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Themenschwerpunkt:

Rechtsextremismus

  • 24.11.2016
  • von Klaus Peters
Update

Prozess um Nauener Neonazi-Zelle: Geständnis: Brandanschlag auf geplante Asylunterkunft war sorgfältig geplant

von Klaus Peters

Mehrere Nauener Neonazis müssen sich vor dem Potsdamer Gericht für eine Reihe von Straftaten verantworten. Anstifter soll NPD-Politiker Maik Schneider (rechts) sein. Foto: R. Hirschberger/dpa

Drei der sechs Angeklagten legten ein Geständnis ab und stellten dar, wie sorgfältig sie den Brandanschlag auf eine geplante Asylunterkunft in Nauen geplant haben. Der NPD-Politiker Maik Schneider soll sie dazu angestiftet haben.

Nauen/Potsdam - Im Prozess um den Brandanschlag auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft in Nauen (Havelland) haben drei Angeklagte ausführliche Geständnisse abgelegt. Demnach wurde das Niederbrennen der Sporthalle über Wochen sorgfältig geplant. Als Anstifter nannten zwei Angeklagte zum Auftakt des Prozesses am Donnerstag den NPD-Politiker Maik Schneider, der in dem Verfahren als Rädelsführer einer kriminellen Vereinigung angeklagt ist. Bei dem Anschlag im August 2015 wurde die Halle völlig zerstört. Verletzt wurde niemand.

Die Anklage wirft den sechs angeklagten Neonazis auch noch weitere Brand- und Sprengstoff-Anschläge vor. So soll einer der Männer an einer Baustelle für eine Flüchtlings-Notunterkunft ein Dixi-Klo in Brand gesetzt haben. Ein weiterer Angeklagter soll vor einem Supermarkt eine Zylinderbombe gezündet haben.

NPD-Mann Schneider soll Idee für Brandanschlag gehabt haben

Ein 33-jähriger Wachmann schilderte in einer von seinem Anwalt verlesenen Erklärung, wie er in der Nacht zum 25. August 2015 gemeinsam mit Mitangeklagten Fässer mit Öl und Benzin sowie eine Propangasflasche vor die Sporthalle geschafft habe. Zudem seien Autoreifen und Paletten vor dem Eingang gestapelt worden, um den Brand zu entfachen. Alle Anweisungen habe Schneider gegeben, sagte der 33-Jährige. Er selbst will beim Zünden des Brandsatzes nicht mehr dabei gewesen sein.

Auch ein weiterer Angeklagter erklärte, Schneider habe die Idee zu dem Anschlag gehabt und die Vorbereitungen gesteuert. Am Abend vor dem Brandanschlag habe er beobachtet, wie Schneider und weitere Angeklagte Reifen in einen Transporter geladen hätten. "Bei den Reifen war mir definitiv klar, dass sie zum Anzünden der Halle genutzt werden sollen", sagte der 32-Jährige. Schneider habe ihn dann angewiesen, bei Autofahrten durch die Stadt die Augen offen zu halten, ob Polizei unterwegs sei.

Angeklagter dachte: "Krass, wie das brennt"

Daher habe er in der Nacht mehrere Fahrten durch die Stadt unternommen, sagte der Angeklagte. Schließlich habe er aus der Ferne die Flammen aus der Sporthalle lodern sehen. "Ich dachte: Krass, wie das brennt."

Ein dritter Angeklagter sagte aus, er habe bei dem Anschlag lediglich auf einem Parkplatz Schmiere gestanden. Eigentlich sei die Tat bereits zwei bis drei Wochen früher geplant gewesen, sagte der 27-Jährige. "Aber da hatten wir dann nicht den Arsch in der Hose dafür", sagte er. Schneider habe ihn dafür als "Feigling" beschimpft. Er räumte aber ein, das Dixi-Klo mit Spiritus in Brand gesetzt zu haben. Dies sei eine spontane Tat "im Suff" gewesen, erklärte der 27-Jährige.

Maik Schneider will ebenfalls aussagen

Auch Schneider kündigte im Prozess eine Erklärung an. Diese will der Vorsitzende Richter zu einem späteren Zeitpunkt hören. Der Prozess findet unter hohen Sicherheitsvorkehrungen statt. Wegen der Personenkontrollen kam es mehrfach zu Verzögerungen. Für das Verfahren sind bis Ende Januar elf Verhandlungstage geplant. (dpa)

 

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