14.12.2017, 4°C
Themenschwerpunkt:

Flughafen

  • 18.04.2017
  • von Burkhard Fraune

Flughafen BER: BER-Chef Lütke Daldrup: „Unser Ziel ist 2018“

von Burkhard Fraune

Besser als sein Ruf? Wegen des teilweise katastrophalen Verlaufs am Bau würden viele Fortschritte, die jüngst am Hauptstadtflughafen erreicht worden seien, gar nicht wahrgenommen, meint der neue Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup. Foto: Patrick Pleul/dpa

Der neue BER-Chef Engelbert Lütke Daldrup spricht im Interview über die Außenwirkung des Pannenflughafens, die Frage nach einem neuen Eröffnungstermin und das umstrittene Aus für den Tegeler Airport.

Herr Lütke Daldrup, Ihre Vorgänger haben das Projekt BER hoch eingeordnet. Sie sprachen von nationaler Verantwortung und davon, dass es hier um die Reputation Deutschlands gehe. Wie sehen sie es?

Auf dieses Projekt schauen ganz Viele, nicht nur in Deutschland. In der internationalen Wahrnehmung geht es um deutsche Ingenieurskunst und die Leistung der deutschen Bauwirtschaft bei Großprojekten. Deshalb geht es auch um die internationale Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen.

Das ist ein gewaltiger Anspruch.

Ich bin mir dieser Verantwortung bewusst. Die Flughafengesellschaft wird häufig auf den BER und dessen Fertigstellung reduziert. Das ist und bleibt auch das wichtigste Ziel. Aber gleichzeitig sind wir ein sehr wichtiger Arbeitgeber in der Region. Mit 33 Millionen Fluggästen jährlich und vielen Tausend Arbeitsplätzen sind wir mit den Standorten Tegel und Schönefeld der drittgrößte Flughafen in Deutschland. Wir sind also ein enorm wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Region und eine Jobmaschine. Es geht deshalb auch um die Verantwortung für die ganze Region.

Von außen wirkt es, als hätten die Baufirmen wenig Interesse daran, dass der BER fertig wird. Sie verdienen ja ganz gut.

Bei dem teilweise katastrophalen Verlauf am Bau in der Vergangenheit ist verständlicherweise in den Hintergrund geraten, dass wir trotz alledem große Schritte vorangekommen sind. Wir haben es geschafft, eine Brandschutzanlage komplett umzubauen, wir haben 850 Räume neu an die Entrauchung angeschlossen, wir haben die Zahl der Sprinklerköpfe verdoppelt, wir haben die gesamten Kabeltrassen saniert. Wir haben den Flughafen zum ersten Mal seit dem Desaster von 2012 in einem baurechtlich genehmigtem Zustand. Das wird, bei aller berechtigten Kritik, leider oftmals übersehen. In vielen Bereichen werden jetzt Schritt für Schritt die Mängel beseitigt. Sachverständige begehen die Baustelle, das ist viel Arbeit, die man nicht auf den ersten Blick sieht. Diesen Prozess werden wir im Wesentlichen in diesem Jahr abschließen.

In der „Endkurve“ ist das Projekt schon sehr lange. Doch es kamen immer wieder neue Probleme. Was macht Sie so sicher?

Als 2014 der Eröffnungstermin 2017 genannt wurde, hat man den Umfang der noch anstehenden Arbeiten unterschätzt. Es hat dadurch ein Jahr länger gedauert, die Baugenehmigung zu erhalten. Erst jetzt sind wir in der Phase, wo wir mit den Planungen fast komplett fertig sind.

Ihr Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider meint, neue Rückschläge seien so sicher wie das Amen in der Kirche.

Wir sind beide Realisten. Deshalb werden wir in den neuen Terminplan, den wir im Sommer fertig haben wollen, Puffer einbauen, um mit möglichen Risiken umgehen zu können.

Das spricht aber doch eher für eine Inbetriebnahme 2019, oder?

Unser Ziel ist 2018.

Weil sonst der Kostenrahmen von 6,5 Milliarden Euro gesprengt wird?

Wir haben von den Gesellschaftern einen klaren Auftrag bekommen: Wir sollen mit dem beschlossenen Finanzrahmen zurechtkommen. Wir haben im Februar die von der EU genehmigte Finanzierung umgesetzt und der Vertrag mit den Banken ist unterzeichnet. Das gibt uns eine finanzielle Grundlage bis 2020. Ab 2021 wollen wir dann finanziell selbstständig sein, weil wir mit dem neuen Flughafen deutlich mehr Erträge als bisher erwirtschaften können. Es ist ausreichend Liquidität vorhanden, um den BER fertig zu bauen.

„Wir planen doch keine Mondlandung“, sagt Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke. Warum dauert es so lang, einen neuen Eröffnungstermin zu nennen?

Ich trage als Flughafenchef die Verantwortung für das Unternehmen. Deshalb will und muss ich solide und verlässlich planen. Auf Sicht zu fahren wäre unverantwortlich in dieser Situation. Keinem ist mit vorschnellen Aussagen geholfen. Das sehen auch der Aufsichtsrat und die Gesellschafter so.

Sie simulieren im Terminal Brand-Szenarien mit sogenannten Heißgasrauchversuchen. War der Umbau der Brandschutzanlage im Hauptterminal erfolgreich?

Bislang verlaufen die Versuche positiv. Im Nordteil sind sie weitgehend abgeschlossen, im Südteil haben wir jetzt angefangen. Im zentralen Bereich stehen sie noch aus.

Sie wissen also noch nicht, ob die Aufteilung der lange unbeherrschbaren Anlage 14 erfolgreich war, dem „Monster“, wie sie mal genannt wurde?

Ich bin zuversichtlich. Die wesentlichen Fragen sind im Genehmigungsverfahren sehr genau geprüft worden.

Die Berliner stimmen im September in einem Volksentscheid ab, ob der Flughafen Tegel wirklich schließen soll, nachdem der BER eröffnet wurde. Wäre es nicht gut für sie, wenn Tegel offen bliebe und sie damit vier statt nur zwei Start- und Landebahnen zur Verfügung hätten?

Mit dem Ergebnis eines Volksentscheids müssen sich zunächst die Gesellschafter befassen. Für den Flughafen ist es wichtig, dass man sich an die Dinge hält, die man verabredet hat. 1996 wurde der Beschluss gefasst, Tegel und Tempelhof zu schließen und dafür den „Single Airport“ BER zu bauen. Das entlastet mehr als 100 000 Menschen von Fluglärm. Das hat auch das Bundesverwaltungsgericht zu der Entscheidung bewogen, dass der Planfeststellungsbeschluss rechtsgültig ist. Eine Doppelstruktur von Tegel und BER wäre sehr teuer. Außerdem ist die Konzentration des Luftverkehrs auf einen Flughafen aus wirtschaftlichen Gründen notwendig, damit sich Umsteigeverbindungen entwickeln können und neue Langstreckenverbindungen hinzukommen.

Aber heute fliegen drei Mal so viele Passagiere von und nach Berlin als 1996.

Umso mehr spricht für einen zentralen Flughafen mit ausreichenden Kapazitäten. Auf den bestehenden zwei Start- und Landebahnen des BER können 60 Millionen Passagiere fliegen. Heute haben wir 33 Millionen. Das Landebahnsystem reicht also völlig aus. Aber es gibt Entwicklungsbedarf an anderer Stelle. Mit dem Terminal T1-E machen wir einen ersten Erweiterungsschritt. Die weiteren Schritte definieren wir in diesem Jahr in einem Masterplan.

Auf Ihrer Kaffeetasse steht noch der alte BER-Slogan „Willkommen auf dem modernsten Flughafen Europas“. Wird er das nach all den Verzögerungen noch sein?

Der BER wird ein funktionierender, attraktiver und moderner Flughafen sein. Wir alle wollen einen soliden Flughafen, an dem endlich geflogen wird.

Das Interview führte Burkhard Fraune

ZUR PERSON: Engelbert Lütke Daldrup (60) ist seit März Chef der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH. Zuletzt hatte er als Staatssekretär im Roten Rathaus die Berliner Flughafenpolitik koordiniert.

Social Media

Umfrage

Soll die Biosphäre abgerissen werden, wie es die Grünen-Fraktion im Stadtparlament nun fordert? Stimmen Sie ab!