22.06.2017, 26°C
  • 19.05.2017
  • von Annette Kögel, Charlotte Tenhagen

Berlin-Pankow: Freier Eintritt für das Anbaden im Strandbad Weißensee

von Annette Kögel, Charlotte Tenhagen

Nach Turbulenzen wegen einer Baustelle eröffnet das Strandbad Weißensee die Saison mit provisorischen Sanitäranlagen. Foto: Sven Darmer/Imago

Im Strandbad Weißensee wird noch das durch Bauarbeiten beschädigte Abwassersystem repariert. Doch Besucher können schon kommen - zum Start ohne Eintrittsgeld.

14 Grad Wassertemperatur, egal. Das Anbaden ist jetzt Pflicht: um Punkt 12 Uhr öffnete am Freitagabend des Strandbad Weißensee wieder – und einige Gäste schauten schon vorher neugierig rein. „Schön, schön!“, riefen die Seniorinnen aus Hohenschönhausen und Neukölln, als sie das Strandleben mit Liegestühlen, Grillwürstchen, Klettergerüst und Bierstand nach der Zwangspause sahen. Sieht so aus wie immer – und ist doch ganz anders.

Wie, das konnte man erahnen, als der neue Jungchef des Traditionsbades kurz vor Einlass sein Team um sich scharte. „Das war richtig großartig, wie ihr alle mitgeackert habt“, sagt Pächter Alexander Schüller, 33, der mit seinen leitenden Mitarbeitern Robert Speidel und Ariane Hitschfel zuletzt rund um die Uhr zur Schadensbegrenzung tätig war. 19 Stunden Arbeitsakkord – dafür bekam Hitschfel Szenenapplaus. Der Chef mit coolen Piercings, viele der 46 Mitarbeiter mit Szenetattoos, etliche ältere Herrschaften in den Warteschlangen – im Strandbad Weißensee kommt zusammen, was zusammengehört.

Dass die beiden Getränkewagen und die Toilettenhäuschen mit Extratank den Betrieb des Kultstrandbades erst möglich machen, fällt gar nicht auf. Manche sind heute das erste Mal hier, es sind Gäste aus ganz Berlin. „Ich finde das Umfeld zu schön! Das ist wie Urlaub“, sagt Badegast Thea Schulz, 74.

Abwasserrohre bei Bauarbeiten weggerissen

„Wegen Rohrbruch geschlossen“, steht euphemistisch am Duschtrakt. Bei Bauarbeiten für Luxuswohnungen an der Berliner Allee 174 waren wie berichtet die kompletten Abwasserrohre inklusive Einleitung ins Kanalsystem der Wasserbetriebe weggerissen worden, und niemand hatte Bescheid gegeben.

Alexander Schüller zeigte sich indes dankbar darüber, dass der Bauherr Alpha Invest nun die laufenden Reparaturen bezahlt habe. Er hofft, dass schon nach Pfingsten alle Duschen, Spülen und Toiletten wieder laufen. Und dass er seinen Schadensersatz bekommt, sonst müsse er – auch zum Schutz seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – vorübergehend Insolvenz anmelden.

Derweil beziehen auch die Rettungsschwimmer ihre Positionen, darunter auch zwei junge Syrer, die gerade im FEZ beim Modellprojekt „Rettung in Sicht“ ihre Ausbildung absolviert haben. Rettungsschwimmer Olaf Kolbe nimmt die neuen Kollegen herzlich auf. Unterdessen beschäftigt die Rettungsschwimmer Folgendes: Rund um den Weißen See herrscht ja Badeverbot. Aber von den Wiesen aus gingen viele – gern auch alkoholisierte – Nichtschwimmer ins Wasser. Da müssten die Retter natürlich aus Ethos ran, würden dann aber womöglich Notlagen im Bad nicht mitbekommen. Jedenfalls ist der Wunsch, dass wenigstens „Baden verboten“-Schilder hinkommen.

Immerhin kann der sichtlich erleichterte Alexander Schüller dem ganzen Schlamassel noch etwas Gutes abgewinnen: „Wir haben so viel Feedback und mediale Aufmerksamkeit bekommen. Manchmal sind uns bei Posts oder Mails die Tränen vor Rührung gekommen.“

Strandbad Weißensee, 9 bis 22 Uhr, mit Gastronomie und bald diversen Relax- und Sportkursen. Am Wochenende zum Start Eintritt frei – aber mit Spendenbox. In 14 Tagen Zehnerkarte zum halben Preis – der Pächter muss schnell Geld einnehmen, um das Personal bezahlen zu können.

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