14.12.2017, 4°C
Themenschwerpunkt:

Flughafen

  • 25.09.2017
  • von Oliver Burwig

Abstimmung über TXL: Flugzeuge vorm Balkon - warum Anwohner für den Flughafen Tegel sind

von Oliver Burwig

Für viele eine Überraschung: Anwohner haben für den Erhalt des Flughafens Tegel in Berlin gestimmt. Foto: Jörg Carstensen/dpa

Für Anwohner ist es eine Zumutung, dass die Flugzeuge bei Start oder Landung an den Häusern nahe Berlin-Reinickendorf vorbeidonnern. Sollte man meinen.

Berlin - Das Dröhnen der Flugzeugtriebwerke in den Ohren, stehen die Menschen am Montag am verregneten Kurt-Schumacher-Platz im Berliner Bezirk Reinickendorf und warten auf den Bus. Viele hier haben beim Volksentscheid am Sonntag für die Offenhaltung des umstrittenen Flughafens TXL gestimmt. Warum?

„Die Flugzeuge fliegen fast auf Höhe meines Balkons am Haus vorbei“, sagt Jeannette Motyl. „Andere Leute gucken Vögel, ich gucke eben Flugzeuge.“ Die 49-Jährige habe auch für den Flughafen Tegel gestimmt, weil sie befürchtet, die geplante Umnutzung des Geländes würde die Mieten in der Umgebung steigen lassen. Der rot-rot-grüne Senat will dort 9000 neue Wohnungen errichten, die in Berlin so dringend gebraucht werden.

Wenn Flugzeuge die Gespräche übertönen

Umwelt- oder Gesundheitsbelastung bringe schon der Straßenverkehr mit sich, sagt Motyl. Deshalb störe sie sich nicht am Flugbetrieb. Und die Absturzgefahr? „Ich habe gerade einen Autounfall hinter mir. So etwas kann immer passieren.“ Außerdem gehöre der Flughafen einfach dazu.

Das findet auch René Reussner, der in der Einflugschneise von TXL wohnt. Während er spricht, übertönt ihn kurz ein startendes Flugzeug. „Den Lärm finde ich nicht so schlimm. Außerdem ist es doch eine Attraktion, wenn man die Flugzeuge fast berühren kann“, sagt der 47-Jährige.

Berlin ist nicht so groß wie London oder Istanbul“

Fliegen könne er sich nicht leisten, sagt Reussner. Doch Berlin brauche seine zwei Flughäfen. Er gehe von einem Verkehrschaos aus, wenn alle Berliner zum Fliegen zukünftig ins südliche Schönefeld zum BER fahren müssten.

„Berlin ist nicht so groß wie London oder Istanbul“, sagt Helmut Möller (67), Gründer der Initiative „Tegel endlich schließen“. Für ihn sei es „nicht mehr zu rechtfertigen, dass 100 Schulen und Kindergärten vom Fluglärm beeinträchtigt werden“.

Ältere Menschen würden vor allem aus Nostalgie an Flughäfen wie Tegel oder Tempelhof festhalten. Auch das Argument der „kürzeren Wege“ lässt er nicht gelten: „Es gibt dort nur Busse und Taxis. Wenn ich aus Borsigwalde komme, muss ich trotzdem zweimal umsteigen.“

Social Media

Umfrage

Soll die Biosphäre abgerissen werden, wie es die Grünen-Fraktion im Stadtparlament nun fordert? Stimmen Sie ab!