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  • 12.10.2016
  • von Thorsten Metzner

Abitur in Brandenburg: Brandenburg muss Abiturstufe umkrempeln

von Thorsten Metzner

Nach dem neuen Kultusministerkonferenz-Rahmen sollen die Abiturienten zwei bis vier Leistungskurse belegen. In Brandenburg sind es derzeit fünf. Foto: dpa

Die neuen Abitur-Vorgaben der Kultusministerkonferenz widersprechen dem Kurssystem an den Gymnasien in Brandenburg. Jetzt muss die umstrittene Abitur-Reform des Landes wieder korrigiert werden.

Potsdam - Die umstrittene Abitur-Reform im Land Brandenburg muss teilweise wieder korrigiert werden. Das ist die Konsequenz aus einem aktuellen Beschluss der Kultusministerkonferenz (KMK) zur bundesweiten Vergleichbarkeit von Abitur-Ergebnissen vom Juni 2016, den die Bundesländer nun bis 2019 umsetzen müssen. Infolge des KMK-Beschlusses, der mit der Stimme Brandenburgs gefasst wurde, werden die Anforderungen an die Gymnasiale Oberstufe im Land „modifiziert“ werden, bestätigte Ralph Kopsch, neuer Sprecher des Bildungsministeriums den PNN.

Welche Veränderungen genau vorgenommen werden, das wird nun geprüft. Das sei noch nicht spruchreif, sagte Imma Hillerich, die die Schulaufsicht im Bildungsministerium für die Gymnasien und die Abiturausbildung im Land leitet. „Eine Möglichkeit wäre, es wieder mit Berlin zu synchronisieren“, sagte Hillerich. Die wichtigste und brisanteste Vorgabe des neuen KMK–Beschlusses betrifft nämlich die Zahl der Leistungskurse, die die Abiturienten belegen müssen, um die Hochschulreife erlagen zu können.

Fünf Leistungskurse in Brandenburg - es sollen aber nur zwei bis vier sein

Nach dem neuen KMK-Rahmen für die 16 Bundesländer sollen es künftig zwei bis vier Leistungskurse sein, so Hillerich. „In Brandenburg sind es bisher fünf“, so Hillerich. Und genau diese fünf Pflicht-Leistungskurse sind ein Ergebnis der umstrittenen Reform der gymnasialen Oberstufe im Land Brandenburg aus dem Jahr 2009, seit der in der Hauptstadtregion das Unterrichtspensum und das Kurssystem an den Gymnasien in Berlin und Brandenburg wieder unterschiedlich sind - trotz der oft propagierten gemeinsamen Bildungsregion. Vor der Reform waren in Brandenburg zwei Leistungskurse vorgeschrieben, so wie es auch in Berlin Voraussetzung für das Abitur blieb. Zugleich hatte Brandenburg damals das Pensum seiner Leistungskurse von fünf auf vier Wochenstunden und das der Grundkurse von drei auf zwei Wochenstunden reduziert. Begründet wurde es damals damit, nur so an Gymnasien auf dem flachen Land trotz sinkender Schülerzahlen weiter Fächervielfalt sichern zu können.

Die Folge war eine Kettenreaktion: Da Brandenburgs Abiturienten weniger Unterricht hatten, aber zunächst in vier Fächern trotzdem die gleichen Zentralen Abiturprüfungen wie die Berliner ablegen mussten, gab es massive Proteste von Schülern und Eltern. Prompt verkündete danach, das war 2013, die damalige Bildungsministerin Martina Münch (SPD) – heute Wissenschaftsministerin im Land – den Ausstieg Brandenburgs aus dem erst 2010 eingeführten gemeinsamen Zentralabitur mit Berlin. Seitdem sind in den Fächern Mathematik, Deutsch, Englisch und Französisch die Prüfungsaufgaben in beiden Bundesländern zwar teilweise, aber nicht mehr ganz identisch.

Trotz weniger Unterricht machen Brandenburger besseres Abi als Berliner

Befürchtungen vor schlechteren Abiturnoten der Brandenburger infolge der GOST-Reform hatten sich allerdings ohnehin nicht bestätigt. Trotz weniger Unterricht hatten die Brandenburger bei den zentralen Abi-Prüfungen bis 2013 trotz gleicher Aufgaben nicht schlechter abgeschnitten – und seit dem Ausstieg aus dem Zentralabitur erst recht nicht mehr. Für 2016 gibt es noch keine Vergleichszahlen. Insgesamt lag der Abischnitt der Brandenburger Gymnasiasten 2016 bei der Note 2,3 – in Berlin bei 2,4.

Für Landeselternsprecher Wolfgang Seelbach ist das Debakel um die Oberstufenreform „ein besonders krasses Beispiel für die fehlende Zusammenarbeit der Länder“. Er forderte als Konsequenz aus dem KMK-Beschluss „wieder eine Rückkehr zu einer mit Berlin vergleichbaren Oberstufe“ – und zwar „mit gleichen Abi-Bedingungen in Berlin und Brandenburg“, mit derselben Anzahl von Leistungskursen und derselben Anzahl von Unterrichtsstunden für Abi-Fächer. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Brandenburgs wiederum warnt vor neuen Schnellschüssen. „Wenn man bundesweite Vergleichbarkeit des Abiturs will“, sagt Landeschef Günther Fuchs, „dann muss man erst einmal bundesweit vergleichbare Rahmenbedingungen schaffen.“

 

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Wir widmeten den etwa 1000 Abiturienten in Potsdam, Werder, Teltow, Kleinmachnow und Beelitz eine Extra-Beilage in den PNN. Hier gibt es die Abi-Beilage 2016 mit den Namen aller Absolventen als PDF >>

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