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  • 02.12.2017

Von Rochus Görgen: 80 000 Schafe und weniger Scheidungen

Rekordverdächtig. 20 100 Kinder wurden nach vorläufigen Angaben im vergangenen Jahr im Land Brandenburg geboren – so viele wie seit 1990 nicht mehr. Foto: Arne Dedert/dpa

Statistiker legen Jahrbuch für Brandenburg vor. Bei der Einwohnerzahl aber hinkt das Werk hinterher

Potsdam - Das Inhaltsverzeichnis reicht von Abfällen bis Zwillingen – das neue Statistische Jahrbuch für Brandenburg lässt kaum einen Lebensbereich aus. Auf mehr als 600 Seiten blickt es tief in das Leben der Brandenburger. Bestandene Prüfungen, verurteilte Straftäter oder auch Fahrgäste im Nahverkehr – die Statistiker haben in ihrem am Freitag vorgestellten Werk kaum einen Bereich ausgelassen. Aber es gibt in diesem Jahr auch eine zentrale, fehlende Zahl: Die aktuelle Einwohnerzahl Brandenburgs konnte nicht angegeben werden. Grund sind Softwareprobleme. Ein Überblick:

EINWOHNERZAHL

Ende 2015 zählte das Land Brandenburg insgesamt 2,485 Millionen Einwohner – und diese Zahl ist auch die aktuellste im Jahrbuch 2017. Ursache ist eine Umstellung der Erfassung bei den Einwohnermeldeämtern und eine nicht schnell genug erfolgte Softwareumstellung. Hintergrund ist, dass neue Standards für die elektronische Datenübermittlung durch die Einwohnermeldeämter geschaffen wurden. Die Umsetzung bei den sieben Herstellern der Meldesoftware habe aber nicht rechtzeitig geklappt. Deshalb gebe es derzeit in ganz Deutschland Verzögerungen bei diesen Zahlen. Allerdings haben die Statistiker inzwischen die Zahlen von Oktober 2016 vorliegen: Demnach lebten zuletzt 2,493 Millionen Menschen in Brandenburg – etwas mehr als zum Jahreswechsel. Ursache war der Zuzug von Ausländern. Rund 1800 Menschen seien aus Syrien, rund 3400 EU-Ausländer und rund 4500 Menschen aus anderen Staaten zugezogen. Der Ausländeranteil seidamit von 2,6 auf vier Prozent gestiegen. Hintergrund der Entwicklung ist der Ende 2015 und Anfang 2016 stark gestiegene Zuzug von Flüchtlingen aus Krisenregionen. Die neueren Zahlen wurden allerdings nicht ins Buch aufgenommen, weil dort immer nur Jahresendstände rein sollen.

GEBURTEN

Nach vorläufigen Zahlen wurden vergangenes Jahr 20 100 Kinder in Brandenburg geboren – das ist die höchste Zahl seit 1990. Allerdings starben im vergangenen Jahr rund 30 000 Menschen – unter dem Strich kann der Rekordwert die Todesfälle also nicht ausgleichen.

FLÄCHE

Brandenburg ist mit knapp drei Millionen Hektar das größte der neuen Bundesländer. Fast die Hälfte wird von der Landwirtschaft genutzt. Dazu zählten etwa auch mehr als 500 000 Rinder, rund 800 000 Schweine und 80 000 Schafe. In den Wäldern Brandenburgs wachsen auf drei Viertel der Fläche Kiefern. Die Statistiker haben dafür sogar Altersgruppen gebildet: Immerhin gut 10 Prozent der Kiefern sind mindestens 120 Jahre alt. Bei den Eichen hat sogar fast ein Drittel ein solch biblisches Alter.

BAULAND

Allein 2016 wechselten rund 11,6 Millionen Quadratmeter Bauland den Eigentümer. Im Schnitt wurde ein Rekordpreis von 63 Euro pro Quadratmeter gezahlt - das sind rund 11 Prozent mehr als im Vorjahr, als sogar ein Plus von 16 Prozent gemessen wurde. Das Bauhauptgewerbe kann von der hohen Nachfrage profitieren: 2016 wurden Aufträge im Wert von 2,3 Milliarden Euro gezählt.

WIRTSCHAFTSKRAFT

Das in Brandenburg erzeugte Bruttoinlandsprodukt lag 2016 bei 68,5 Milliarden Euro. Die zentrale Zahl aus der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung umfasst den Wert aller produzierten Güter und Dienstleistungen. Verglichen mit dem Vorjahr entspricht dies einem Plus von preisbereinigt 1,7 Prozent.

EHEN

Die Zahl der Ehescheidungen ging 2016 um 3,2 Prozent auf 4691 zurück. In ihrem Jahrbuch widerlegen die Statistiker das Vorurteil, dass das „verflixte siebte Jahr“ besonders kritisch sei. Die meisten Ehescheidungen in Brandenburg kamen im sechsten Ehejahr (5,5 Prozent), im siebten Jahr ließen sich nur 5,1 Prozent der Paare scheiden. (dpa)

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