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  • 12.11.2015
  • von Alexander Fröhlich

Deutsche Lösung für Vattenfall?

von Alexander Fröhlich

Der Essener Konzern Steag soll sich für die Lausitzer Kohle interessieren – die Gewerkschaft mischt mit

Potsdam - Der Energiekonzern Steag mit Sitz in Essen erwägt laut „Handelsblatt“ den Kauf der Lausitzer Braunkohlesparte vom schwedischen Staatskonzern Vattenfall – und im Hintergrund zieht offenbar die Bergbaugewerkschaft IG BCE die Fäden. Dem Bericht zufolge soll sich Steag mit dem Finanzinvestor Macquarie verbündet haben und eine gemeinsame Übernahme des Braunkohlegeschäfts in Brandenburg und Sachsen prüfen. Zu Wochenbeginn seien die kommunalen Eigner informiert worden. Bis Jahresende müsse über ein formelles Angebot entschieden werden. Die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ (WAZ) zitierte einen Insider mit den Worten: „Das schaut sich Steag an.“ Von einer „guten Option“ sei die Rede.

Daneben ist bislang das Interesse dreier anderer Konzerne bekannt: der teilstaatliche CEZ-Konzern, die EPH-Gruppe, zu der der Braunkohleförderer Mibrag gehört, und – wie zu Wochenbeginn bekannt wurde – die Vrsanska uhelna, ein Tochterunternehmen der Czech-Coal-Gruppe des Milliardärs Pavel Tykac.

Wie Handelsblatt und WAZ berichten, sollen die Politik und die Gewerkschaft IG BCE seit Monaten auf eine „deutsche Lösung“ drängen – mit Steag als Betriebsführer und dem Finanzinvestor als Geldgeber. Bundesregierung, Brandenburg und Sachsen würden das begrüßen. Steag fordere aber eine Begrenzung der Risiken für das Kohlegeschäft. Deshalb sei sogar im Gespräch, dass sich Sachsen und Brandenburg an dem neuen Unternehmen beteiligen.

Genau das aber lehnte Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) am Donnerstag auf Anfrage der PNN und ebenso im Wirtschaftsausschuss des Landtags ab. Die Frage einer staatlichen Beteiligung stelle sich nicht. Zwar hätten einzelne Unternehmen Gespräche mit Bundeswirtschaftsministerium und den Ländern gesucht. Und er dementierte, dass Brandenburg ein Engagement von Steag begrüßen würde. Die Landesregierung unterstütze kein besonderes Unternehmen, auch nicht die Steag. Ziel der Landesregierung sei es, dass ein Nachfolge-Unternehmen das Braunkohlegeschäft weiterführt und sich zur Sicherung der Jobs und sozialem Engagement bekenne.

Das hat einen Grund: Schon jetzt herrscht große Unsicherheit, besonders betroffen sind nicht nur die rund 8000 Beschäftigten von Vattenfall in der Lausitz mit ihren Familien. Über Jahre erhielten die Städte und Gemeinden im Lausitzer Revier Millionenbeträge an Gewerbesteuern von Vattenfall. Auch aus der millionenschweren Kultur- und Sportförderung zieht sich der Konzern bereits zurück, betroffen ist schon das Cottbuser Filmfestival. Auch für den Fußball-Drittligisten Energie Cottbus ist fraglich, ob sich der Käufer der Kohlesparte so stark wie Vattenfall bisher finanziell engagiert.

Vattenfall betreibt in Brandenburg und Sachsen fünf Tagebaue und vier Braunkohle-Kraftwerke. Nach Angaben des Unternehmens ist auch in den nächsten Jahren wegen niedriger Strompreise mit „einer ungünstigen Ergebnisentwicklung“ zu rechnen.

Voraussichtlich im ersten Halbjahr soll nach Vattenfall-Angaben ein Käufer feststehen. Vor rund einem Jahr hatte der Staatskonzern seine Verkaufspläne bekannt gemacht. Schweden will, dass sich das Unternehmen stärker auf erneuerbare Energien ausrichtet. Die Lausitz ist das zweitgrößte Braunkohlerevier in Deutschland nach dem Rheinland. Die Länder Brandenburg und Sachsen halten Braunkohle für eine wichtige Brückentechnologie hin zu erneuerbaren Energien und sprechen sich klar für den fossilen Energieträger aus.

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