22.11.2017, 9°C
  • 13.11.2017
  • von Sylvia Vogt, Susanne Vieth-Entus

Was Bezirke und Senat vorhaben: Soldaten und Module für den Schulbau

von Sylvia Vogt, Susanne Vieth-Entus

Die Grundschule an der Wuhle in Berlin-Hellersdorf hat einen neuen modularen Ergänzungsbau bekommen. Foto: SenBJF

Neue Details zur Schulbauoffensive: 72 modulare Ergänzungsbauten, 50 Neubauten - und ein ungewöhnlicher Vorschlag.

Not macht erfinderisch – das gilt auch für den Schulbau: Um den benötigten Platz zu schaffen, sollen nicht nur massenhaft Modulbauten entstehen; vielmehr wollen die Bezirke auch bei der Personalgewinnung mehr Phantasie walten lassen: In ihrem neuen 10-Punkte-Plan für die „Schulbauoffensive“ haben sie sich vorgenommen, „Kooperationen“ auszubauen – und zwar nicht nur mit den Hochschulen, sondern auch mit dem Verteidigungsministerium. Konkret geht es darum, unter Zeitsoldaten, die den Dienst quittieren, nach ausgebildeten Ingenieuren zu suchen.

300 Millionen Euro für Modulbauten

Tatsächlich ist das Personal so knapp, dass die Bezirke jetzt „jeden Strohhalm greifen“, wie es ein Stadtrat ausdrückt. Denn andernfalls würde die Entmachtung durch den Senat drohen, der – statt die Hochbauämter zu stärken – lieber Schulbau-GmbHs installieren wollte, um die enorme Aufgabe zu stemmen, bis 2024 rund 76.000 neue Schulplätze zu schaffen. Da es ohnehin nicht klappen kann, für alle Kinder neue Schulen zu bauen, sollen 72 Modulare Ergänzungsbauten (MEBs) errichtet werden, die bis zu 50 Jahre stehen können. Die neuen MEBs sollen im Zeitraum von 2014 bis 2019 errichtet werden und 15.000 der 76.000 dringend notwendigen zusätzlichen Schulplätze schaffen. Kosten: 300 Millionen Euro.

"Daran sieht man, wie groß die Not ist"

„Daran, dass die Bezirke jetzt sogar bei der Bundeswehr nach Absolventen suchen wollen, sieht man, wie groß die Not ist“, kommentierte der CDU-Bildungsstadtrat von Mitte, Carsten Spallek, am Montag das Vorhaben. Er verspricht sich davon allerdings nicht viel: Warum sollten Hochschulabsolventen oder ehemalige Offiziere in die Hochbauämter kommen, wenn alle anderen Behörden besser bezahlen?“, fragt Spallek. Er rechnet nur mit vereinzelten Zugängen von der Bundeswehr.

Wie berichtet, wollen sich die Bezirke aber auch dem Besoldungsproblem stellen: Die geplante neue Geschäftsstelle der Bezirke soll Spielräume innerhalb des Tarifrechts ausloten, wie Spandaus Bürgermeister Helmut Kleebank (SPD) betonte. Auch dies wurde bei der gemeinsamen Tagung aller Bezirke vergangene Woche im Gutshof Britz bestätigt. Und bei der Tagung kam man zudem überein, den Bundeswehr-Vorschlag von Spandaus Baustadtrat Andreas Otti (AfD) in den 10-Punkte-Plan aufzunehmen.

Auch Container müssen zum Einsatz kommen

Neben den genannten 72 MEBs sollen auch kurzlebigere Containerbauten zum Einsatz kommen – bei akuten Engpässen und wenn eine Schule wegen Sanierungsarbeiten ausgelagert wird. Marzahn-Hellersdorfs Schulstadtrat Gordon Lemm (SPD) sagte, dass in seinem Bezirk zwei Campus-artige Standorte mit Containern geplant seien, in denen vorwiegend Oberschüler für die Dauer von Sanierungsarbeiten an ihrer Schule untergebracht werden könnten. Diese sollen außer über MEBs auch durch den Neubau von Schulen und Erweiterungen an bestehenden Schulen realisiert werden.

Am Donnerstag besuchte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) die Grundschule an der Wuhle in Hellersdorf und schaute sich deren frisch fertig gestellten MEB ein. Zwölf zusätzliche Räume bekommt die Schule dadurch, und die seien auch dringend nötig, sagte Jaqueline Stadler, kommissarisch stellvertretende Schulleiterin. Zuletzt hätten aufgrund der Raumnot die Kinder für manche Unterrichtsangebote zu den Gebäuden von freien Trägern laufen müssen. Auch weil es im nächsten Jahr noch mehr Schulanfänger geben werde, seien die Zusatzräume dringend notwendig.

Die meisten neuen Plätze entstehen in Pankow und Lichtenberg

Senatorin Scheeres nutzte die Gelegenheit, um über den weiteren Fortgang der „Schulbauoffensive“ des Senats zu berichten, für die in den nächsten zehn Jahren mehr als 5 Milliarden Euro eingeplant sind. Jetzt stehe fest, dass noch mehr Schulen neu gebaut werden als bisher geplant, sagte Scheeres: 50 Standorte seien gesichert, bisher war von 42 Neubauschulen die Rede. Die meisten neuen Schulen entstehen in Lichtenberg (12) und Pankow (11). In diesen beiden Bezirken werden auch die meisten MEBs stehen: 19 in Pankow und 17 in Lichtenberg. Bei den Neubauten handelt es sich vorwiegend um Grundschulen (29), außerdem werden 17 Integrierte Sekundarschulen, drei Gymnasien und eine Inklusive Schwerpunktschule entstehen.

Neues Raumprogramm soll bald zum Einsatz kommen

20 Schulen sollen in einem beschleunigten Verfahren entstehen. Bei den ersten zehn seien die Wettbewerbsverfahren abgeschlossen; ab 2018 soll gebaut werden. Die nächsten zehn Schulen im beschleunigten Verfahren sollen zudem nach dem neuen Raum- und Funktionsprogramm gebaut werden, das auf den Empfehlungen der Facharbeitsgruppe Schulraumqualität beruht. Diese AG hatte Anfang des Jahres ihr Konzept der „Berliner Lern- und Teamhäuser“ vorgestellt. Dieses sieht die Aufteilung einer Schule in mehrere Einheiten vor, in denen sich mehrere Klassen, Lehrer und Erzieher einen Bereich mit Unterrichts-, Team- und Gemeinschaftsräumen teilen. Das neue Musterraumprogramm, dass diese Empfehlungen berücksichtigt, solle in Kürze veröffentlicht werden, teilte die Senatsbildungsverwaltung mit.

Beteiligungsverfahren soll erprobt werden

Auch die Mitsprache von Lehrern, Schülern und Eltern bei den Bauprojekten soll verbessert werden. Bevor die Planungen aufgenommen werden, sollen die Betroffenen ein Mitspracherecht haben und ihre Wünsche und Bedürfnisse äußern. An drei Schulen sollen deshalb ab dem kommenden Jahr „modellhaft Partzipationsverfahren“ durchgeführt werden, wie die Senatsverwaltung mitteilt: an der Anna-Seghers-Gemeinschaftsschule in Adlershof, der Grundschule an der Bäke in Lichterfelde und der Bornholmer Grundschule in Prenzlauer Berg. Aus den Erkenntnissen, die man bei diesen Beteiligungsverfahren gewinnt, soll dann ein Leitfaden zur Partizipation für die übrigen Bauprojekte entstehen.

Scheeres äußerte sich sich zuversichtlich, dass die Schulbauoffensive nun zügig vorankomme, nachdem die Bezirke sich auf einen Zehn-Punkte-Plan zur Bewältigung des Schulbaus geeinigt haben. Jetzt seien die Zuständigkeiten erklärt. "Alle ziehen jetzt an einem Strang", sagte Scheeres.

Zum Nachlesen:

- Hier finden Sie die Liste mit den Standorten der Neubau-Schulen (PDF)

- Hier finden Sie die Standorte der Modularen Ergänzungsbauten (PDF)

Social Media

Umfrage

Soll die Biosphäre abgerissen werden, wie es die Grünen-Fraktion im Stadtparlament nun fordert? Stimmen Sie ab!