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Braunkohle

  • 22.11.2016
  • von Martina Herzog und Thomas Bremser

Klimakonferenz in Marrakesch: Hans Joachim Schellnhuber: „Das ist ein Wendepunkt der Geschichte“

von Martina Herzog und Thomas Bremser

Foto: dpa

Inwiefern ist die Weltgemeinschaft in zwei Konferenzwochen in Marrakesch weitergekommen beim Klimaschutz?

Die Konferenz war ein bisschen als eine Jubelfeier gedacht für das Paris- Abkommen und sein schnelles Inkrafttreten. Das ist beispiellos für einen internationalen Vertrag dieser Tragweite. Deshalb wollte man sichgegenseitig auf die Schultern klopfen.

Das Ergebnis ist ein psychologisches?

Ja, ich denke schon, weil es Verunsicherung gibt. Das ist übrigens bei jeder Klimakonferenz so. Zuerst mal versucht man, ein bisschen zu erkunden, wie die Stimmungen sind. Das war diesmal noch wichtiger, weil man sich gegenseitig in die Augen schaut und fragt: Meinst du noch das, was du in Paris gesagt hat? Es kam aber ganz überwältigend die Antwort: Ja, Paris ist gesetzt. Das ist ein Wendepunkt der Geschichte.

Der Pariser Weltklimavertrag wurde bejubelt. Hält der Schwung an?

Deutschland hat zum Glück noch einen Klimaschutzplan vorgelegt. Zunächst muss man das, was in Paris vereinbart wurde, umsetzen. Das ist auch eine Finanzfrage. Wenn die USA als Geldgeber ausfallen sollten, dann müssen andere die Lücke schließen. Um Finanzen wird immer heftig gestritten, aber am Ende ist man sich einig, wohin die Reise gehen muss.

Wie geht es weiter?

Ganz klar: Jetzt muss man sehen, wie die nationalen Pläne wirklich umgesetzt werden. Man wird sich ja gegenseitig, auch das ist in Paris vereinbart worden, über die Schulter schauen dürfen, um 2018 möglicherweise noch mal eine Schippe drauf zu legen.

Genügt das?

Aus Sicht der Wissenschaft bringen es die nationalen Verpflichtungen bisher nicht. Wir sind auf einem Kurs von mindestens drei Grad Erwärmung noch in diesem Jahrhundert und sechs Grad Erwärmung längerfristig. Was das Ende der Zivilisation wäre, wie wir sie kennen. Alle Volkswirtschaften der Welt müssen bis 2050 ohne fossile Brennstoffe auskommen und keine Wälder verbrennen, Moore trocken legen und dergleichen. Eine gewaltige Herausforderung.

Welche Auswirkungen drohen in 20 Jahren, was ist noch aufzuhalten?

Es ist nur noch das Schlimmste zu vermeiden. Bestimmte Dinge sind im System eingepreist, dass der Meeresspiegel noch weiter steigen wird. Das Wetter wird extremer werden. Vieles spüren wir schon, zum Beispiel die Einwanderung von exotischen Arten in unsere Ökosysteme. Aber bei 1,5 bis zwei Grad Erwärmung würde man die ganz großen Unfälle für unsere Breiten vermeiden. Auch wenn zwei Grad wahrscheinlich das Todesurteil für eine Reihe von Inselstaaten ist.

 

Das Interview führten Martina Herzog und Thomas Bremser (dpa)

ZUR PERSON: Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und Co-Chef des Klima-Beirats der Bundesregierung.

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