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  • 29.09.2015
  • von Klaus Peters

Flüchtlinge in Brandenburg: Mehr als 650 Flüchtlinge täglich erwartet

von Klaus Peters

Flüchtlinge kommen am Bahnhof Schönefeld an und werden mit Bussen in die Erstaufnahme-Einrichtungen in Brandenburg verteilt. In Töplitz (Potsdam-Mittelmark) sollen demnächst 70 in einem ehemaligen Erntehelfer-Heim unterkommen. Foto: dpa

250 Flüchtlinge kommen derzeit pro Tag in Brandenburg an, das Land und die Kommunen suchen händeringend nach neuen Unterkünften. In wenigen Tagen werden noch deutlich mehr Neuankömmlinge erwartet.

Schönefeld/Potsdam/Berlin - Wegen des anhaltenden Zustroms von Flüchtlingen müssen die Städte und Gemeinden in Brandenburg in immer kürzerer Zeit neue Unterkünfte bereitstellen. "Wir verteilen jetzt massiv aus der Erstaufnahme in die Kommunen, damit wir Platz für Neuankömmlinge haben", sagte Ministeriumssprecher Ingo Decker am Dienstag in Potsdam.

2014 kamen 6300 Flüchtlinge nach Brandenburg

Denn die Zahl der Flüchtlinge steigt und steigt: Während derzeit täglich rund 250 Neuankömmlinge versorgt werden müssen, rechnet das Innenministerium spätestens vom Wochenende an mit 650 Menschen pro Tag. Das Ministerium erwartet allein in diesem Monat deutlich mehr Asylbewerber als im gesamten vergangenen Jahr, als rund 6300 Flüchtlinge aufgenommen wurden.

Am Dienstag traf ein Sonderzug mit 268 Menschen aus Salzburg im Bahnhof Schönefeld (Dahme-Spreewald) ein, die mit Bussen in die Erstaufnahmen Eisenhüttenstadt (Oder-Spree) und Doberlug-Kirchhain (Elbe-Elster) verteilt wurden.

4700 Plätze in der Erstaufnahmestelle Eisenhüttenstadt

Doch die Zahl der Menschen, die über die Balkan-Route nach Bayern kommen, hat sich nach Angaben aus Sicherheitskreisen in den vergangenen Tagen verdoppelt. Entsprechend mehr Menschen müssen nun die Bundesländer aufnehmen. Daher müssten sich die Landkreise und kreisfreien Städte darauf einstellen, noch deutlich mehr Flüchtlinge als bisher aufzunehmen, hieß es aus dem Innenministerium. Dies gelte auch für das kommende Wochenende.

Das Land sucht unterdessen nach einem weiteren Ort für die Erstunterbringung mit mindestens tausend Plätzen. Die Erstaufnahmestelle Eisenhüttenstadt verfügt mit ihren Außenstellen bislang über rund 4700 Plätze, davon 3000 in Notquartieren.

Fast alle Einrichtungen in Brandenburg belegt

Viele Städte und Gemeinden sehen sich inzwischen völlig überfordert. "Die Situation wird kritischer und kritischer", erklärte die stellvertretende Chefin des Brandenburger Städte- und Gemeindebundes, Monika Gordes. "Daher können keine Unterbringungsmöglichkeiten mehr ausgeschlossen werden". Fast alle verfügbare Einrichtungen im Land seien inzwischen belegt.

"Wir haben nur noch eine alte Turnhalle in Groß Glienicke als absolute Notfallreserve", sagte Potsdams Stadtsprecher Jan Brunzlow. In diesem Jahr müsse die Landeshauptstadt aber noch 800 Asylbewerber aufnehmen. "Aus diesem Grund haben wir acht Leichtbauhallen für 180 000 Euro das Stück angeschafft", erklärte er weiter. Die erste Traglufthalle solle demnächst aufgestellt werden. Bis zu 48 Menschen können hier untergebracht werden. Grundstücke dafür stehen parat.

Alternativen zu Turnhallen und Zelten gesucht

"Unsere Kapazitäten sind erschöpft. Wir versuchen jedoch, die Menschen möglichst nicht in Turnhallen und Zelten unterzubringen", sagte die Kreissprecherin von Ostprignitz-Ruppin, Britta Avantario. Es würden dringend Alternativen benötigt.

Eine Neuruppiner Holzbaufirma unternimmt auf diesem Markt jetzt einen Vorstoß und bietet für bis zu 11 000 Euro Holzcontainer mit winterfester Dämmung an. In Brück hat eine bayerische Firma im Auftrag des Landkreises Potsdam-Mittelmark 60 sogenannte Low-Cost-Häuser errichtet. Ein rund 33-Quadratmeter-Haus kostet rund 15 000 Euro und bietet bis zu sechs Menschen Platz.


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Unterdessen plant die rot-rote Landesregierung Verbesserungen für die Versorgung der Menschen im Landesaufnahmegesetz. Geplant sei, künftig mehr Sozialarbeiter für Asylsuchende einzustellen, Einzelwohnungen für Flüchtlinge zu fördern und die Gesundheitskarte einzuführen, sagte Linken-Fraktionschef Ralf Christoffers am Dienstag in Potsdam. Im April 2016 könnten die neuen Regelungen in Kraft treten. (dpa)

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