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Themenschwerpunkt:

Rechtsextremismus

  • 17.03.2016
  • von René Garzke

Reifen von Mikado-Bus zerstochen: Wieder Anschlag in Nauen

von René Garzke

Zwei Reifen sind zerstochen worden. Foto: Raimond Heydt

UPDATE In der Nacht zu Mittwoch hat es in Nauen offenbar einen erneuten Anschlag gegen Flüchtlingsunterstützer gegeben. Ziel der Attacke war der zivilgesellschaftlich aktive Jugendverein "Mikado". Nun ermittelt der Staatsschutz.

Nachdem kürzlich im brandenburgischen Nauen eine Neonazi-Zelle ausgehoben wurde, hat es in der Nacht zu Mittwoch offenbar einen erneuten Anschlag gegen Flüchtlingsunterstützer gegeben. Wieder wurde der zivilgesellschaftlich aktive Jugendverein „Mikado“ zur Zielscheibe. In der Nacht zu Mittwoch wurden einer Polizeisprecherin zufolge zwei Reifen eines Vereinswagens zerstochen. Der havelländische Piratenpolitiker Raimond Heydt sagte, an den Reifen seien „Einstiche eines Messers“ erkennbar. Die Polizeisprecherin sagte: "Wir gehen sehr sensibel mit der Sache um." Über die Hintergründe der Tat sei noch nichts bekannt, hieß es von der Polizei. Gleichwohl habe der Staatsschutz die Ermittlungen wegen Sachbeschädigung übernommen.

Die Beschädigung an dem Fahrzeug sei am Mittwoch bereits um 11.30 Uhr festgestellt, der Polizei aber erst gegen 17 Uhr gemeldet worden, sagte die Sprecherin. Ein Drohschreiben wie im April 2015 sei diesmal aber nicht gefunden worden. Auch damals hatte es einen Anschlag auf ein Auto des Mikado e.V. gegeben. Es wurden alle vier Reifen des Fahrzeugs zerstochen, auf dem Drohbrief der Täter stand: „Liebe Asylantenfreunde, Tröglitz ist auch hier! Bis bald!“ Einen Tag zuvor war der Wagen bei einer Demonstration gegen Asylgegner eingesetzt worden. Anmelder war der Nauener NPD-Politiker Maik Schneider, der als Kopf der ausgehobenen Neonazi-Zelle gilt. Seit der Razzia Anfang März sitzt er in Untersuchungshaft. 

Die Stimmung ist äußerst angespannt

Dem rechtsextremistischen Zusammenschluss rechnen die Ermittler „etwa fünf“ Personen zu – es könnten auch mehr oder weniger sein. Der Zelle werden eine ganze Reihe von Anschlägen vorgeworfen, sie wird für mindestens sieben Straftaten verantwortlich gemacht. Darunter auch der Anschlag eine Nauener Sporthalle im August 2015, die temporär als Notunterkunft für Asylbewerber genutzt werden sollte. Außerdem geht es um einen Discounter, Attacken auf ein Büro der Linkspartei, die Stürmung der Stadtverordnetenversammlung, die über Asylunterkünfte beriet, und einen Brandanschlag auf das Auto eines Polen.

Seitdem die Ermittlungen wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung bekannt wurden, ist die Stimmung in der 17000-Einwohner-Stadt äußerst angespannt. Vor einer Woche etwa wurde eine angerußte Holzleiste auf dem Gelände einer neu errichteten Traglufthalle für Flüchtlinge gefunden. Deutschlandweit machte die Horrornachricht eines erneuten Anschlags in Nauen die Runde. Die Nachricht aber entpuppte sich als Falschmeldung: Es stellte sich heraus, dass die Holzleiste von einer Spanplatte stammte. Baugleiche Spanplatten würden derzeit von Arbeitern als Fußboden in der Traglufthalle verlegt und dort in Form geschnitten. 

 

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