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  • 09.02.2018
  • von F. Keilani

Attrappe in seinem Bett täuschte die Wärter: Häftling flüchtet aus Tegeler Gefängnis

von F. Keilani

Foto: dpa

Es wird vermutet, dass der Häftling an Bord eines Lastwagens, der den Gefangenen ihre Einkäufe bringt, hinausgelangte. In seinem Bett lag eine Attrappe aus zusammengestopfter Kleidung.

Berlin - Auf filmreife Art ist ein weiterer Berliner Gefangener getürmt – diesmal aus Tegel. Der Mann namens Hamed Mouki, angeblich am 1.Januar 1994 in Libyen geboren, war am Donnerstagmorgen bei der Kontrolle nicht in seiner Zelle.Da die Zelle seit dem Vorabend um 17.30 Uhr nicht mehr aufgeschlossen worden war, muss er bereits am Vorabend fort gewesen sein.

Am Donnerstagmittag versuchte sich Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) gemeinsam mit der zuständigen Abteilungsleiterin Susanne Gerlach und der stellvertretenden Anstaltsleiterin Ina Lux-Schulz an einer Rekonstruktion der Flucht. Es wird vermutet, dass der Häftling an Bord eines Lastwagens, der den Gefangenen ihre Einkäufe bringt, hinausgelangte.

Der Libyer war Insasse der Teilanstalt II, Station A 4 und als Hausarbeiter eingesetzt. Um 6.05 Uhr am Donnerstag wurde sein Fehlen bemerkt. In seinem Bett lag eine Attrappe aus zusammengestopfter Kleidung, die man auf den ersten Blick für eine menschliche Gestalt halten konnte. Um 6.12 Uhr wurde Anstaltsalarm ausgelöst. Für alle anderen Häftlinge bedeutete das Einschluss.

Seine Aufgaben als Hausarbeiter hatte Mouki am Vortag offenbar noch erfüllt, bei der Bestandskontrolle um 15.20 Uhr fehlte er jedenfalls nicht. Zeitlich parallel hatte gegen 14 Uhr ein größerer Lastwagen mit Ladefläche und Anhänger den Gefangenen ihre Einkäufe gebracht, belieferte eine Teilanstalt nach der anderen. Diejenigen Häftlinge, die etwas bestellt hatten, durften einzeln den Haftraum verlassen, um ihre Waren abzuholen. Zu diesen gehörte Mouki jedoch nicht.

Der Lastwagen verließ das Anstaltsgelände gegen 20 Uhr. Der Fahrzeugboden wurde wie immer mit Spiegeln abgesucht, um eventuelle Fluchtversuche zu unterbinden. Auch der Lastwagen selbst wurde durchsucht. Es wurde niemand gefunden. Zu diesem Zeitpunkt war das Fehlen des 24-Jährigen freilich noch nicht bekannt. Vermutet wird, dass sich Mouki die Freistunde und die Ausfahrt des Lkw zunutze gemacht hat. Offenbar hat der zuständige Bedienstete auch nicht seine Pflicht erfüllt, sicherzustellen, dass die richtige Person sich am Abend in der richtigen Zelle befand.

Mouki hat schon mehrere Strafverfahren hinter sich, ein weiteres ist offen. Seine bisherigen Strafen reichen bis 2022, so lange hätte er einsitzen müssen. Unter anderem wurde er zu vier Jahren Haft wegen räuberischer Erpressung verurteilt. Er saß seit Februar 2016 in Moabit, seit Oktober 2017 in Tegel. Die Polizei gab eine Fahndung raus. AfD und FDP forderten erneut den Rücktritt des Senators, die CDU kündigte ein Nachspiel im Rechtsausschuss an. Allein in diesem Jahr sind mittlerweile zehn Gefangene entlaufen. Zwei sind noch nicht wieder da. 

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