mädchen gewandt hatte. Demnach soll es bereits seit drei Jahren zu solchen Vorfällen gekommen sein, und Ziel der verbalen Attacken sei wiederholt die Tochter gewesen. So habe ein Mitschüler der damaligen Zweitklässlerin gesagt, dass sie geschlagen und umgebracht werden solle, da sie nicht an Allah glaube. Ihre Eltern seien „als Dummköpfe beschimpft worden“, weil sie die Tochter „nicht im Glauben an Allah erziehen“, wird der Vater zitiert. Ein Mitschüler habe gedroht, Ungläubige würden verbrannt. Antisemitismus sei im Februar offenbar geworden, als ein Mitschüler das Mädchen gefragt habe, ob sie Jüdin sei. Auf ihre bejahende Antwort hin habe er mehrfach drohend das Wort „Jude“ gesagt. Auch sei in einer WhatsApp -Gruppe der Grundschüler ein Enthauptungsvideo des IS kursiert.

An der Schule gab es ein Projekt zum Thema Toleranz

In der nach dem Maler und Karikaturisten Paul Simmel benannten Schule war am Sonnabend, am ersten Ferienwochenende, niemand erreichbar. Informiert ist aber bereits die Senatsschulverwaltung. Laut deren Sprecherin Beate Stoffers liege der Vorfall mit dem Gewaltvideo bereits ein Jahr zurück, die Schulleitung habe damals deutlich reagiert. In einem Rundbrief sei damals auf die Aufsichtspflicht der Eltern hingewiesen worden, der Austausch solcher Daten könne zudem strafrechtliche Konsequenzen haben. Auch ein Projekt zum Thema Toleranz sei initiiert worden, die Handys der zwei beteiligten Schüler habe man sichergestellt. Und ohnehin bestehe an der Schule ein striktes Handyverbot.

Die Eltern der Kinder wurden zum Gespräch bestellt

Insgesamt gehe es um drei Vorfälle in den vergangenen zwei Jahren, sagte die Sprecherin. Zu deren Details konnte sie keine Angaben machen. Sie wies aber darauf hin, dass diese sich zwischen Zweitklässlern abgespielt hätten, denen die Bedeutung der benützten Wörter teilweise nicht bekannt gewesen sei. Die Eltern seien danach eingeladen worden und ohnehin alle in solchen Fällen notwendigen Schritte unternommen worden. Und nach den Ferien werde es zu dem Vorgang ein Treffen mit Eltern, Schulleitung und Schulaufsicht geben.

Auch in der BVV werden die Vorfälle thematisiert

Auch bei der nächsten Sitzung des bezirklichen Schulausschusses der BVV Tempelhof-Schöneberg im April könnten die Vorfälle thematisiert werden. Es wird dort neben Prävention um Sicherheit an den Schulen gehen, die nach dem Eindruck von Eltern, aber auch Lehrern nicht mehr überall 100-prozentig gewährleistet sei, sagte die Ausschussvorsitzende Martina Zander-Rade. Die Paul-SimmelSchule hatte der Ausschuss erst im Vorjahr besucht, der Schulleiter habe damals die offenbar schon virulenten Probleme nicht erwähnt, sagte die Ausschussvorsitzende. Darüber sei sie jetzt „ein bisschen verwundert“.

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