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Flughafen

  • 26.06.2017
  • von Alexander Fröhlich

Hauptstadtflughafen BER: Bosch bezweifelt Fertigstellung des BER

von Alexander Fröhlich

Stillstand. Aufwärts geht’s beim BER allenfalls auf der Rolltreppe. Foto: Patrick Pleul/dpa

Das Unternehmen, das entscheidend am Bau des BER beteiligt ist, nennt über eintausend "Behinderungssachverhalte". Die Verantwortlichen reagierten zunächst beleidigt, um dann zurückzurudern.

Schönefeld - Das Unternehmen Bosch hat massive Zweifel geäußert, ob der Hauptstadtflughafen BER in Schönefeld überhaupt fertig wird. In einem Brief vom 31. Mai, aus dem die „Bild am Sonntag“ zitiert, schrieb der Konzern an die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg: „Derzeit sieht Bosch keine Grundlage für eine Finalisierung der Inbetriebsetzung der Brandmeldeanlagen.“ Zudem nannte der Konzern „1097 Behinderungssachverhalte“. Durch immer neue Planungsänderung würden erbrachte Leistungen wieder zerstört. Deshalb warnt Bosch davor Aktionismus, wenn der Flughafen Funktionstests parallel zu Bauarbeiten vornehme, um die Inbetriebnahme zu beschleunigen. „Wir äußern hiermit eindringlichst unsere Bedenken, dass bereits Ihnen vorliegende Prüfberichte der Sachverständigen ihre Gültigkeit verlieren und durch die Sachverständigen zurückgezogen werden“, heißt es im Brief.

Bosch klagte über Vorleistungen, Planunterlagen und kurzfristige Änderungen

Erst Anfang Februar hatte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), damals Aufsichtsratschef, Bosch in die Verantwortung genommen, um die Eröffnung 2018/19 zu halten. Bosch, zuvor verantwortlich gemacht für Verzögerungen bei der nicht funktionierenden Steuerung der Automatiktüren, soll seither Prozessabläufe koordinieren. Doch schon damals beklagte Bosch fehlende Vorleistungen, Planunterlagen und kurzfristige Änderungen. Im vorerst letzten BER-Sachstandsbericht vom März hieß es: „Bei den Türen konnten 23 Prozent baulich fertiggestellt und in Betrieb gesetzt werden.“

Eine Woche nach dem Bosch-Brandbrief beklagte der BER nicht erbrachte Leistungen und kündigte an, demnächst 80.000 Euro einzubehalten, Schadensersatz von bis zu einer Millionen Euro pro Verzugstag zu fordern. Bosch reagierte prompt, sagte alle Termin ab – die Zusammenarbeit war tot. Der BER-Projektleiter nahm alles „im Interesse für den Geist unserer Zusammenarbeit“ zurück.

Die Baufirmen verdienen daran, dass der Flughafen nicht fertig wird. Das im Krisenjahr 2012 eingeführte Vergütung auf Stundenbasis lässt sich nicht mehr komplett ändern, Verhandlungen laufen.

Kosten bis zu einer Million Euro für jeden Tag, an dem der BER nicht eröffnet

Bosch bedankte sich für das Einlenken. Striktes Auslegen alter Vereinbarungen wäre am BER für den Erfolg nicht von Vorteil. Kosten bisher: mehr als 6,5 Milliarden Euro. Jeden Tag, an dem der BER nicht eröffnet, sind es zwischen einer halben und einer Million Euro.

Die Flughafengesellschaft selbst wollte den Vorgang nicht kommentieren. Ein Sprecher sagte: „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, dass die Aufträge professionell und konstruktiv durchgeführt werden.“ Der neue Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hatte 2018 als Ziel für die Eröffnung ausgegeben. Dieser Termin wird aber zunehmend angezweifelt, PNN-Recherchen belegen, dass es auf 2019 hinausläuft. Lütke Daldrup hatte betont: „Der Eröffnungstermin hängt wesentlich davon ab, ob es gelingt, mit den fünf entscheidenden Baufirmen – Bosch, Caverion, Siemens, T-Systems und ROM – verbindliche vertragliche Regelungen über die Restbauleistungen und Termine zu treffen.“ 

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Was geht alles nicht voran? Wie lange reicht das Geld noch? Und wie viel Wahrheit steckt in den offiziellen Ankündigungen? PNN-Autor Thorsten Metzner analysiert, warum der BER auch 2018 nicht öffnen wird.

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