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  • 13.09.2017
  • von Kerstin Gehrke

Prozessbeginn in Berlin: Mord an Sqeezer-Sänger: Angeklagte schweigen

von Kerstin Gehrke

Die Angeklagten stehen am 13.09.2017 zu Prozessbeginn im Saal 621 des Landgerichts Berlin und verdecken ihr Gesicht. Die Männer sind wegen des brutalen Mordes an dem Musiker Jim Reeves in einem Berliner Hostel angeklagt. Der Sänger der Band Sqeezer war am 01. Februar 2016 getötet worden. Foto: Soeren Stache/dpa

Im Februar 2016 wurde der Sänger Jim Reeves in einem Hostel-Zimmer in Berlin-Charlottenburg ermordet. Seit Mittwoch müssen sich zwei Männer vor Gericht verantworten.

In einem Hostel kam es zu einer verhängnisvollen Begegnung: Jim Reeves, der in den 1990er Jahren mit seiner Band Sqeezer Erfolge feierte, wurde attackiert, gequält, umgebracht. Waren es zwei Bauarbeiter, die ihren Mitbewohner in einem Sechs-Bett-Zimmer grausam ermordeten?

Rund eineinhalb Jahre nach dem Verbrechen hat der Prozess gegen die 23- und 30-Jährigen begonnen. Ihnen gegenüber saßen die beiden Schwestern und der Bruder von Reeves. Die Geschwister erlebten Angeklagte, die äußerlich regungslos und schweigend blieben.

Die Anklage lautet: Mord aus homophoben Gründen

Die Markenzeichen von Jim Reeves, Sänger und Musikproduzent aus Köln, waren blond gefärbte Rastazöpfe und ein blond gefärbter Bart. Zuletzt lebte er bei seiner Ex-Lebensgefährtin in Berlin. Er war nach einem Streit für ein paar Tage aus der WG ausgezogen, wollte Abstand. Er checkte am Stuttgarter Platz in Charlottenburg in einem Hostel ein. Zimmer 25. Sechs Betten. Zwei weitere belegt.

Nach einem gemeinsamen Bar-Besuch sollen die beiden Bauarbeiter aus Polen, die auf der Durchreise waren, den Künstler angegriffen haben. Laut Anklage aus homophoben Gründen. „Sie fassten den Beschluss, ihn zu töten und dabei zu quälen, weil er ihnen sexuelle Handlungen angetragen hatte“, verlas die Staatsanwältin.

„Ich wollte den Angeklagten in die Augen sehen. So etwas kann kein normaler Mensch tun.“

Die Geschwister kämpften mit den Tränen. Es sind schreckliche Details bis hin zu einer Vergewaltigung mit einem Gegenstand, die in der Anklage genannt werden. Der 47-jährige Jim Reeves starb am 1. Februar 2016 im Hostel-Zimmer. 18 Tage später wurde in Polen K. verhaftet. A. wurde ein Jahr später in Spanien gefasst.

Während die Familie den Saal sprachlos verließ, sagte ein einstiger Band-Kollege von Reeves: „Ich wollte den Angeklagten in die Augen sehen. So etwas kann kein normaler Mensch tun.“ Der Prozess geht Freitag weiter.

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