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  • 07.12.2017
  • von Thomas Loy

Baupläne in Berlin: Am Alexanderplatz wird tief gestapelt

von Thomas Loy

Maß und Mitte. Die Hochhäuser dürfen keinesfalls die Dominanz des Fernsehturms in Frage stellen, findet Bausenatorin Lompscher. Foto: Bernd Von Jutrczenka/dpa

Auf 150 Meter sollen die Hochhäuser am Alex eigentlich wachsen, doch ein Investor gibt sich auch mit weniger zufrieden. Und erhält dafür Applaus.

Berlin hat keine Wolkenkratzer. Und will auch keine. Die Hochhäuser am Alexanderplatz sollen 150 Meter in den Himmel ragen, damit enden sie genau dort, wo die übliche Definition für Wolkenkratzer beginnt. Doch selbst diese 150-Meter-Regel steht jetzt zur Disposition. Erstmals hat ein Investor dem Senat konkret angeboten niedriger zu bauen. Die beiden Türme, die am Park Inn-Hotel entstehen sollen, könnten sich in der Höhe am Hotel orientieren, sagte der Architekt Matthias Sauerbruch auf der jüngsten Sitzung des Baukollegiums, einem Gutachtergremium des Senats. Dafür sei der Investor aus Paris, Foncière des Régions (FdR), offen. Das Baukollegium begrüßte diese Offenheit ausdrücklich. Auch Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) wünscht sich eine „Komposition, die die Dominanz des Fernsehturms und die wichtigen Sichtbeziehungen akzeptiert“, sagte sie vor Kurzem in einem Tagesspiegel-Interview.

Das Park Inn ist knapp 130 Meter hoch. Der Masterplan für den Alexanderplatz sieht aber eine einheitliche Höhe aller Hochhäuser von 150 Metern vor. Ursprünglich sollte das Park Inn deshalb abgerissen werden – nur war dazu bislang kein Eigentümer bereit. 2016 erwarb FdR das Hotel und die beiden angrenzenden Grundstücke, auf denen Hochhäuser vorgesehen sind. Auch FdR will das florierende Hotel erhalten und ihm zwei neue Geschwister-Türme zur Seite stellen. Würden sie auf 150 Meter anwachsen, wäre der bisherige Solitär Park Inn aber nur noch der kleine Bruder. Sauerbruch würde diese Herabstufung des „erstgeborenen“ Hochhauses am Alexanderplatz gern vermeiden und ihm einen Zwillingsturm zur Seite stellen. Damit wären zwei Hochhäuser von insgesamt neun geplanten niedriger als 150 Meter – und es läge nahe, alle Türme auf 130 Meter zu begrenzen.

Leitbild für den Alex wird konkretisiert

Senatsbaudirektorin Regula Lüscher kündigte an, das Leitbild für den Alexanderplatz konkreter zu fassen, nachdem der Masterplan von Hans Kollhoff auch in der überarbeiteten Fassung nicht wirklich funktioniert. Allerdings bleibt nicht viel Zeit, denn FdR will bereits im nächsten Jahr einen Architekturwettbewerb für seine Türme ausloben. Und der russische Investor Monarch, der neben dem Alexa einen 150-Meter-Turm plant, hat bereits einen Bauantrag gestellt. Bis Ende 2018 sollen die Bauarbeiten beginnen, das ist vertraglich so festgelegt. Monarch wollte eigentlich 6500 Quadratmeter Geschossfläche mehr realisieren als im Bebauungsplan vorgesehen, doch das lehnte die Bauverwaltung ab. Monarch plant einen Wohnturm, FdR sieht dagegen ein Abflauen der Nachfrage nach Luxuswohnungen in Berlin und will Geschäftsräume, Mietwohnungen, Büros und Hotelzimmer anbieten.

Keine Einigung zwischen Hines und der BVG

Ob die Bagger schon im nächsten Jahr auf den Alexanderplatz rollen, ist trotz aller Ankündigungen ungewiss. Monarch könnte nach Erteilung einer Baugenehmigung das Projekt auch mit gutem Gewinn weiterverkaufen, Interessenten stehen ohnehin Schlange. Beim Hines-Wohnturm hinter dem Saturn-Markt herrscht seit Jahren Stillstand, weil unter dem Bauplatz der Tunnel der U 5 verläuft. Investor und BVG konnten sich bislang nicht über eine Regelung für mögliche Schadensfälle einigen. Der geplante Turm hinter Kaufhof würde nach den Vorstellungen der Investoren den Durchgang an der Karl-Liebknecht-Straße abschnüren, das sieht die Bauverwaltung sehr kritisch.

Leitbild für Hochhäuser bis Ende 2019

Weitere Hochhäuser, zumeist deutlich unterhalb von 100 Metern Höhe, entstehen derzeit am Ostbahnhof, am Gleisdreieck und im Entwicklungsgebiet Europacity am Hauptbahnhof. Der bislang höchste Bau der Stadt ist mit 176 Metern der geplante Estrel-Tower an der Sonnenallee. In einem „Hochhausleitbild“ will Lüscher bis Ende 2019 festlegen, wo in der Stadt weitere Hochhäuser gebaut werden sollten. Auch um Höhenlimitierungen und Qualitätsstandards soll es dabei gehen. Das Leitbild wird in einem langwierigen Beratungsprozess erstellt, an dem auch die Öffentlichkeit teilnehmen soll – Voraussetzung sei aber, dass ein solches Leitbild die Grundstücksspekulation nicht weiter anfacht, sagte Lüscher. Die Senatsverwaltung will sich zunächst die bestehenden Hochhaus-Leitbilder von Wien, Frankfurt am Main, München, Basel und Jena anschauen.

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