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  • 12.08.2017
  • von Klaus Kurpjuweit

Baustelle in Tiergarten: Anarchie auf der Potsdamer Brücke

von Klaus Kurpjuweit

Auf falscher Spur. Diese beiden Streifen sind derzeit nur für Busse vorgesehen. Foto: Klaus Kurpjuweit

Zweiter Tag der Sperrung der Potsdamer Brücke: Ampeln aus, keine Polizei – und viele fahren über die Busspur.

Vorschriften? Viele Autofahrer machten es sich am Sonnabend einfach und ignorierten die Sperrung. Fußgänger und Radfahrer haben es dagegen wesentlich schwerer. Am Sonnabend, dem zweiten Tag der Sperrung der Potsdamer Brücke im Verlauf der Potsdamer Straße in Tiergarten, immerhin ein Hauptknotenpunkt, wurden alle Verkehrsteilnehmer alleingelassen: Die Bauampeln waren nicht eingeschaltet – kein Polizist regelte den Verkehr. Am Freitag aber waren vier Beamte gleichzeitig im Einsatz.

Viele Autofahrer nutzten die Möglichkeit, die Sperrung auf der Busspur zu umgehen. Auffallend: So bald ein Auto den nicht zugelassenen Weg nahm, folgten ihm in der Regel weitere. Wer auf den Busspuren weiter geradeaus die Brücke passiert, muss sich dann durch den Querverkehr auf den Uferstraßen schlängeln. Bei geringem Verkehr am Sonnabend hat das in der Regel geklappt.

Auch für Fußgänger und Radfahrer gab es keine Querungshilfen. Sie mussten sich hurtig auf den Weg machen, sobald es im Autostrom eine Lücke gab. Das konnte dauern, denn wer von Nord nach Süd oder umgekehrt gehen oder radeln will, muss einschließlich der Abbiegespuren vier Straßen überqueren, die sonst ampelgeregelt sind.

Ein Streifenwagen fuhr unbeeindruckt weiter

Warum die Ampelanlagen nicht eingeschaltet waren, ließ sich am Wochenende nicht klären. Am Freitag hatte es Installationsarbeiten gegeben, am Sonnabend waren keine Arbeiten zu sehen. Ursprünglich sollte die Sperrung am Freitagabend erfolgen. Weil vorbereitende Arbeiten aber schneller als geplant abgeschlossen worden seien, habe die Sperrung schon am Morgen begonnen, hieß es in der Verkehrsinformationszentrale. Die Polizei war nach ihren Angaben nur für Freitag angefordert worden.

Ein Ausfall von Ampeln werde der Polizei gemeldet, sagte eine Sprecherin am Sonnabend. Danach werde entschieden, ob der Verkehr von Beamten geregelt werden müsse. Auf der Potsdamer Brücke waren die fest installierten Ampeln dagegen am Freitag schon außer Betrieb, die Bauampeln jedoch noch abgedeckt und nicht eingeschaltet. Der Fahrer eines vorbeikommenden Streifenwagens schaute übrigens auch interessiert auf die auf der Busspur stehenden Autos – und fuhr dann unbeeindruckt weiter.

Und was passiert am Montag im Berufsverkehr?

Wegen der Sperrung müssten Autofahrer Richtung Schöneberg vor der Brücke auf das Reichpietschufer abbiegen, bis zur Bendlerbrücke fahren und dort den Landwehrkanal überqueren, um auf dem Schöneberger Ufer wieder zurückzufahren. Richtung Potsdamer Platz erfolgt die Umleitung entsprechend über die Köthener Brücke. Viele Autofahrer bogen – wie bereits am Freitag – auch am Sonnabend schon auf der George-C.-Marshall-Brücke ab, die nur für die Geradeausfahrt zum Tiergartentunnel vorgesehen ist.

Spannend dürfte es am Montag im Berufsverkehr werden, falls dann die Ampeln immer noch nicht eingeschaltet sind. Gebaut wird bis voraussichtlich 3. November. Die Fugen der 1966 eröffneten Brücke werden abgedichtet, der Straßenbelag wird erneuert. Zum Ferienende soll es für den Verkehr Richtung Süden wieder eine Fahrspur geben – ganz legal dann.

Ebenfalls am Sonnabend kam es südlich der Potsdamer Straße - in der Schöneberger Hauptstraße - zu Verkehrsbehinderungen.

Eine Übersicht über die Berliner Baustellen in der Ferienzeit finden Sie hier.

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