23.10.2017, 12°C
  • 07.10.2017
  • von Peter Eichhorn und Bernd Matthies

Kulinarische Oktobergipfel

von Peter Eichhorn und Bernd Matthies

Berlin Food Week, Rum-Festival, Bar-Convent: Feinschmecker werden sich für die Tage zwischen dem 10. und 21. Oktober reichlich Zeit nehmen müssen

DREI FESTIVALS FÜR GENIESSER. Kochshows von Spitzenköchen erleben, Produkte entdecken, Food-Trends ausprobieren, Berliner Klassiker verkosten, von Fachwissen profitieren in Workshops – das alles können Genießer vom 14. bis 21. Oktober auf der Berlin Food Week im früheren Kaufhaus Jandorf in Mitte und an vielen Orten in der Stadt (Fotos oben und Mitte). Dass Rum schon lange kein Piratengesöff mehr ist, beweist das German Rum Festival am Wochenende 14./15. Oktober in der Station Berlin mit Tastings, Zigarrenlounge und mehr (unten rechts). Und zuvor lässt der Bar Convent Berlin am 11. /12. Oktober am selben Ort mit dem Partnerland Frankreich Hochprozentiges hochleben – mit Tastings, Masterclasses und Podiumsdiskussionen auf elf Bühnen (unten links und Mitte). Na denn: prost!

BERLIN FOOD WEEK

Wo findet die „Food Week“ 2017 statt? „In der ganzen Stadt“, versprechen die Veranstalter stolz. Und wenn das sicher auch ein wenig übertrieben ist, so beteiligen sich doch – abgesehen vom Hauptprogramm im Kaufhaus Jandorf – 60 Restaurants vom 14. bis 21. Oktober am „Stadtmenü“ zum Thema „Pilzparade“. Dabei werden Menüs zum Thema mit drei oder vier Gängen für Preise zwischen 19 und 49 Euro angeboten, mit Weinbegleitung für maximal 79 Euro, und zwar vom schlichten Bistro bis in die Sterne-Liga von „Hugos“ und „Einsunternull“, von Lichtenberg bis Wedding.

Wie in jedem Jahr ist die „Food Clash Canteen“ der Mittelpunkt des Festivals. Am Dienstagabend beginnt sie mit der „Frauenwirtschaft“, bei der sechs Spitzenköchinnen ihre persönlichen Versionen regionaler Klassiker zeigen: Michéle Müller vom Adlon kocht Soljanka, Maria Groß aus Erfurt ein Tatar mit Chia-Samen, Sonja Baumann einen renovierten Broiler. Der Mittwoch ist Individualisten und Seiteneinsteigern aus Supper Clubs und Pop-up-Restaurants gewidmet und verspricht zum Thema „Küchenspiele“ eine „Testfahrt mit visionären Ansätzen“. Beteiligt sind zum Beispiel Julia Bosski und Flavia Borawska („Polish Thursday Dinners“), Mathilde Bayle und Pablo Siranossian vom „Bunsmobile“ und Michael Wickert, Gründer und Kopf von „Glut und Späne“. Am Donnerstag folgt ein „Hopfenmahl“ mit fünf an das Thema angepassten Gängen von Köchen wie Tristan Brandt, Ben Pommer und Arne Anker, moderiert von der Bier-Sommelière Sophia Wenzel. Und am Freitag treten gleich zehn bekannte Küchenchefs aus Berlin und Brandenburg und zeigen je einen Gang aus ihrer aktuellen Karte, zum Beispiel Jacobsmuschel von Alexander Koppe, Maräne von Björn Swanson und Blutwurst von Matthias Gleiß.

Den Rahmen bilden die „Berlin Food Night“ am Montag mit der Verleihung des Gastro-Gründerpreises und die Gala der „Berliner Meisterköche“ am Sonnabend. Das Kaufhaus Jandorf ist aber auch Schauplatz für das ganztägige „House of Food“ am 14. und 15. Oktober mit kulinarischem Marktplatz, zahlreichen Kochdemonstrationen und einem kleinen Restaurantangebot, zu dem auch der berühmte Königsberger Klops nach Tim Raues Rezept gehört.

Zwei weitere Schauplätze der Food Week sind die Miele-Gallery Unter den Linden und das Bikini Berlin an der Budapester Straße. Bei Miele stehen Workshops im Mittelpunkt – so referieren zum Beispiel der „Effileé“-Herausgeber Vijay Sapre über das Thema „Umami“ und der Patissier Daniel Budde über „Charaktere der Schokolade“. Und das Bikini ist am 21., dem abschließenden Sonnabend, von 10 bis 20 Uhr Schauplatz des „Good Food Market“, bei dem knapp 30 Anbieter gesunder Nahrungsmittel ihre Produkte zeigen und Kurse zu deren Verarbeitung anbieten.

Berlin Food Week. 14. bis 21. Oktober, alle Infos unter berlinfoodweek.de

BAR CONVENT BERLIN

Der Auftakt des facettenreichen kulinarischen Oktobers in Berlin ist hochprozentig und steht ganz im Zeichen hochwertiger Destillate, Cocktails und Bier: der „Bar Convent Berlin“ am 10. und 11. Oktober, zum dem rund 12 000 Besucher in der „Station“ am Gleisdreieck erwartet werden. Aus dem kleinen, 2007 gegründeten Forum für Barspezialisten ist in zehn Jahren die wichtigste Fachmesse Europas zu diesen Themen geworden: „Bartender’s Christmas“ nennt sie die Szene.

Destillateure, Barkeeper und Markenbotschafter zeigen dort, was sie können. Gin & Tonic ist jedermanns Lieblingsthema, und es werden deshalb nicht nur neue Gins mit kühnen Zutaten von Seetang, Tonkabohne, Mate bis Ameisen gezeigt, sondern auch viele neue Tonics, die nun verstärkt zuckerreduziert oder mit überraschenden Aromen wie Hibiskus oder Lavendel daherkommen. Auch die Agavendestillate um Tequila und Mezcal erobern ständig Marktanteile. Gespannt blicken die Experten auf die junge Gattung des dezent rauchigen „Tequila Fumado“. Regionalität spielt in der Gastronomie auch bei Getränken eine wachsende Rolle, und so gilt es, das Handwerk vorzüglicher Obstbrenner neu kennenzulernen, pur oder im Drink vermixt.

Und insbesondere die Entwicklung der Biervielfalt führt zu Veränderungen auf Getränkekarten, wenn Menüs mit Bierbegleitung begeistern und neben dem vertrauten Pils auch „India Pale Ale“ und „Imperial Stout“ zu ausführlichen Kostproben verlocken. Mit dem Messebereich „Brewberlin“ widmet sich der Bar-Convent auch diesem Trend-Thema, insbesondere geht es um die Wiederentdeckung beinahe ausgestorbener Bierspezialitäten wie der Berliner Weiße. Ein besonderer Fokus gilt dem diesjährigen Gastland Frankreich.

An Vorträgen und Seminaren im Rahmen des Convents beteiligen sich Stars der internationalen Barszene wie Salvatore Calabrese, der seit 1980 die Barszene Londons prägt. Aus Spanien kommt die Brandy- und Sherry-Expertin Rocio Osborne, die die bekannte Marke nun in sechster Generation repräsentiert. Aus New York kommt Garrett Oliver, der bekannteste Braumeister der USA, aus Wolfenbüttel Berndt Finke, das Mastermind hinter den 56 Kräutern in Jägermeister.

Bar Convent Berlin, 10. / 11. Oktober, barconvent.com

GERMAN RUM FESTIVAL

Am 14. und 15. Oktober geht es weiter in der „Station“ mit dem „German Rum Festival“, das der Food Week angeschlossen ist. Das Interesse an Rum wächst, wie die steigenden Besucherzahlen der Messe und die Präsenz des Zuckerrohrdestillats in Fachgeschäften und Restaurants beweisen. Rum gehört einfach zur Bar und ist dort stets präsent in Daiquiri, Mai Tai oder Rum Sour. Junge Konsumenten finden leichte und zugängliche Qualitäten, Fortgeschrittene finden viele charaktervolle und komplexe Varianten. Das Festival zeigt die ganze Bandbreite in Vorträgen und Verkostungen, von den gefälligen Klassikern wie Botucal und Ron Zacapa über die würzigen Jamaika-Rums bis zu den unabhängigen Abfüllern wie Plantation und Bristol Classic.

Aktuell stark gefragt sind Spiced Rums, aromatisierte Rums mit Gewürzen und Früchten wie der Plantation Pineapple Rum – absoluter Probiertipp auf dem Festival.

German Rum Festival. 14. / 15. Oktober, rumfest-berlin.com

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