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  • 30.11.2017
  • von Ronja Ringelstein

In der Schwebe

von Ronja Ringelstein

Halb so wild? Trotz der Probleme auf der Baustelle soll der BER Ende August 2018 fertig sein. Foto: Thomas Trutschel/Imago/Photothek.net

Weitere Verzögerungen beim BER? Lütke Daldrup gibt sich zuversichtlich

Berlin - Es gibt da dieses Rettungstreppenhaus im zweiten Obergeschoss des BER. Es ist so eng, dass dort kein Platz für den nötigen Stellplatz ist. Diplom-Ingenieur Dirk Roth, der über vier Jahre als Sachverständiger an der Dauerbaustelle, die einmal ein Flughafen werden soll, gearbeitet hat, beschreibt es so: „Wenn ein Rollstuhlfahrer da reinfährt, wird der Nächste, der das Treppenhaus betritt, ihn mit der Tür abschießen wie ein Matchboxauto und er wird sechs Geschosse nach unten abgehen.“ Roth war bis Ende März 2017 an der Baustelle unter anderem im Bereich Objektüberwachung tätig. Nach seinen Kenntnissen sei das Problem nicht behoben. Und es sei nur eines von vielen.

Flughafen-Chef Engelbert Lütke Daldrup wollte die Sitzung des Bauausschusses im Berliner Abgeordnetenhaus am Mittwoch eigentlich dazu nutzen, die zuletzt bekannt gewordenen Berichte des Tüv Rheinland sowie der für die Terminplanung zuständigen Ingenieure von RKS ins rechte Licht zu rücken. Der Tüv Rheinland hatte erhebliche Mängel an der Entrauchungs- und weiteren technischen Anlagen im Main Pier Nord festgestellt. RKS hatte Probleme in der terminlichen Organisation des Baus bescheinigt. Den anvisierten Fertigstellungstermin Ende August 2018 stellen beide Berichte infrage, RKS nannte ihn „stark gefährdet“.

Die mediale Aufregung versteht Lütke Daldrup offenbar nicht. Das, was der Tüv-Bericht darstelle, sei eine „völlig normale Projektinformation und das war auch kein Geheimnis“, sagte er. Vergangene Woche hingegen hieß es aus Kreisen des BER-Aufsichtsrats, dass dem Kontrollgremium der Tüv-Bericht bis zur Veröffentlichung durch die Presse nicht bekannt war. Lütke Daldrup versicherte nun im Ausschuss, er habe die im Bericht benannten „systemischen Fehler“ erwartet. Den Tüv Rheinland habe man beauftragt, im Main Pier Nord final zu prüfen, obwohl man wusste, dass man Prüfberichte bekomme, in denen Mängel enthalten seien. „Das war eine bewusste Entscheidung, weil wir endlich mal einen finalen Status über die Qualität der Anlagen erreichen wollten. Denn wir haben schon zu oft erlebt, dass Firmen vorgetragen haben, die Anlagen seien baulich fertig.“ Nun hat man es also schwarz auf weiß, dass sie es nicht sind. Damit könne nun gearbeitet werden, denn das Main Pier Nord sei exemplarisch für weitere Bauteile im Fluggastterminal, bei denen die Fehler nicht wiederholt werden sollen.

Nach wie vor will der Flughafen-Chef am 15. Dezember einen Terminvorschlag zur Inbetriebnahme des Flughafens machen. Man werde einen Termin vorlegen, der „unternehmerisch verantwortbar ist, der kein politischer ist und kein Wunschtermin, sondern auf Tatsachen des Projekts basiert“. Der Termin der baulichen Fertigstellung bleibt bei Ende August 2018, hier seien bewusst keine Puffer vorgesehen, um den Anspannungsgrad auf der Baustelle zu erhalten.

Zumindest nach außen bleibt Lütke Daldrup gelassen. Es seien auch 400 Millionen Euro aus Gesellschaftermitteln noch nicht in Anspruch genommen. Außerdem stünden noch 1,1 Milliarden Euro Kapitalmarktmittel aus Krediten zur Verfügung. Und er verkündet gute Nachrichten, wo er sie sieht: Die Türen seien jetzt nicht mehr kritisch, sondern mittlerweile zu über 80 Prozent fertiggestellt. Im Januar sind also beim BER zumindest die Türen fertig. Planungsstand: heute. Ronja Ringelstein

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