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  • 14.09.2017
  • von Hannes Heine

Gesundheitsversorgung in Berlin: CDU macht Vorschläge gegen Hebammenmangel

von Hannes Heine

Stützende Hände. Hebammen helfen jungen Müttern, in ihre neue Aufgabe hineinzuwachsen. Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Die Zahl der Geburten stieg zuletzt stark an - braucht Berlin mehr Hebammen? Die Gesundheitssenatorin lädt zum Gipfel und sollte sich auf harte Debatten vorbereiten.

Vor dem Krisengipfel zum Hebammenmangel am Freitag in der Senatsverwaltung machen die Vertreter der Koalition, der Opposition und der beteiligten Zünfte noch einmal ihre Positionen deutlich – wohl auch, um Gesundheitssenatorin Dilek Kolat (SPD) auf harte Debatten vorzubereiten.

Bevor sich am Freitag die Leiter der Berliner Geburtskliniken, Hebammen und Krankenkassenexperten mit Kolat treffen, fordert die CDU in einem „Fünf-Punkte-Plan für eine Stärkung der Geburtshilfe und Hebammen“ die Senatorin zu zügigem Handeln auf.

„Es darf nicht sein, dass Schwangere an der Krankenhaustür abgewiesen werden.“

„Statt der Schaffung eines ,Problembewusstseins‘ brauchen wir 200 neue Betten in der Geburtshilfe, mehr Geld für Kreißsäle, mehr Ausbildungsplätze an den Hebammenschulen und eine bessere Bezahlung“, sagte Gottfried Ludewig, Gesundheitsexperte der CDU. „Es darf nicht sein, dass Schwangere an der Krankenhaustür abgewiesen werden.“

CDU fordert einen Personal-Notfall-Pool

Tatsächlich ist nicht für jede Geburt im Wunschkrankenhaus der Mutter ein Platz frei – allerdings, schätzen Fachleute die Lage ein, sei die Versorgung in den Kliniken stadtweit überall ähnlich gut. Der CDU reicht das so nicht. Die Union möchte nun einen Antrag ins Abgeordnetenhaus einbringen, wonach acht Millionen Euro aus den Haushaltsüberschüssen 2017 für die Erweiterung der Kreißsäle verwendet werden sollen.

Dazu möchte die CDU, dass ein zu schaffender Personal-Notfall-Pool „unvorhergesehenen Zusatzbedarf von Pflegekräften und Hebammen“ in einzelnen Kliniken ausgleicht. Ausbildungsplätze für Hebammen sollen der CDU zufolge genauso erhöht werden wie die Löhne. Außerdem brauche Berlin 15 Prozent mehr Geburtsbetten in den Kliniken.

2016 gab es mehr als 41 000 Geburten in Berlin

Dies provoziert insofern Widerspruch, als dass sich die Lage in den Kliniken noch weitgehend an den Vorgaben von Ex-Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) orientiere. Das sagte Wolfgang Albers (Linke), Vorsitzender des Gesundheitsausschusses. Zudem gebe es keinen Grund für Alarmismus, weil die Steigerung der Geburtenzahlen letztlich je Klinik nicht mal eine Entbindung mehr am Tag bedeute.

Vorläufigen Zahlen zufolge sollen 2016 mehr als 41 000 Kinder in Berlin geboren worden sein. Noch 2015 waren es nur etwas mehr als 38 000 – allerdings gibt es auch 19 Geburtskliniken, was pro Tag und Haus eben nicht mal ein Neugeborenes extra bedeutet.

CDU-Abgeordneter Ludewig bleibt dabei: Berlin wachse, die Geburtenzahlen stiegen aller Wahrscheinlichkeit nach auch in den kommenden Jahren kontinuierlich – und der rot-rot-grüne Senat arbeite auch nach fast einem Jahr im Amt noch an einem „gemeinsamen Problembewusstsein“.

Nicht nur Hebammen leiden unter niedrigen Lohn und schlechten Arbeitszeiten

Vorsichtig äußerten sich vor dem Gipfel bei Senatorin Kolat einige Ärzte und Ärztinnen aus den Krankenhäusern. So sprach eine ranghohe Medizinerin von „übertriebener Präsenz“ der Hebammen in der öffentlichen Debatte, die Forderungen der Helferinnen nach mehr Lohn und besseren Arbeitszeiten seien zwar „nachvollziehbar“, aber kaum besser zu begründen als bei anderen Berufen im Gesundheitswesen. Der Direktor der Geburtsmedizin an der Charité, Wolfgang Henrich, sagte eher grundsätzlich: Er begrüße die Absicht, die Kliniken besser auszustatten – nun müsse Konkretes besprochen werden.

Beim Landesamt für Gesundheit und Soziales sind 1072 Hebammen und ein männlicher Geburtshelfer registriert. Allerdings üben nur rund 70 Prozent ihren Beruf derzeit aus. Zudem arbeiten viele Hebammen in Teilzeit.

Mehr Informationen finden Sie unter: www.gesundheitsberater-berlin.de

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