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Themenschwerpunkt:

Rechtsextremismus

  • 12.05.2017
  • von Alexander Fröhlich

Neonazi-Netzwerk bei Energie Cottbus: Innenminister Schröter: Inferno Cottbus ist eine Wucherung

von Alexander Fröhlich

Rechtsextrem. Beim Spiel in Babelsberg wurden im Cottbusser Block Hitlergrüße gezeigt. Foto: Presseservice Rathenow

Brandenburgs Innenminister Schröter lobt den Präsidenten von Energie Cottbus für den neuen Umgang mit Neonazis. Harte Worte gibt es für die Amtsvorgänger - darunter der Präsident des Landessportbundes.

Potsdam - Der wegen Ausschreitungen rechtsextremer Fußballfans in die Kritik geratene FC Energie Cottbus stellt sich nach den Worten von Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) inzwischen dem Problem – nämlich den Machenschaften des kriminellen Netzwerks um die 1999 gegründete Fangruppe „Inferno Cottbus“.

Inferno - für Schröter ein Krebsgeschwür, dann eine Wucherung

Die Polizeidirektion Süd habe sich lange darum bemüht. „Jetzt hat man auch im Verein erkannt, dass es dort ein Problem gibt“, sagte Schröter am Donnerstag im Innenausschuss des Potsdamer Landtags. „Es hat sich etwas verändert, man verdrängt das Thema nicht mehr.“ In der Vergangenheit habe es zahlreiche Gespräche und Hinweise der Sicherheitsbehörden gegeben. „Wenn der Verein das nicht umsetzt, muss man sich auch nicht wundern, wenn aus einem kleinen Krebsgeschwür eine große Wucherung entsteht“, sagte Schröter.

Damit spielte Schröter auf die Vorgänger des aktuellen Präsidenten Michael Wahlich an, der seit Sommer 2016 im Amt ist. Er hatte nach den von RBB und PNN aufgedeckten Verstrickungen von Inferno gesagt, es gebe noch viel Arbeit. Zugleich hatte der Energie-Präsident seine Vorgänger kritisiert. Diese hätten nach dem nur durch Druck aus der Landespolitik und den Sicherheitsbehörden verhängten Auftrittsverbot für Inferno 2013 die Sache offenbar schleifen lassen: „Wenn man eine Weile wegguckt, wenn nichts passiert, hat die andere Seite Gelegenheit sich neu zu formieren und zu strukturieren.“ Aber es sei gut, „dass da jetzt endlich drüber gesprochen wird“. 

Welche Rolle spielte der Präsident des Landessportbundes

Der Verein hatte das Auftrittsverbot 2013 nach langem Murren und Leugnen eines Problems mit rechtsextremen Fans auf Druck der Sicherheitsbehörden beschlossen – geduldet wurden sie trotzdem. Energisch eingeschritten war der Verein nie, auch weil der Einfluss von Inferno groß war. Verantwortlich für die lasche Linie war auch Wolfgang Neubert, der von 2014 bis 2016 Präsident des Klubs war. Heute ist er immer noch in prominenter Position – nämlich als Präsident des Landessportbundes und als Leiter der Lausitzer Sportschule Cottbus.

Inferno, das vom Verfassungsschutz beobachtet und als rechtsextremistisch eingestuft wird, hatte wie berichtet am Mittwoch im sozialen Netzwerk erklärt, sich aufzulösen. Grund sind Ermittlungen der Polizei zu einem Fackelmarsch von 120 Neonazis im Januar in Cottbus, aber auch zu Gewalt und Drohungen gegen Mitglieder anderer Fangruppen. Der Innenexperte der CDU-Landtagsfraktion, Björn Lakenmacher, sprach von einer „braunen Soße“ aus Kampfsportlern, Rockern, Hooligans und Neonazis, die es unmöglich mache, eine „normale Fankultur zu leben“. Energie Cottbus sei Opfer einer Unterwanderung durch die Neonazis.

Schröter spricht von Auflösung einer Facebook-Gruppe

Innenminister Schröter erklärte, Polizei und Verfassungsschutz würden ihre Ermittlungen „wegen der Auflösung einer Facebookgruppe“ aber nicht einstellen, das Problem werde sich auch nicht erledigt haben. „Die Personen sind immer noch dort“, sagte Schröter. Nötig sei aber mehr als die Arbeit der Sicherheitsbehörden: „Hier braucht es eine Ächtung der ganzen Region, der ganzen Stadt, hier muss es ein Abstoßen geben.“ Der CDU-Landtagsabgeordnete Sven Petke sagte: „Niemandem kann daran gelegen sein, dass die Nachrichten unser Land, die Stadt und den Fußball beschädigen.“

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