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  • 28.02.2017
  • von Alexander Fröhlich und Christine Fratzke
Update

Großmutter und zwei Polizisten in Brandenburg getötet: Innenminister Schröter: "Der schwerste Vorfall in der Geschichte der Polizei unseres Landes seit 1990"

von Alexander Fröhlich und Christine Fratzke

Polizeifahrzeuge sperren die B87 zwischen Oegeln und Beeskow (Brandenburg) ab. Hier wurden bei der Flucht von einem Tatort zwei Polizisten überfahren und getötet. Foto: P. Pleul/dpa

Ein 24-jähriger Mann soll seine Oma in Müllrose getötet haben. Als die Polizei ihre Leiche fand, ergriff der junge Mann die Flucht - und tötete dabei zwei Polizisten. Er wurde festgenommen.

Müllrose/Potsdam - Ein 24-Jähriger hat am Dienstagmittag im brandenburgischen Müllrose bei Frankfurt (Oder) zwei Polizisten überfahren und dabei getötet. Der Mann steht im Verdacht, seine 79 Jahre alte Großmutter ermordet zu haben. Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) sprach vom „schwersten derartigen Vorfall in der Geschichte der Polizei unseres Landes seit 1990“. Die Polizei war am Morgen alarmiert worden, weil der Mann unter Drogen mit dem Auto seiner Großmutter losgefahren sein soll. Als die Beamten die Leiche der Großmutter am Vormittag im Bad ihres Hauses fand, leitete die Polizei sofort eine Großfahndung ein. "Alles deutete auf ein Tötungsverbrechen hin", sagte Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke auf einer Pressekonferenz in Potsdam am späten Nachmittag. Es soll einen Streit zwischen dem 24-Jährigen und seiner Großmutter gegeben haben, sagten Zeugen. Worum es in dem Streit ging, könne derzeit aber noch nicht gesagt werden.

Es habe Hinweise gegeben, dass sich der junge Mann nach Bayern absetzen wollte, erklärte Mörke. Ein Polizeihubschrauber entdeckte den Wagen, mehrere Einheiten errichteten dann Straßensperren.

"Beide Kollegen waren sofort tot"

An einer Straßensperre bei Oegeln nahe Beeskow habe der Mann dann die beiden Beamten überfahren. Die Polizisten hatten versucht, den Wagen mit einem Nagelbrett zu stoppen. Der 24-Jährige raste jedoch auf den Fahrradweg neben der Straße und überrollte die beiden Beamten."Er hat mit hoher Geschwindigkeit raufgehalten, beide Kollegen waren sofort tot", sagte Mörke.

Hundert Meter weiter verließ der Mann den Wagen, rannte in ein Dorf und stahl dort ein neues Auto. Auf einem Feldweg in Oegeln bei Beeskow soll sich sein Wagen überschlagen haben, er landete im Schilf. Dann konnte ihn die Polizei festnehmen. Auf seiner Flucht baute der 24-Jährige mindestens drei Unfälle, bei denen mehrere Fahrzeuge beschädigt wurden. Weitere Personen wurden nach derzeitigen Erkenntnissen nicht verletzt. Wegen seiner Verletzungen musste der Tatverdächtige ärztlich behandelt werden. Er sei derzeit nicht vernehmungsfähig, sagte Mörke.

Der Tatverdächtige wurde wegen mehrerer Delikte bereits verurteilt

Der 24-Jährige ist nach PNN-Informationen Drogenkonsument, bei der Polizei wird er im Bereich „Betäubungsmittel“ geführt. Laut Staatsanwaltschaft wurde er bereits mehrfach verurteilt. Den Behörden ist er wegen Bedrohung, Körperverletzung, Diebstahl und Fahren ohne Führerschein bekannt. Die Polizei prüft nun, ob sich der Mann bei seiner Großmutter Geld besorgen wollte. Die Frau soll durch Schnittverletzungen am Hals tödlich verletzt worden sein.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD), der selbst mehrere Jahre Innenminister in Brandenburg und damit zuständig für die Polizei war, erfuhr mitten in der Kabinettssitzung von dem Tod der beiden Polizisten. „Der Tod der zwei Polizisten hat mich schwer getroffen“, sagte Woidke in Potsdam. Innenminister Schröter sagte, seit 1990 seien in Brandenburg nun drei Beamte im Dienst getötet worden. Der letzte Fall liegt 22 Jahre zurück: In Potsdam hatte ein Flüchtiger 1995 den Polizisten Martin Heinze durch einen Messerstich ins Herz getötet. Schröter ordnete als Zeichen „der Anteilnahme und Trauer des gesamten Landes“ Trauerbeflaggung an und sagte: „Die brutale Gewalttat ist unbegreiflich und lässt mich fassungslos zurück.“ Auch die Brandenburger Polizeifahrzeuge werden Trauerflor tragen.

Schröter sagte, er werde alles in seiner Macht stehende tun, um den Hinterbliebenen Hilfe zu leisten. Die beiden 49 und 52 Jahre alten Beamten, die seit Anfang der 1990er-Jahre im Dienst sind, hinterlassen jeweils eine Frau und drei Kinder.

 

Die Pressekonferenz zum Nachschauen:

 

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