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  • 13.01.2018
  • von nbsp;Stefan Jacobs und Alexander Fröhlich

Alarm in der Einkaufsmeile

von nbsp;Stefan Jacobs und Alexander Fröhlich

Erledigt. Experten bringen das entschärfte Paket in einer Tüte weg. Foto: Georg Moritz/dpa

Eine Berliner Bankfiliale erhält ein Paket mit Zünder und Pyrotechnik: ein Fall für die Bombenentschärfer. Nun wird geprüft, wie gefährlich die Sendung war – und welche Paralellen es zur DHL-Erpressung gibt

Berlin - Schreck vor dem Wochenende: Drei Stunden lang war die Polizei am Freitag in Steglitz im Großeinsatz, nachdem sie Beschäftigte der Commerzbank in der Schloßstraße alarmiert hatten. Ein Briefträger hatte ein Päckchen gebracht, in dem beim Öffnen Drähte zum Vorschein kamen. Die Polizei sperrte die Einkaufsstraße zwischen Grunewald- und Schildhornstraße in beiden Richtungen.

Um 12.45 Uhr trafen die Kriminaltechniker samt Sprengstoffroboter ein – und erkannten eine Zündvorrichtung, die sie vom Rest des Pakets trennten. Laut einer Polizeisprecherin wurde das Objekt in einen Durchgang zum Hinterhof der Bankfiliale gebracht. Dort wurde es von Spezialisten vorsichtig geöffnet und anschließend entschärft. Es habe „Pyrotechnik auf Schwarzpulver-Basis“ enthalten – zu wenig für eine große Explosion, aber vermutlich genug, um Verletzungen zu verursachen, teilte die Polizei später mit.

Ob der Vorfall etwas mit der spektakulären Millionenerpressung des Paketdienstes DHL zu tun hat, wegen der unter anderem im Dezember der Potsdamer Weihnachtsmarkt geräumt worden war, wird laut dem Berliner Polizeipräsidium geprüft. In Brandenburg allerdings geht die Polizei nach PNN-Informationen durchaus von einem Zusammenhang aus.

Der Inhalt solle zum Sprengplatz Grunewald gebracht und dort in den nächsten Tagen genauer untersucht werden. Erst dann wird auch klarwerden, wie groß die Gefahr war, die von der Sendung ausging. Auch zum genauen Adressaten und zum möglichen Absender war zunächst nichts zu erfahren.

Durch die Sperrung der belebten Schloßstraße – sie ist eine der beliebtesten Shopping-Meilen Berlins – waren auch einige Läden und etliche Wohnungen nicht mehr erreichbar. Ringsum staute sich der Verkehr, die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) leitete mehrere Buslinien um. Betroffen waren der M48 und der M85 sowie die Linien 186 und 242. Nach 16 Uhr wurden die Sperrungen aufgehoben.

Der aktuelle Fall erinnert an die DHL-Erpressung: Die Erpresser hatten Anfang November an einen Händler in Frankfurt (Oder) und am 1. Dezember an eine Apotheke in Potsdam Paketbomben verschickt. Daraufhin wurde der Weihnachtsmarkt in der Landeshauptstadt teilweise geräumt. In beiden Fällen ging es glimpflich aus, die Bomben zündeten nicht. Die Empfänger alarmierten rechtzeitig die Polizei, die die Sendungen unschädlich machen konnte. Auch der Potsdamer Apotheker wurde damals äußerst misstrauisch, weil „da so komische Drähte herausguckten“, wie er später erzählte. Nach PNN-Informationen sieht man nun im Innenministerium einen Zusammenhang zur Potsdamer Paketbombe.

Die Paketbomben – sie enthielten batteriebetriebener Zünder sowie eine mit Nägeln bestückte Metalldose samt Polenböller – hätten bei einer Explosion zu schwersten Verletzungen geführt. Ein beiliegender QR-Code führte nach Angaben der Polizei zum Erpresserbrief. Die Täter fordern mehrere Millionen Euro vom Paketdienstleister DHL – ausgezahlt in der Kryptowährung Bitcoin. Damit wollen die Erpresser offenbar eine klassische Geldübergabe verhindern und kein Risiko eingehen, von der Polizei gefasst zu werden.

Brandenburgs Innenminister Karl- Heinz Schröter (SPD) hatte sich in den vergangenen Wochen zuversichtlich gezeigt, dass die DHL-Erpresser gefasst werden. Denn die Ermittler haben in den nach Potsdam und Frankfurt (Oder) geschickten Paketbomben die Spuren von mehreren Personen entdeckt. Am Freitag hielt sich das Polizeipräsidium in Potsdam zum Stand der Ermittlungen zurück, was in solchen Fällen allerdings üblich ist. Ein Sprecher sagte nur, es werde weiterhin intensiv ermittelt. Die Sonderkommission „Quer“ beim Landeskriminalamt (LKA) mit rund 50 Beamten ist aber vorangekommen. Die Ermittler gehen nach Informationen dieser Zeitung inzwischen davon aus, dass hinter den Paketbomben mehrere Täter stecken.

Zugleich lässt die Sonderkommission mit Hilfe von Experten anderer Bundesländer tausende Bilder von Überwachungskameras mit Spezialsystemen auf Treffer in Datenbanken prüfen. Innenminister Schröter hatte an die Erpresser appelliert, sie sollten aufhören, „bevor es Verletzte gibt“.

Seit der Paketbombe vom Potsdamer Weihnachtsmarkt gab es zwar keinen weiteren Fall, aber deutschlandweit Fehlalarme. Meist wurden verdächtige Pakete gemeldet, die sich dann aber als harmlos erwiesen. Mal enthielten sie Bettwäsche, mal Autoteile – und in einem Fall einen Vibrator, der sich beim Einwerfen in den Briefkasten automatisch eingeschaltet hatte.

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