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Themenschwerpunkt:

Rechtsextremismus

  • 28.04.2017
  • von Alexander Fröhlich
Update

Polizeistatistik 2016: Mehr rechtsextreme Konzerte in Brandenburg und eine Warnung

von Alexander Fröhlich

Konzerte haben für die rechte Szene eine besondere Bedeutung – zur ideologischen Selbstbestätigung und um Anhänger zu gewinnen. Dieses Bild zeigt die Veranstaltung "Rock für Deutschland" in Thüringen 2014. Foto: Bodo Schackow/dpa

In Brandenburg gab es 2016 mehr rechtsextreme Konzerte als in den Vorjahren, die Behörden mussten entschiedener vorgehen. Der Verfassungsschutz warnt zudem vor einem neuen Veranstaltungsort der Neonazis im Landessüden.

2016 sind in Brandenburg deutlich mehr rechtsextremistische Konzerte abgehalten worden als in den Vorjahren. Das ist das Ergebnis der internen Statistik von Polizei und Verfassungsschutz.

Höchststand

2016 sind mindestens acht rechte Konzerte durchgeführt und von den Behörden registriert worden. Das ist die höchste Zahl seit 2012. Damals waren es sieben rechte Konzerte, in den weiteren Jahren je nur vier, 2015 nur zwei. Nur 2011 waren es mit 19 deutlich mehr. Vier Konzerte gab es 2016 in Oberhavel, wo die Behörden vorab nichts mitbekamen. Weiter Konzerte gab es in Wittstock, Wandlitz und Prenzlau.

Mehr Verbote und Absagen

Die Behörden mussten 2016 entschiedener gegen die rechte Musikszene in Brandenburg vorgehen. Elf verbotene und verhinderte Konzerte sind der höchste Stand seit 2011. Damals waren es nur drei, in den Folgejahre zwei und fünf, 2014 acht.

Musikszene aktiver

Die rechtsextreme Musikszene steht in Brandenburg zwar seit Jahren unter Druck. Zählt man alle Konzerte – versuchte, verhinderte, durchgeführte – zusammen, zeigt sich: Neonazis wollen wieder häufiger Konzerte abhalten. Die Gesamtzahl beläuft sich auf 21. Seit 2012 waren es 18, danach sank die Zahl bis 2015 auf sieben. Nur 2011 war die Zahl mit 24 versuchten, verhinderten, durchgeführten Konzerten höher.

Die Rolle der Konzerte

Konzerte haben für die Szene eine besondere Bedeutung – zur ideologischen Selbstbestätigung und um Anhänger zu gewinnen. Meist reisen Teilnehmer aus ganz Deutschland an. Die rechte Musikszene sei zwar weiter sehr aktiv im Land, heißt es. Dass Konzerte überhaupt stattfinden, ist nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden eher die Ausnahme. Hinzu kommt, dass die Organisation von Konzerten sehr von Einzelpersonen - wie dem Veltener NPD-Stadtverordneten Robert Wolinski - abhängt. Wegen des hohen repressiven Drucks der Behörden weichen Bands und Konzertveranstalter nach den Erkenntnissen von Polizei und Verfassungsschutz aber zunehmend in benachbarte Bundesländer aus.

Probleme der Szene

Die Neonazis kämpfen damit, dass sie keine geeignete Immobilie für legale Konzerte haben. Ein zentraler Veranstaltungsort war früher das Gehöft eines Neonazis in Finowfurt, dort schreiten Polizei und Ordnungsamt aber konsequent ein - mit Auflagen und Verboten. Allein 2016 verhinderten sie auf dem Gelände von Klaus Mann, Ex-Landeschef der Neonazi-Partei „Die Rechte“ und letzter Landeschef der DVU, vier Konzerte. Aus Sicht der Sicherheitsbehörden wird das Gelände vermutlich nur noch in Einzelfällen für Konzerte oder rechte Versammlungen genutzt werden. Die anderen Orte, wo rechte Konzerte verhindert werden konnten, sind Cottbus, Lübben, Halbe, Wandlitz, Falkenberg, Letschin und Seddin. 

Neuer Hotspot im Süden

Im Visier hat der Verfassungsschutz nun einen anderen Ort: In Lindenau (Oberspreewald-Lausitz) bei Ortrand im Landessüden gibt es eine frühere Gaststätte mit großer Scheune. Ein den Behörden bekannter Neonazi, der gut in der rechten Musikszene vernetzt ist, hat alles bei einer Zwangsversteigerung gekauft. Der Verfassungsschutz warnt davor, dass sich Lindenau zu einem bundesweiten Hotspot rechtsextremer Konzerte entwickeln könnte – wie das sächsische Staupitz. Laut Bundesinnenministerium fanden in dem 250-Einwohner-Dorf bei Torgau bundesweit mit die meisten Rechtsrockkonzerte statt. In Deutschland hat sich die Zahl der Rechtsrock-Konzerte von 2014 auf 2016 verdoppelt. 

Neonazi-Bands in Brandenburg

2016 hat der Verfassungsschutz 22 aktive rechtsextremistische Bands erfasst und beobachtet. Dazu zählen Gruppen wie ​"Aryan Brotherhood", "Handstreich" (zuvor als Glaskammer bekannt), "Burn down", "Treueschwur" und "Uwocaust und  RAConquista" aus Potsdam und dem Umland, "​Blutflagge", "Mogon", "Projekt 8.8", "Wolfskraft" sowie "Frontfeuer" aus Beeskow, "Confident of Victory" aus Senftenberg oder "Frontalkraft" und "Hausmannskost" aus Cottbus. Auch neue Bands hat der Verfassungsschutz in seiner Liste erfasst, darunter "Feuer Frei" oder "Exempel", die zuvor als "Klänge des Blutes" im Bereich Barnim aktiv war, ebenso die Band "Tätervolks Stimme und die Söhne Potsdam". Weitere Bands heißen - typisch rechtsextrem - "Jungvolk", "Outlaw", "Tätervolk" oder "Volkstroi". 

Rechtsextreme Liedermacher 

Daneben haben die Sicherheitsbehörden 2016 Aktivitäten von 16 rechtsextremen Liedermachern registriert. Darunter sind "Martin" aus Potsdam, "Toitonicus", auch als "Preussen.Wut" oder "Thomas" bekannt, aus Rathenow. Dann "Son of the Wind" aus dem Barnim, der sich vormals "Recht auf Wahrheit" (R.a.W.) nannte und mit dem Berliner Liedermacher "Villian 051" und als Trio mit "Evil Goat" aus Oberhavel unter dem Namen "A3Stus" auftritt. Hinzu kommen "Sten" und "AK-Solingen" aus Cottbus, "Björn Brusak" aus Frankfurt (Oder), "Preußen Standarte" ohne regionale Zuordnung, "Griffin" aus Oder-Spree, "Brenner" aus Spree-Neiße" sowie "Mike" und die Liedermacherin "Morgenröte" aus Ostprignitz-Ruppin. Einige Neonazi-Liedermacher sind neu registriert worden, etwa "Fylgien", den es aus Berlin in die Uckermark zog, das Duo "Heimattreue" aus Brandenburg und Sachsen-Anhalt sowie "Marci" aus Märkisch-Oderland. 

Tonträger mit rechten Brandenburger Bands

Insgesamt elf Tonträger - meist als CD, nur einmal als Download im Internet - haben Neonazi-Bands aus Brandenburg veröffentlicht oder waren daran beteiligt. Die Titel der CDs sprechen für sich, wie "Auf in die Schlacht" von „Hausmannskost“, "Uns leite einzig Blut und Treue“ von „Uwocaust und RAConquista“, „Untergrund marschiert / Der 4. Streich“ von „Preußen Standarte“ oder „Kein Nationalstolz ist auch keine Lösung" von „Handstreich“ und anderen. 


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Am Samstag will der Teltower Rechtsrocker Sacha Korn ein Konzert in Bornstedt veranstalten und einen Teil der Eintrittsgelder auf ein Spendenkonto der Bandidos leiten. Chancen für ein Verbot sieht die Stadt Potsdam nicht, die Polizei ist alarmiert.

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