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Themenschwerpunkt:

Rechtsextremismus

  • 05.01.2016
  • von Sören Kohlhuber

Hooligans in Brandenburg: Kategorie C

von Sören Kohlhuber

Beim Spiel BFC Dynamo gegen den SV Babelsberg 03 im Oktober zeigt mindestens ein BFC-Fan nach Spielabpfiff den Hitlergruß. Foto: Michael Eulenbrink

Mehr gewaltbereite Hooligans in Cottbus, weniger in Babelsberg: Doch wie stark die Szene mit Neonazis verstrickt ist, dazu hat das Innenministerium Brandenburg noch immer keine Zahlen.

Potsdam - Es ist weiter dürftig, was die Brandenburger Polizei an Erkenntnissen zur Verstrickung der Hooligan-Szene mit Neonazis und dem Rockermilieu gesammelt hat. Nur wenn einzelne Personen durch Straftaten auffallen, wird offenbar, wie stark die Szenen miteinander verbunden sind. Trotz massiver Kritik hat sich daran seit einem Jahr nichts geändert.

Die Antwort des Innenministeriums auf eine parlamentarische Anfrage der Landtagsabgeordnete Andrea Johlige (Linke) zu den personellen Verquickungen von Hooligans, Neonazis und Rockern blieb jedenfalls vage. Bereits Ende 2014 hatte der Innenexperte der CDU-Landtagsfraktion, Björn Lakenmacher, genau danach gefragt. Der CDU-Politiker hatte damals erklärt, „dass die Landesregierung von Hooligans und deren Verbindungen zu anderen Szenen in Brandenburg entweder nichts weiß oder fahrlässig die Augen verschließt“.

Verbindungen zwischen Fußballfans, Rockern und Neonazi-Szene

Das Innenministerium konnte damals keine genauen Zahlen nennen, wie viele Hooligans der rechtsextremen Szene angehören, und verwies auf die Jahresberichte des Verfassungsschutzes. Und es verteidigte sich, man habe sehr wohl „vor allem in Südbrandenburg Verbindungen zwischen gewaltbereiten Fußballfans, Rockern, der Neonazi- und Kampfsport-Szene seit Jahren auf dem Radar“.

Doch auch in der jüngsten Anfrage von Andrea Johlige bleibt weitgehend unbeantwortet, wie groß der Personenkreis und damit das Gefahrenpotenzial denn nun ist. Der Grund: Hooligans und Anhänger der rechtsextremen Szene werden in getrennten Datenbanken für „Gewalttäter Sport“ und „Politisch motivierte Kriminalität“ erfasst. Ein verdachtsunabhängiger regelmäßiger Datenabgleich erfolge wegen der rechtlichen Hürden nicht. Die gewaltbereite Fußballszene sei nur bei begründeten Anhaltspunkten Gegenstand von Polizeimaßnahmen gegen politisch motivierte Kriminalität.

Keine länderübergreifende Fanzugehörigkeit geprüft

Für Brandenburg konzentrieren sich die Angaben in der Datenbank „Gewalttäter Sport“ hauptsächlich auf die in Brandenburg ansässigen Vereine SV Babelsberg 03 und FC Energie Cottbus. Eine länderübergreifende Fanzugehörigkeit wird in Brandenburg nicht erfasst – anders als beim Nachbarn Berlin, wo sogar Sportarten übergreifend und international die Gewalt von Fans betrachtet werden.

Den Angaben zufolge ist die gewaltbereite Hooligan-Szene im Süden Brandenburgs gewachsen und in Babelsberg geschrumpft. Im Jahr 2015 waren beim Drittligisten FC Energie Cottbus 155 Personen in der Kategorie B registriert, sie werden also als gewaltbereit eingestuft. Das sind fünf mehr als im Vorjahr. 60 Personen sind als gewaltsuchend und damit in der Kategorie C erfasst. Das ist eine Zunahme um zehn Personen. Die 60 Energie-Fans aus der Kategorie C sind allgemeinhin dem rechten Spektrum zuzuordnen. Beim eher linken Anhang des Viertligisten SV Babelsberg 03 sind laut Innenministerium 60 Personen in der Kategorie B registriert, 25 weniger als im Vorjahr. Die Zahl der in der Kategorie C erfassten SVB-Anhänger stieg um zwei auf 17 Personen.

Brandenburger bei HoGeSa-Demonstration

Gab es im vergangenen Jahr noch keine Erkenntnisse von brandenburgischen Hooligans, die bundesweit bei Netzwerken auftraten, konnten die Ermittlungsbehörden diesmal Treffer vermelden. Bei den Ausschreitungen der ersten Demonstration der „Hooligans gegen Salafisten“ (HoGeSa) in Köln am 26. Oktober 2014 fielen auch zwei Brandenburger auf. Einer von ihnen ist laut Innenministerium Anhänger des Berliner Bundesligisten Hertha BSC.

Auch bei einer HoGeSa-Demonstration im November in Berlin fielen drei Hooligans aus Brandenburg auf. Diesmal gehörte mindestens einer zum Anhang des 1.FC Union Berlin. Alle drei waren in der Vergangenheit bereits mit rechten Straftaten aufgefallen.

Hitlergrüße und antisemitische Fangesänge

Auch in den Brandenburger Stadien wurden rechte Straftaten festgestellt. Insgesamt sechs Fälle gab es in der Spielsaison 2014/15, darunter dreimal das Zeigen des verbotenen Hitlergrußes, zweimal rechte Parolen und einmal eine Beleidigung gegenüber eingesetzten Polizeibeamten.

Gewaltdelikte wurden nicht registriert, ebenso keine rechte Straftaten in der laufenden Saison. Kurz bevor das Innenministeriums die Anfrage beantwortete, gab es jedoch bei einem Spiel des SV Babelsberg 03 gegen den BFC Dynamo mehrere Vorfälle: Hitlergrüße und antisemitische Fangesänge der Fans aus Berlin.

Verbindungen von Hooligans ins Rockermilieu sind besonders in Südbrandenburg zu beobachten. Höhepunkt war im Frühjahr 2013 ein blutiger kurzer Krieg zwischen „Hells Angels“ und Teilen der Kampfsport- und Hooliganszene von Cottbus. Ein ranghohes Mitglied der „Hells Angels“ wurde mit einem Messer lebensgefährlich verletzt. Die Kampfsportler erhielten fünf bis sechs Jahre Haft. Maßgeblich beteiligt war laut Gericht Markus W., Mitbegründer des „Kickbox-Teams Cottbus“, Deutscher Meister im Kickboxen und ein Bindeglied zwischen Hooligan-Szene und Neonazis in Südbrandenburg. So soll er Mitbegründer der Hooligan-Gruppe „Inferno Cottbus 1999“ und auch Mitglied der 2012 verbotenen „Widerstandsbewegung Südbrandenburg“, auch bekannt als „Spreelichter“, gewesen sein.

Landesweit sind nur sechs Personen registriert, die sowohl im Rockermilieu auftreten und gleichzeitig in der „Datei Gewalttäter Sport“ erfasst sind. Zwei der Rocker stammen von den „Hells Angels“ in Potsdam. Der Rest kommt aus Südbrandenburg, von „Gremium MC“ Spremberg, „Provokateur MC“ Cottbus und den „Red Devils MC Crazy Town“ Cottbus. Bei den Mitgliedern der „Hells Angels“ und der „Red Devils“, einem Supporter-Club der „Hells Angels“, handelt es sich laut Innenministerium um Hooligans des BFC Dynamo, 1.FC Union und 1. FC Magdeburg.

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