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  • 20.05.2017
  • von Ulrich Zawatka-Gerlach, Felix Hackenbruch

Fußballarena in Berlin: Details für Umbau des Olympiastadions - Laufbahn weg, Spielfeld tiefer

von Ulrich Zawatka-Gerlach, Felix Hackenbruch

Umbau statt Neubau? Einer Machbarkeitsstudie zufolge ist das möglich. Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Berlins historisches Olympiastadion lässt sich laut einer Studie zu einer modernen Fußballarena für Hertha BSC umbauen. Senat und Hertha sind dafür.

Überraschende Wende in der Debatte zu einen Stadionneubau von Hertha BSC: Einer Machbarkeitsstudie zufolge, die Hertha Ende März in Auftrag gegeben hatte und die einen Umbau des Olympiastadions hin zu einer neuen Fußballarena prüfen sollte, hat ergeben, dass dies grundsätzlich möglich ist. Werner Gegenbauer, Präsident von Hertha BSC, äußerte sich überrascht: „Wir waren ursprünglich davon ausgegangen, dass ein Umbau des Olympiastadions nicht in Betracht kommt." Es gebe somit nun eine dritte "sehr ernstzunehmende Alternative" für den Standort der neuen Hertha Fußballarena, so Gegenbauer. Die Umsetzbarkeit wolle man nun gemeinsam mit dem Senat "eingehend und zeitnah" prüfen, sagte der Hertha-Präsident.

Erste Details für den Umbau des Olympiastadions zu einer klassischen Fußballarena wurden am Sonnabend bekannt. Die blaue Tartan-Laufbahn wird demnach verschwinden und das Spielfeld um zwei Meter abgesenkt. Der Unterring, der nicht dem Denkmalschutz unterliegt, soll bis zum Fußballfeld verlängert und deutlich steiler werden. Der mittlere Ring bleibt, wie er ist, und der Oberring wird rund ums Stadion mit riesigen LED-Videowänden abgehängt. Das vershafft Hertha auch neue Einnahmemöglichkeiten durch Werbekunden. Bei Großveranstaltungen mit besonders hohem Zuschauerandrang kann die LED-Installation temporär entfernt werden. Leichtathletikveranstaltungen, die bisher im Olympiastadion statfanden, sollen mittelfristig in den Jahn-Sportpark verlegt werden, der zu diesem Zweck ab 2020 saiert werden soll. Innen- und Sportsenator Andreas Geisel (SPD) bestätigte diese Pläne, die vom Architektenbüro gmp entwickelt wurden, am Samstag dem Tagesspiegel.

Offen ist noch, ob Hertha BSC den Umbau selbst finanziert oder ob der Senat einspringt und die Investition über die Miete refinanziert. Das Olympiastadion gehört dem Land Berlin. Es seien noch viele Details zu klären, räumte Geisel ein. Aber er geht davon aus, dass die Planungen innerhalb eines Jahres komplett abgeschlossen sind. Damit wären die Pläne des Vereins für einen Stadion-Neubau auf dem Olympiagelände oder im brandenburgischen Ludwigsfelde vom Tisch. Der Hertha-Vorstand und der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) und Geisel hatten sich am Freitag bei einem Treffen im Roten Rathaus überraschend geeinigt. Hertha will spätestens 2025 in einer reinen Fußballarena spielen.

Regierender und Sportsenator optimistisch

Vom Senat gibt es bereits positive Reaktionen auf die Studie von gmp. Michael Müller sagte: "Jetzt geht es darum, die Möglichkeiten Berlins und die Ansprüche von Hertha in Einklang zu bringen, damit das Spielerlebnis für alle Berlinerinnen und Berliner noch unmittelbarer und packender zu machen.“

Gerkan, Marg und Partner haben bereits die 2004 vollendete Komplettsanierung des Olympiastadions für die Fußball-WM 2006 verantwortet. Ihr Votum für einen fußball- und fangerechten Umbau des Baudenkmals im Westen Berlins kommt insofern überraschend, als die Hertha-Führung bisher vehement abgestritten hat, dass ein erneuter Umbau von einem Multifunktionsbau in eine Fußball-Arena baulich und finanziell machbar sei.

Der Hertha-Vorstand und Berlins Regierungschef haben sich erst einmal Luft verschafft. Denn der Verein hat am 30. Mai seine Jahreshauptversammlung und mehrere Fangruppen haben schon Anträge gestellt, in denen ein neues Stadion außerhalb Berlins kategorisch abgelehnt wird.

Der Regierende Bürgermeister und SPD-Landeschef Müller hat es am Samstag auf dem SPD-Landesparteitag mit einem Antrag zu tun, in dem Hertha aufgefordert wird, Pläne für einen Umzug nach Brandenburg sofort aufzugeben. Selbst ein Neubau in Berlin wird von den Genossen „kritisch gesehen“ und stattdessen ein Umbau des Olympiastadions gefordert.

Damit wiederholt sich eine Diskussion, die bereits kurz nach dem Mauerfall begann. 1998 beschloss der damals rot-schwarze Senat, das marode Stadion in Westend komplett zu sanieren und zu einem Austragungsort für Fußball, Leichtathletik und Konzerte zu machen. Die Befürworter einer klassischen Fußball-Arena, dazu gehörten Hertha BSC, der Landessportbund und Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD), mussten sich beugen. Auch vorhandene Pläne für einen Stadionneubau auf dem Olympiagelände wurden damals ad acta gelegt.

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