21.06.2018, 21°C
  • 13.03.2018
  • von Anna Ehlebracht

Rassismus und Antisemitismus: Weniger rechte Gewalt in Berlin

von Anna Ehlebracht

Opfer können sich an verschiedene Beratungsstellen wenden. ReachOut ist eine davon. Foto: Rainer Jensen/dpa

Die Beratungsstelle ReachOut verzeichnet einen Rückgang rassistisch motivierter Gewalt. Entsprechende Propaganda habe dagegen zugenommen.

Die Berliner Beratungsstelle für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt ReachOut, hat am Dienstag zusammen mit den Registerstellen der Bezirke die Angriffszahlen für das Jahr 2017 vorgestellt. Das Ergebnis: „Wir verzeichnen insgesamt 267 Angriffe“, sagt Sabine Seyb von ReachOut.

Mindestens 374 Menschen seien dabei verletzt, gejagt und massiv bedroht worden – unter ihnen auch 22 Kinder. 2016 waren es insgesamt 380 Angriffe – das war die höchste Zahl seit Bestehen der Beratungsstelle. „Wir verzeichnen also einen Rückgang von 30 Prozent gegenüber 2016", sagt Seyb.

Die meisten Übergriffe gab es in Mitte

Eine mögliche Erklärung für den Rückgang: „Die sogenannten Wutbürger und Neonazis fühlen sich offenbar durch die AfD in den Parlamenten ganz gut vertreten“, sagt Seyb. So verzeichnet ReachOut für das vergangene Jahr auch weniger lokale Aufmärsche und Kundgebungen gegen Flüchtlinge. Rassismus käme als Tatmotiv aber immer noch am häufigsten vor, obwohl rassistisch motivierte Straftaten bereits im Vergleich zu 2016 um 48 Prozent zurückgegangen seien.

Und die Angriffsorte? „Am häufigsten in öffentlichen Räumen“, sagt Seyb. 114 Angriffe wurden hier verzeichnet. Im Bezirk Mitte fanden mit 60 Angriffen die stadtweit meisten Attacken statt, 22 davon waren rassistisch motiviert.

Trotz des Rückgangs sieht die Beratungsstelle aber keinen Grund zur Entwarnung. Denn der Rückgang rassistischer Gewalt könne unterschiedliche Gründe haben. „Möglicherweise bewegen sich potenzielle Opfer dieser Angriffe vorsichtiger im öffentlichen Raum, um sich selbst zu schützen“, heißt es. Und wie sieht es bundesweit aus? „Einen Rückgang der Angriffe verzeichneten alle fachspezifischen Stellen. „Dennoch scheint Berlin die Hauptstadt der Angriffe zu sein", sagt Sabine Seyb. Es bleibe abzuwarten, „wie sich die rassistische Hetze der AfD und auch das Heimatministerium auf die Stimmung auf der Straße auswirken."

"Sehr hartnäckige Einzelpersonen"

Die Bezirksregister dokumentieren neben Angriffen auch Vorfälle wie das Anbringen von Aufklebern, von Plakaten und Sprühereien zu Propagandazwecken. 2800 Vorfälle waren es im vergangenen Jahr – 123 mehr als noch 2016. Das mache 7,6 Vorfälle pro Tag, erklärt Kati Becker von den Berliner Registern. Auch hier sei Rassismus das Hauptmotiv.

Weitere Motive waren rechte Selbstdarstellung und Antisemitismus. Circa 20 Prozent der Vorfälle lägen in letzterem Themenfeld. „Allerdings kann nicht von einem gesamtgesellschaftlichen Klima gesprochen werden, vielmehr agieren hier sehr hartnäckige Einzelpersonen“, erklärt sie. Auch auffällig sei die Verdopplung der Vorfälle auf 293, die stadtweit den Nationalsozialismus verharmlosen oder verherrlichen.

Insgesamt gab es nur drei Tage im Jahr 2017, an denen in Berlin keine Vorfälle registriert wurden. Auch bei der Erfassung durch die Register war der Bezirk Mitte Spitzenreiter, hier wurden die meisten Fälle dokumentiert. Bei 57 Prozent aller berlinweit erfassten 1603 Vorfälle handelte es sich um Propaganda wie Hakenkreuzschmierereien und Aufkleber. Rückgänge konnten in Marzahn-Hellersdorf, Lichtenberg und Treptow-Köpenick verzeichnet werden.

Social Media

Umfrage

Die Einengung der Zeppelinstraße in Potsdam hat im Zuge der Dieseldebatte bundesweit Interesse geweckt. Ist die Maßnahme nötig, um ein Dieselfahrverbot in Potsdam zu verhindern? Stimmen Sie ab!