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  • 31.12.2015
  • von Steffi Prutean

Das Kloster wird zum Exponat

von Steffi Prutean

Chefin im Kloster. Die Kunsthistorikerin Franziska Siedler (35 Jahre) hat 2010 die Leitung in Chorin übernommen und plant jetzt die neue Dauerausstelllung. Foto: Patrick Pleul/dpa

Eine neue Dauerausstellung soll das Zisterzienserkloster für Besucher noch attraktiver machen. Bei Musikfreunden gehört Chorin bereits zu den ersten Adressen

Chorin - Die kühlen hohen Räume atmen Geschichte. Vor Jahrhunderten wandelten Mönche durch das Kloster Chorin (Barnim), in späteren Jahren standen Kühe und Schweine in dem alten Gemäuer. Die vor allem wegen des Choriner Musiksommers bekannte Anlage soll nun durch eine neue Schau attraktiver werden. „Wir erarbeiten eine neue Dauerausstellung“, sagt Klosterleiterin Franziska Siedler. Im Frühjahr 2017 ist die Eröffnung geplant. Kloster Chorin nordöstlich von Berlin gilt als eines der am besten erhaltenen ehemaligen Zisterzienserklöster in Brandenburg.

Für die geplante Ausstellung werde 2016 zwischen Keller und dem im Erdgeschoss gelegenen Refektorium im Westflügel eine Decke eingezogen, berichtet Roland Schneider vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologischem Landesmuseum Brandenburg. „Unser Ziel ist, im Keller künftig ein Lapidarium einzurichten und die Fundstücke aus Chorin zu zeigen.“ Dabei handele es sich um originale Steine verschiedenster Art. Im Refektorium – dem früheren Speisesaal – sei ein Veranstaltungsraum geplant – zur ganzjährigen Nutzung, aber ohne Heizung.

Teil der Ausstellung sei auch das Kloster selbst als größtes und bedeutendstes Exponat, sagt Siedler. Die Leiterin freut sich über ein Stück originalen Fußboden, das bei Sanierungsarbeiten zum Vorschein kam. Backsteine, in der Choriner Bauhütte produziert, seien auch in anderen Bauwerken in Brandenburg zu finden.

Das Zisterzienserkloster war 1542 aufgelöst worden und blieb danach zunächst ungenutzt. „Das bedeutet, wir haben keine barocke Übermalung, sondern mittelalterliche Putzreste aus dem 16. Jahrhundert“, erklärt die Kunsthistorikerin, die das Kloster seit 2010 leitet. „Das ist etwas sehr Seltenes.“ Gebäude der Anlage verfielen über die Jahre.

1817 setzte sich der preußische Baumeister Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) für den Erhalt des Ensembles ein. Er empfahl, die Anlage als nationales Kulturdenkmal zu sichern. Wie es aus dem Kulturministerium hieß, gilt 2017 als der 200. Jahrestag des Beginns der Denkmalpflege in Chorin.

Denkmalpfleger Schneider erläutert: „Das Konzept der neuen Dauerausstellung sieht vor, die provisorischen Einzelausstellungen abzulösen und eine Ausstellung zum Kloster Chorin und den Zisterziensern zu zeigen.“ Sie werde im sogenannten Cellarium im Westflügel, im Ostflügel und im Brauhaus aufgebaut. Inhaltliche Schwerpunkte seien beispielsweise die Liturgie der Zisterzienser sowie aktuelle Forschungen. Ein Depot zeige zudem verschiedene originale Formsteine.

Auf den ersten Blick gibt die Klosteranlage nicht so viele Informationen her. „Die neue Dauerausstellung ist deshalb so eine Art Ausgangsbasis, die das Kloster verständlicher macht“, betont Klosterleiterin Siedler. Auch ein großes Landschaftsmodell solle aufgebaut werden, mit allen bisher bekannten Gebäuden der Anlage. Diese digitale Rekonstruktion solle die Räume für Besucher erfahrbar machen „ohne große Schautafeln aufzustellen“, betont die 35-Jährige.

Das Kloster Chorin, eingebettet zwischen See, hügeliger Landschaft und märkischen Wäldern, ist ganzjährig geöffnet. „Im Winter bereiten wir die Saison vor“, sagt Siedler. Konzerte, Vorträge, Ausstellungen, Hildegard von Bingen-Tage – zusammen knapp 70 Veranstaltungen für das kommende Jahr. 2015 kamen rund 90 000 Besucher.

Seit 2013 wird das Kloster von der Gemeinde Chorin als Eigenbetrieb betrieben und verwaltet. Die historischen Gebäude sind Eigentum des Landes. Es unterstützt die neue Schau mit 30 000 Euro. 50 000 Euro gibt der Bund noch hinzu. Mit je 10 000 Euro finanzieren die Gemeinde und der Landkreis Barnim das Projekt. Steffi Prutean

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