15.12.2017, 2°C
Themenschwerpunkt:

Bundestagswahl 2017

  • 28.06.2017
  • von Julia Frese

Potsdamer Wahlkreis zur Bundestagswahl 2017: Wahl-Duell statt Dreikampf

von Julia Frese

Zwei im Wahlkampf. FDP-Politikerin Linda Teuteberg (l.) und SPD-Kandidatin Manja Schüle (r.) bezogen Position. Saskia Ludwig (CDU) fehlte. Foto: S. Gabsch

Die Direktkandidatinnen Manja Schüle (SPD) und Linda Teuteberg (FDP) für den Potsdamer Wahlkreis 61 stellten sich in Werder (Havel) einem Kandidatencheck. Die CDU-Bewerberin Saskia Ludwig hatte kurzfristig abgesagt - wegen anderer Verpflichtungen.

Werder (Havel) - Die erste Einladung der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung vor zweieinhalb Wochen trug noch die Überschrift „Drei für Berlin – Unser Kandidatencheck für den Wahlkreis 61“. Drei Tage vor der Veranstaltung schickte die Stiftung die Einladung erneut, mit der Änderung, dass plötzlich nur noch von „Zwei für Berlin“ die Rede war. Die CDU-Politikerin Saskia Ludwig hatte kurzfristig abgesagt „wegen anderer Verpflichtungen“, wie ein Sprecher der Stiftung auf PNN-Nachfrage erklärte. Genaueres war auch aus Ludwigs Wahlkreisbüro nicht zu erfahren. Ihr Sprecher wies lediglich darauf hin, es bestehe bei weiteren Terminen im Wahlkreis noch „ausreichend Gelegenheit, Podiumsveranstaltungen mit den Konkurrenten um das Direktmandat des WK 61 zu beobachten“.

So wurde der Montagabend für SPD-Bundestagskandidatin Manja Schüle und die FDP-Kontrahentin Linda Teuteberg durch Ludwigs Absage vom Diskussion-Dreikampf zum Kandidaten-Duell. Im alten Gemäuer der historischen Saftfabrik hatten sich rund 100 Zuschauer eingefunden, um sich eine politische Meinung für die Bundestagswahl im September zu bilden. Antenne-Brandenburg-Reporter Torsten Sydow, der den Abend moderierte, stieg bürgernah ein: „Stellen Sie sich eine junge Werderaner Familie mit zwei Kindern im Alter von vier und sechs Jahren vor: Was können Sie für diese Familie tun?“ Während Linda Teuteberg Bildungsqualität über Inklusion stellte, gute Bedingungen für Kommunen und mehr Kompetenzen in der Bildungspolitik für den Bund forderte, sprach Manja Schüle über Familienarbeitszeit, Ganztagsschulen und Wege aus der Teilzeitfalle.

Teuteberg: Jeder sollte unabhängig vom Einkommen der Eltern studieren können

Nach der Schul- und Familienpolitik schien der Bereich Forschungsförderung zunächst einer zu sein, in dem sich die Kandidatinnen einig waren: Als Absolventinnen der Universität Potsdam schwärmten beide in höchsten Tönen von ihrer Alma Mater. Beim Thema Studiengebühren herrschten zumindest ähnliche Ansichten: „Jeder sollte unabhängig vom Elterneinkommen studieren können“, betonte Teuteberg. Ob das Studieren nach FDP-Vorstellungen tatsächlich ganz kostenfrei bleiben solle, blieb jedoch vage: Nachgelagerte Studiengebühren, also solche, die nach dem Studium nur bei entsprechendem Einkommen zurückgezahlt werden müssen, konnte sich Teuteberg vorstellen, „wenn sie nötig sind“. Manja Schüle dagegen forderte eine „beitragsfreie Ausbildung von Anfang an“. Zu deutlicheren Unterscheidungen zwischen den Kandidatinnen kam es erst wieder, als es um das Thema Krankenkassen und schließlich um deutsche Sanktionen gegen Russland ging. Teuteberg kritisierte insbesondere Martin Schulz’ Rede vom SPD-Parteitag am vergangenen Wochenende, in der Putin und seine völkerrechtswidrige Annexion der Krim keine Erwähnung gefunden hätten.

Schüle: Weniger Autoverkehr, mehr ÖPNV

Doch es sollte bei Weitem nicht nur um die großen, globalen und bundespolitischen Themen gehen an diesem Abend. Dafür sorgten nicht zuletzt Fragen aus dem Publikum. „Wie kann man das steigende Verkehrsaufkommen in der Region menschenfreundlicher gestalten?“, fragte ein Mann, der zugleich seine Anreise über die Zeppelinstraße schilderte und mitleidiges Gelächter erntete. Wenig überraschend: Schnelle und einfache Lösungen gab es nicht. Während Teuteberg konstatierte: „Wir brauchen einen guten Mix aus Verkehrsträgern“, hatte auch Schüle nichts wesentlich Neues parat: „Wir müssen den Autoverkehr minimieren, aber vorher den ÖPNV ausbauen.“

Social Media

Umfrage

Soll die Biosphäre abgerissen werden, wie es die Grünen-Fraktion im Stadtparlament nun fordert? Stimmen Sie ab!