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  • 09.08.2017
  • von Anna Ringle (dpa)

Testbahn mit Motorsport-Events

von Anna Ringle (dpa)

Teststrecke: Der Lausitzring in Klettwitz wird sich verändern. Foto: Patrick Pleul/dpa

Lausitzring-Pläne der Dekra könnten eine Initialzündung für die Region sein

Klettwitz - Als unlängst die Nachricht vom Verkauf des Lausitzrings an die Prüfgesellschaft Dekra bekannt wurde, fielen die Reaktionen unterschiedlich aus. Motorsportfans bangten, dass mit Autorennen nun Schluss sein könnte. Aus der Wirtschaft kam dagegen viel positive Resonanz, weil mit einem Schub für die Region gerechnet wird. Die Pläne, wie es auf dem Lausitzring-Areal einmal zugehen wird, werden konkreter.

Die Prüfgesellschaft Dekra will dort das größte Testzentrum Europas für automatisiertes Fahren schaffen, wie der Leiter des Dekra Technology Centers, Volker Noeske, am Dienstag in Klettwitz (Oberspreewald-Lausitz) erläutert. Zum Verkauf gehörten nicht nur die Rennstrecke, sondern auch Flächen im direkten Umfeld. Diese seien im ursprünglichen Bebauungsplan bereits als mögliche Erweiterungsflächen vorgesehen gewesen.

Insgesamt wird das Dekra-Areal nach der Übernahme 540 Hektar groß sein – also um noch gut ein Drittel größer als der stillgelegte Tempelhofer Flughafen in Berlin mit 386 Hektar. Auf den zusätzlichen Flächen könnten sich Partner-Firmen ansiedeln, so Noeske. Die Prüfgesellschaft will ihre Mitarbeiterzahl kräftig aufstocken. Derzeit seien knapp 100 Menschen, darunter Ingenieure und Techniker, im bereits bestehenden Testcenter neben der Rennstrecke beschäftigt, sagt Noeske. Ziel sei, dass es rund 200 werden.

Zwei Drittel der Mitarbeiter des Lausitzrings will die Prüfgesellschaft übernehmen, die bei den angepeilten rund 200 Mitarbeitern inbegriffen sein werden. Unlängst bezifferte der Ex-Eigentümer des Lausitzrings die Mitarbeiterzahl auf 43. Für einige Mitarbeiter der Eurospeedway Verwaltungs GmbH bedeutet der Verkauf den Verlust ihres Arbeitsplatzes.

Dass mit dem Motorsport und Großveranstaltungen durch die neue Ausrichtung Schluss sein könnte, deutet sich derzeit nicht an. Es gibt bereits Gespräche mit Dritten für 2018. Dekra selbst will künftig nicht Veranstalter sein, ist aber für Anfragen von außen offen. Laut Dekra gehen alle Beteiligten davon aus, dass das Motorsport-Festival mit dem Deutschen Tourenwagen Masters (DTM) und dem ADAC GT Masters auch 2018 auf dem Lausitzring ausgerichtet werden kann.

Oberspreewald-Lausitz-Landrat Siegurd Heinze umschreibt es am Dienstag beim Besuch des Dekra Technology Centers so: Aus der Renn- und Teststrecke werde eine Test- und Rennstrecke. Die Errichtung des Lausitzrings war ein Großprojekt in Brandenburg gewesen. Er eröffnete im Jahr 2000. In das Renn- und Testgelände waren Landes-Fördermittel von mehr als 120 Millionen Euro geflossen. Es gab damals sogar die Hoffnung, dass die Formel 1 anbeißen könnte. Aber daraus wurde nichts. Jetzt nach 17 Jahren hätte der Lausitzring saniert werden müssen. Weil dafür aber ein Millionenbetrag nötig gewesen wäre, entschied sich der Besitzer Eurospeedway Lausitz Verwaltungs GmbH dazu, auf das Dekra-Kaufinteresse einzugehen.

Das Testgelände will Dekra neben eigenen Tests auch externen Nutzern zur Verfügung stellen. Geplant sind Autobahnkurse im bestehenden Dekra-Testoval am Center. Landstraßenkurse sollen auf Umgehungsstraßen entstehen, zudem sind Citykurse geplant. Dafür werden auch „Geisterstädte“, also Kulissen gebaut, die mobil versetzt werden können. Damit soll dann getestet werden können, ob das automatisierte Fahren in der Umwelt funktioniert.

Im Lausitzring werden neue Streckenvarianten geschaffen. Grundsätzlich soll der Ring für Großveranstaltungen weiter nutzbar sein. Auch die Zuschauertribünen bleiben. Die Dekra will neben den Tests das Gelände im Parallelbetrieb für Händlerschulungen, Produkteinführungen und Hersteller-Trainings nutzen. Dabei sei man auf Partner in der Region wie Hotels angewiesen, wenn es zum Beispiel um Betten für Tagesgäste gehe, betont Noeske.

Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) sagt, dass er „außerordentlich froh“ darüber sei, dass Dekra das Gelände gekauft hat. Das Land wolle die Ansiedlung von Partnern unterstützen. Gerber geht davon aus, dass in der Region hochqualifizierte Ingenieurjobs entstehen. Der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Cottbus (IHK), Wolfgang Krüger, sieht in den Dekra-Plänen eine „Initialzündung“ in der Lausitz mit Blick auf den Strukturwandel und die schwindende Bedeutung der Braunkohle. „Jetzt haben wir ein Leuchtturmprojekt.“ Anna Ringle (dpa)

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